Klageerhebung erst in 120 Tagen?

Basso fühlt sich bedroht

16.05.2007  |  Rom (dpa/Ra) - Ettore Torri, der Chefermittler des italienischen Olympischen Komitees CONI im Dopingfall Basso, will mit seiner Klageerhebung gegen den Girosieger von 2006 noch 60 oder gar 120 Tage warten, um das gesamte Ermittlungsinstrumentarium der Staatsanwaltschaft auszunutzen. Die Möglichkeiten der Antidoping-Kommission seien begrenzt, staatliche Dopingfahnder könnten nun aber mit polizeilichen Mitteln in Italien den Dopingskandal aufklären, erklärte Torri. Das italienische Dopinggesetz gibt den ermittelnden Staatsanwälten weitreichende Handlungsmöglichkeiten.

Das zusammengetragene Material sei aber schon ausreichend für eine Doping-Anklage gegen den bereits vorläufig gesperrten Basso. Eine zweijährige Sperre gilt als sicher. Von der in Aussicht gestellten Halbierung der Strafe ist in Rom keine Rede mehr, da Basso sich einer Kronzeugen-Regelung verweigert und nur so viel zuzugeben scheint, wie ihm ohnehin nachgewiesen werden kann.

Der Giro d'Italia-Sieger 2006 hatte gestanden, sein Blut bei Fuentes in Madrid zum Blutdoping für die Tour de France 2006 deponiert zu haben. Er habe jedoch nie tatsächlich gedopt. Ein Treffen mit Fuentes in Deutschland vor dem Giro hatte der 29-Jährige bei seinen bislang drei Anhörungen in Rom jedoch verschwiegen.

In Italien ermitteln bereits die Staatsanwaltschaften von Rom, Bergamo und Lucca in der Radsportszene. In der Hauptstadt wird zudem ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Basso, den ebenfalls als Fuentes-Kunden geständigen Michele Scarponi (Aqua&Sapone) und Fuentes mutmaßlichen «Blutkurier» Alessandro Kalc eröffnet.

Torris Ermittlungen gegen Basso wegen dessen Verwicklung in den spanischen Dopingskandal waren in den letzten Tagen ins Stocken geraten. «Ich bin teilweise enttäuscht über Bassos Aussagen. Das Ergebnis ist weniger brillant als wir erwartet hatten», gestand Torri. Er ist davon überzeugt, dass Basso aus der Dopingszene bedroht wird und sogar um seine körperliche Unversehrtheit fürchte. Deshalb habe er nach seinem ersten Geständnis plötzlich gemauert. «Er ist unter Druck gesetzt worden», sagte Torri.

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