Team-Tüv

Saunier Duval: In den Bergen eine Klasse für sich

06.01.2007  |  (Ra) - Alles neu macht der Januar. Zum Jahreswechsel hin haben die ProTour-Teams ihre Transfers im Wesentlichen abgeschlossen. Radsport aktiv sagt, was wir in der kommenden Saison von den neu zusammengestellten Mannschaften erwarten können. Heute in unserem Team-Tüv: Saunier Duval.

14 Saisonsiege konnte die von Mauro Gianetti gemanagte Mannschaft in der vergangenen Saison einfahren - genau doppelt so viele wie 2005. Darunter waren prestigeträchtige Etappenerfolge bei Giro und Vuelta sowie die Gesamtsiege bei der Baskenland- und der Katalonien-Rundfahrt. Mit der Verpflichtung von Iban Mayo will Saunier Duval jetzt auch bei der Tour de France für Schlagzeilen sorgen.

Klassiker: Bei den Kopfsteinpflasterrennen wie der Flandern- Rundfahrt oder Paris-Roubaix steht Saunier Duval weiterhin auf verlorenem Posten. Beste Platzierung bei den großen Klassikern mit Pavé-Sektionen war Rang 22 von Francisco Ventoso bei Gent-Wevelgem. Bei der Flandern- Rundfahrt brachte das Team keinen einzigen Fahrer ins Ziel. Einzig nennenswerte Verstärkung für diese Rennen ist Raivis Belohvosciks. Der 30jährige Lette konnte 2003 die Flandern-Rundfahrt immerhin auf Rang 19 beenden. Bei den hügeligen Eintagesrennen sieht es für Saunier Duval etwas besser aus, auch wenn in der abgelaufenen Saison große Erfolge ausblieben. Immerhin konnte Goldo Kil beim Fleche Wallone den achten Platz herausfahren. Dazu beendete Nachwuchshoffnung Riccardo Ricco die Classica San Sebastia auf Rang 13. Neuzugang Iban Mayo und Routinier Gilberto Simoni, beide von Hause aus Rundfahrer, haben in der Vergangenheit ebenfalls gezeigt, dass ihnen die schweren Eintagesrennen liegen. So beendet Mayo 2003 Lüttich-Bastogne-Lüttich auf Rang zwei. Das gleiche Ergebnis erzielte Simoni bei der Lombardei-Rundfahrt 2005. Auch bei Rennen wie Mailand-San Remo oder Paris-Tours fehlen dem Team Spitzenfahrer. Vielleicht kann der junge Riccardo Ricco, der für dieses Terrain bestens geeignet scheint, diese Lücke füllen.
Wertung: 4/10 Punkte

Rundfahrten: Mit Iban Mayo hat das Team einen namhaften Neuzugang an Land gezogen, der bei der Tour de France für Furore sorgen soll. Allerdings blieb der Baske in letzter Zeit vieles schuldig. Vielleicht kann Mayo nach seinem Tapetenwechsel wieder an die alten Erfolge von 2003 und 2004 anknüpfen. In diesen Jahren gewann er die Dauphiné Libéré, die Baskenland-Rundfahrt und die Asturien-Rundfahrt, belegte bei der Tour de France Rang sechs und gewann die legendäre Etappe nach Alpe d'Huez. Beim Giro setzt Saunier Duval voll und ganz auf Gilberto Simoni. Der zweifache Giro-Sieger ist allerdings in die Jahre gekommen. Ob der 35-jährige Italiener seinen dritten Platz aus dem Vorjahr wiederholen kann, bleibt abzuwarten. Der hoffnungsvollste Rundfahrer im Team ist Jose Angel Gomez Marchante. Der Spanier mit dem wohlklingenden Namen konnte in der abgelaufenen Saison die Vuelta auf Rang fünf beenden. Zudem gewann er die schwere Baskenland-Rundfahrt. Mit 26 Jahren kommt Gomez Marchante erst noch ins beste Rundfahreralter. Von ihm kann man in der Zukunft einiges erwarten. Das gleiche gilt für seinen Landsmann Koldo Gil. Der 28-Jährige musste sich 2006 bei der Tour de Suisse nur Jan Ullrich geschlagen geben und beendete die anspruchsvolle Rundfahrt auf dem zweiten Platz. Die Bicicleta-Vasca konnte er sogar gewinnen. Ebenfalls zu erwähnen ist der Gesamtsieg bei der Katalonien-Rundfahrt durch David Canada. Der wohl beste Kletterer im Team ist Bergfloh Leonardo Piepoli. Der 35-jährige Italiener holte sich beim vergangenen Giro gleich zwei schwere Bergetappen . Um bei den großen Rundfahrten in der Gesamtwertung ganz vorne zu landen ist Piepoli – wie die meisten seiner Teamkollegen – ein zu schlechter Zeitfahrer. Immerhin kratzte er bei Giro und Vuelta mit den Plätzen 11 und 13 an den Top Ten. Das Zeitfahren beherrscht hingegen David Millar. Der nach seiner Dopingsperre zurückgekehrte Brite gewann bei der Vuelta gleich ein Zeitfahren und ist auch in Zukunft für Etappensiege im Kampf gegen die Uhr gut.
Wertung: 8/10 Punkte

Sprint: Im Sprintbereich fehlt Saunier Duval sowohl Masse als auch die ganz große Klasse. Francisco Ventoso hat zwar in der abgelaufenen Saison eine Massenankunft bei der Spanien-Rundfahrt gewonnen, zu den ganz großen Sprintern ist er trotzdem nicht zu zählen. Der 23jährige Italiener Riccardo Ricco, der bereits bei der Kalifornien-Rundfahrt und Tirreno Adriatico aufs Podium fahren konnte, ist ebenfalls ausgesprochen endschnell. Bei der Setimana Coppi e Bartali gewann Ricco eine Etappe im Sprint einer kleinen Spitzengruppe und ließ dabei sogar Weltmeister Paolo Bettini das Nachsehen. Er ist die große Sprinter-Hoffnung von Saunier Duval. Ob der dritte nominelle Sprinter, Luciano Pagliarini, im Team bleiben wird, steht noch nicht fest.
Wertung: 5/10 Punkte

Geheimtipp: In der abgelaufenen Saison war der junge Italiener Riccardo Ricco eine der positiven Erscheinungen bei Saunier Duval. In seiner ersten Profisaison fuhr der 23-Jährige bereits mehrere Topergebnisse ein, darunter zwei Siege. So konnte der endschnelle Allrounder bei der Setimana Coppi e Bartali eine Etappe im Schlusssprint und zum Jahresabschluss den Japan-Cup gewinnen. Sowohl bei Massensprints als auch bei schweren Eintagesrennen zeigte Ricco seine Klasse. Platz 13 beim ProTour Rennen in San Sebastian und die Podiumsplätze bei der Kalifornien-Rundfahrt und Tirreno Adriatico waren kein Zufall. Auch in den Bergen fühlt sich Ricco wohl. Als U23-Fahrer konnte er sogar ein Bergzeitfahren vor dem mexikanischen Kletterspezialisten Perez Cuapio gewinnen. In der kommenden Saison kann man von dem italienischen Talent noch mehr erwarten. Rennen wie Mailand-San Remo oder Paris-Tours dürften dem 23jährigen liegen. Dort könnte er von seinen Kletterfähigkeiten und von seinen Sprintqualitäten profitieren und vordere Platzierungen herausfahren.

Prognose: Saunier Duval ist voll und ganz auf die Rundfahrten ausgerichtet. Mit Mayo, Simoni, Piepoli, Gil und Gomez Marchante hat man gleich fünf starke Bergfahrer in den eigenen Reihen, die bei Rundfahrten Siege sammeln können. Allerdings fehlt dem Quintett die ganz große Klasse im Zeitfahren. Für Etappensiege sind Mayo, Simoni Co. allemal gut. Eher gering sind die Erwartungen im Klassiker- und Sprintbereich. 2007 darf man von Saunier Duval bei den Rundfahrten zahlreiche gute Platzierungen erwarten - fraglich allerdings, ob es zum ganz großen Coup bei einer der drei großen Rundfahrten reicht.
Gesamtwertung: 17/30 Punkte

Das Saunier Duval-Aufgebot 2007: Raul Alarcon, Raivis Belohvosciks, José Alberto Benítez, Rubens Bertogliati, Iker Camano, David Canada, Juan Jose Cobo, David De La Fuente, Jesus Del Nero, Arkaitz Duran, Alberto Fernandez, Koldo Gil, Angel Gomez Gomez, Jose Angel Gomez Marchante, Benat Intxausti (ab 8/07), Ruben Lobato, Piotr Mazur, Iban Mayo, Javier Mejias, David Millar, Manuele Mori, Luciano Pagliarini, Leonardo Piepoli, Riccardo Ricco, Christophe Rinero, Gilberto Simoni, Guido Trentin, Francisco Ventoso, Remmert Wielinga, Carlos Zarate

Zugänge: Iker Camano, Iban Mayo (beide Euskaltel), Raivis Belohvosciks (Universal Caffe), Jesus Del Nero (3 Molinas Resort), Benat Intxausti (Orbea), Remmert Wielinga (Quick.Step), Raul Alarcon (Neo-Profi)

Abgänge: Aaron Olsen, Marco Pinotti (beide T-Mobile), Charles Dionne (Colavita),Nicolas Fritsch(VC Aixois), Oliver Zaugg (Gerolsteiner)

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