Profi-Radsport

UCI warnt Teams vor Start bei Paris-Nizza

Steuert der Radsport auf den Showdown zu?

26.02.2008 - Berlin (dpa/Ra) - Der Radsport-Weltverband UCI und der mächtige Tour-de-France-Veranstalter ASO steuern auf eine Kollision zu, die mit einem Totalschaden für den ohnehin angeschlagenen Radsport enden könnte. Vor dem traditionellen Etappenrennen Paris-Nizza (9. - 16. März) warnt die UCI die Profi-Teams in einem Brief vor einer Teilnahmen an dem ASO-Rennen, das unter die Regie des französischen Verbandes gestellt wurde. Mögliche Konsequenzen für startende Teams nannte der Dachverband noch nicht. In dem Verbands-Schreiben heißt es aber warnend: «Die UCI vertraut darauf, dass die Teams die Ernsthaftigkeit der Situation erkennen und auf einen Start verzichten, auch im Hinblick auf mögliche Sanktionen.»

Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer sieht in dem sich zuspitzenden Streit einen «Vorlauf für die Tour» und gab zu bedenken: «Alle 18 ProTour-Teams haben bei der UCI eine Bankgarantie in Höhe eines Viertels aller Fahrer-Gehälter hinterlegt.» Damit hält die UCI ein probates Druckmittel in der Hand und könnte gegebenenfalls drastische Strafen verhängen. «Das Minimum der Bürgschaft beträgt 604 000 Euro, bei vielen Teams wird es über eine Million liegen», sagte Holczer der Deutschen Presse- Agentur dpa.

Der Gerolsteiner-Chef hat sich noch nicht entschieden, wie er sich verhalten wird. Unter den Teams und deren Sponsoren würden intensive Beratungen beginnen. Holdzer hofft auf «Möglichkeiten einer Synthese. UCI, ASO und die Teams müssen sich an einen Tisch setzen.» Wenn keine Einigung zustande kommt, befürchtet der ehemalige Lehrer «den großen Showdown, bei dem uns von beiden Seiten die Kugeln um die Ohren fliegen werden». Luc Eisenga, der Kommunikations-Manager des niederländischen Rabobank-Teams, hofft auf eine rasche Einigung der Streithähne: «Wir Teams sind nicht direkt Partei, nur die Leidtragenden.»

Das seit 1933 ausgetragene Rennen hat sich unter die Schirmherrschaft des französischen Verbandes gestellt, was zur Folge hatte, dass die UCI Paris-Nizza als «Privat-Veranstaltung mit keinerlei Verbindung zum organisierten Sport der Olympischen Familie» deklarierte. Der Dachverband werde die Leitung der Doping-Kontrollen verweigern, keine Kommissäre schicken und keinen Sieger anerkennen, hieß es in dem Schreiben. UCI-Präsident Pat McQuaid rief das französische Sportministerium und den französischen Verband auf, ihre Haltung noch einmal zu überdenken.

Der Streit zwischen den Renn-Veranstaltern mit der ASO an der Spitze und der UCI schwelt seit Jahren. Die vergangene Tour mit drei Doping-Fällen und den Querelen um den Dänen Michael Rasmussen, der im Gelben Trikot die Rundfahrt verlassen musste, hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Tour-Chefs unterstellten der UCI im Fall Rasmussen eine gezielte Provokation und erteilten McQuaid eine Art Platzverbot. Die Verlagsgruppe ASO kündigte an, die von ihnen veranstalteten Rennen - darunter auch der Klassiker Paris-Roubaix - in Zukunft außerhalb der UCI-Verantwortlichkeit zu stellen. Vor dem Saisonstart war der Weltverband den Organisatoren entgegen gekommen, hatte sie von starren Einladungs-Kriterien entbunden und den ProTour- Rennkalender modifiziert.

Wenn es hart auf hart kommt, könnten die Teams, die wegen der Doping-Diskussion ohnehin mit dem Rücken zur Wand stehen, in einer schwierigen Zwickmühle stecken. Entweder sie folgen der UCI und können ungehindert an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnehmen, oder sie folgen der ASO und haben freie Fahrt beim für alle Sponsoren und Profis größten Highlight Tour de France und anderen wichtigen Rennen. Dass sich die ASO nicht mehr an UCI-Regeln gebunden fühlt, hat die Verlagsgruppe bereits mit der kategorischen Ausladung des Astana-Teams für Paris-Nizza, Paris-Roubaix, Tour de France und alle andere ASO-Rennen bewiesen.

Im Vorjahr hatte die ASO trotz UCI-Warnung auch einen Nicht-Start der schwedischen Unibet-Mannschaft, die für einen privaten Wettanbieter warb, bei Paris-Nizza durchgesetzt.

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