Profi-Radsport

Bennati siegt auf den Champs Elysees

„A.C.“ gewinnt skandalöse Tour de France

29.07.2007 - Paris (dpa/Ra) - Mit dem Sieg des umstrittenen Alberto Contador (Discovery Channel) ist auf den Champs Élysées die skandalträchtigste Tour de France der Nachkriegszeit nach drei quälenden Wochen zu Ende gegangen.

Der 24-jährige Spanier, dessen Name unter dem Kürzel „A.C.“ im letzten Jahr noch auf der Fuentes-Liste geführt wurde, hatte nach 3569 Kilometern nur 23 Sekunden Vorsprung auf den Australier Cadel Evans (Predictor-Lotto) und 31 Sekunden auf seinen US-amerikanischen Teamkollegen Levi Leipheimer. Die Siegerehrung nahm nicht wie sonst üblich der Staatspräsident vor - der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe musste bei der traurigen Feier unter verregnetem Himmel für Nicolas Sarkozy einspringen.

Der Toursieger 2007, der das Gelbe Trikot nach dem Rauswurf des Dänen Michael Rasmussen (Rabobank) übernommen hatte, steht fest - allerdings mit unbekanntem Haltbarkeitsdatum. Der US-Amerikaner Floyd Landis konnte sich im Vorjahr nur ganze drei Tage über das Gelbe Trikot freuen. Dann wurde seine positive Doping-Analyse bekannt und sein Sieg aberkannt, auch wenn das offizielle Urteil bis heute aussteht.

Die 20. und letzte Etappe der 94. Tour, die von drei Dopingfällen, der Demission Rasmussens im Gelben Trikot und dem Ausschluss zweier Teams geprägt war, sicherte sich nach 146 Kilometern der Italiener Daniele Bennati (Lampre) mit seinem zweiten Tagessieg vor dem Norweger Thor Hushovd (Credit Agricole) und Erik Zabel (Milram). Der Belgier Tom Boonen (Quick Step) holte sich zum ersten Mal in seiner Karriere das Grüne Trikot. Zabel wurde in seiner 13. und wahrscheinlich letzten Tour in der Punktwertung hinter Boonen und dem Südafrikaner Robert Hunter (Barloworld) Dritter. Das Trikot für den besten Bergfahrer sicherte sich der Kolumbianer José Mauricio Soler (Barloworld).

Linus Gerdemann, dessen Team T-Mobile den herben Rückschlag der positiven Doping-Kontrolle von Patrik Sinkewitz wegstecken musste, überstrahlte die Tour-Bilanz der 19 deutschen Starter. Der 24-jährige Debütant aus Münster gewann die erste Alpen-Etappe in Le Grand Bornand und trug für einen Tag das Gelbe Trikot. Markus Fothen (Gerolsteiner), der in der Gesamtwertung keine Rolle spielte, konnte sich in Castelsarrasin zumindest über den zweiten Platz in der Tageswertung freuen. Der als Favorit gestartete Andreas Klöden musste nach dem Dopingfall Alexander Winokurow wie die übrigen Mitglieder des Astana-Teams am Ruhetag in Pau die Koffer packen und vorzeitig abreisen. Routinier Jens Voigt (CSC) war als 28. bester Deutscher im Gesamtklassement mit 1:08:12 Stunden Rückstand auf Contador.

Nur noch eine radikale Kursänderung verheißt der 104 Jahre alten Tour eine Zukunft. Mit dem Start der Tour 2008 in Brest, so kündigten es die Organisatoren an, sollen neue Anti-Doping-Richtlinien als Ersatz für das «bankrotte UCI-System» gelten, vielleicht zum ersten Mal nach 1968 wieder Nationalmannschaften zusammen mit Werk-Teams starten und der Weltverband UCI die Hoheit über das Rennen verlieren. «Langfristig ist die Tour in Gefahr, wenn sie zu einer simplen Parade gerät. Wir müssen ihre Glaubwürdigkeit wieder herstellen», sagte der Tour-Präsident Patrice Clerc.

Mit dem überraschenden Sieg Contadors triumphierte nach nur einem Jahr ohne Erfolg wieder das System Discovery Channel. Die amerikanische Mannschaft, für die Lance Armstrong 2005 seinen siebten und letzten Toursieg feierte, stand nun wieder auf dem Tour-Gipfel, stellte den Gesamtsieger, den Dritten und das beste Team. «Das ist die beste Discovery-Bilanz aller Zeiten. Contador hat das Zeug, noch viele Touren zu gewinnen», sagte Armstrong, der finanziell an der Mannschaft mitbeteiligt ist. Der Texaner war am Abschluss-Wochenende Gast bei der Tour.

Armstrong, der ebenfalls nach wie vor unter begründetem Doping-Verdacht steht, feuerte Contador beim Zeitfahren am vorletzten Tour-Tag über 55,5 Kilometer von Cognac nach Angouleme lautstark an. Der Spanier verteidigte die Spitzenposition im Gesamtklassement mit dem fünften Rang. Sein wie entfesselt fahrender Team-Kollege Leipheimer entpuppte sich in 1:02:44 Stunden als Schnellster aller 141 Teilnehmer im Kampf gegen die Uhr und feierte in Armstrong-Manier im fortgeschrittenen Rennfahreralter von 33 Jahren seinen ersten Tour-Etappensieg.

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