Profi-Radsport

Von Ullrich bis Sinkewitz

Im Dopingschatten - T-Mobiles letztes Jahr

27.11.2007 - Hamburg (dpa/Ra) - Die Deutsche Telekom AG hat die Konsequenzen aus den Doping-Vorfällen gezogen und das Sponsoring des T-Mobile-Teams beendet. Dem Rückzug als Sponsor sind im Jahr 2007 eine Reihe von Dopingfällen innerhalb des Teams und zahlreiche Dopinggeständnisse ehemaliger Magenta-Fahrer voraus gegangen.

26. Februar: Toursieger Jan Ullrich, schwer belasteter langjähriger Star der Teams Telekom und T-Mobile, gibt in Hamburg seinen Rücktritt bekannt. Ullrich bestreitet Dopingvorwürfe.

3. April: Die Staatsanwaltschaft Bonn stellt einen DNA-Abgleich zwischen einer Speichelprobe Jan Ullrichs und dem Inhalt der beim mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gelagerten Blutbeutel her.

28. April: Der Belgier Jef D`Hont, Betreuer im Telekom-Team zwischen 1992 und 1996, beschuldigt die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid, aktiv ein Doping-System installiert zu haben und auch den Ex- Teamchef Walter Godefroot.

3. Mai: Der Telekom-Nachfolger T-Mobile suspendiert die beiden Mediziner von der Universität Freiburg, die zunächst ihre Schuld abstreiten, sie später aber eingestehen. Schmid und Heinrich werden auch von der Freiburger Sportmedizin suspendiert.

11. Mai: T-Mobile suspendiert Sergej Gontschar, der im Vorjahr bei der Tour de France zwei Mal das Gelbe Trikot getragen hatte. Der Ukrainer wies in einer teaminternen Kontrolle anormale Blutwerte auf und wird am 19. Juni wegen Verstoßes gegen den «Ethik-Code» von T-Mobile entlassen.

21. Mai: Bert Dietz ist der erste ehemalige Telekom-Profi, der Doping in den 90er Jahren gesteht. Ihm folgen die geständigen Rolf Aldag (heute Teamchef), Erik Zabel (aktiver Profi), Udo Bölts (Ruhestand), Christian Henn (Teamchef Gerolsteiner), Bjarne Riis (Team-Manager CSC), Jörg Jaksche (derzeit gesperrt) und Brian Holm (Sportlicher Leiter T-Mobile).

2. Juli: Jörg Jaksche gesteht, dass er in sämtlichen Mannschaften, für die er fuhr - unter anderen Telekom und CSC - gedopt habe. Meistens sei das unter Team-Regie geschehen.

18. Juli: T-Mobile suspendiert Patrik Sinkewitz nach einer positiven A-Probe auf Testosteron vom 8. Juni. Als Reaktion darauf beenden ARD und ZDF ihre Live-Übertragungen von der Tour de France mit sofortiger Wirkung.

31. Juli: Sinkewitz-Anwalt Michael Lehner teilt dem Bund Deutscher Radfahrer mit, dass sein Mandant auf die Öffnung der B-Probe verzichten werde. T-Mobile kündigt die Entlassung des 26 Jahre alten Sinkewitz an.

4. September: Der T-Mobile-Profi Lorenzo Bernucci wird bei der Deutschland-Tour positiv auf den Appetitzügler «Sibutramin» getestet und wird von seinem Team sofort entlassen.

25. Oktober: Der von T-Mobile suspendierte Profi Sinkewitz berichtet vor dem Sportgericht des BDR über systematisches Doping unter anderem auch beim T-Mobile-Team noch im Jahr 2006. Sinkewitz berichtet über Eigenblutdoping an der Freiburger Uni-Klinik unter Aufsicht der beschuldigten Mediziner Heinrich und Schmid während der Tour 2006. Er nennt aber keine Namen anderer an Dopingpraktiken beteiligten Fahrern. Anschließend konkretisiert er in diversen Medien seine Vorwürfe.

1. November: Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes und der Freiburger Oberstaatsanwaltschaft durchsuchen in einer Großrazzia die Wohnungen und Arbeitsplätze der Uni-Mediziner Schmid und Heinrich. Sie stellen Festplatten, CDs und schriftliche Unterlagen sicher.

2. November: Im Zuge des Rechtsstreits zwischen dem Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke und Jan Ullrich erklärt Franke, Ullrich habe im Jahr 2006 insgesamt 120 000 Euro an den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gezahlt. Franke Anwalt Michael Lehner kündigt an, den früheren Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage, Fuentes die geständigen Dopingsünder Ivan Basso und Jörg Jaksche und den Ex- Telekom-Masseur Jef D`Hont als Zeugen vorzuladen.