Deutsche Meisterschaften enden mit Außenseitersieg

Reimer führt Milram und Columbia vor


Martin Reimer (Cervélo TestTeam) ist neuer Deutscher Straßenmeister.

Foto: ROTH

28.06.2009  |  (rsn/dpa/sid) - Mit einer dicken Überraschung endeten am Sonntag die deutschen Straßenmeisterschaften in Cottbus. Nicht die hochgehandelten Sprinter um André Greipel (Columbia-Highroad) und Heinrich Haussler (Cervélo TestTeam) machten den Sieg unter sich aus. Stattdessen triumphierten drei Nachwuchsfahrer.

Auf dem Traditionskurs Cottbus-Görlitz-Cottbus gelang Martin Reimer (Cervélo TestTeam) beim Heimspiel im Sprint einer kleinen Ausreißergruppe der große Coup. Der 22 Jahre alte Cottbuser siegte nach 239,2 Kilometern vor dem gleichaltrigen Dominic Klemme (Saxo Bank) und dem ein Jahr älteren Roger Kluge (LKT-Team Brandenburg), der ebenfalls wie Reimer aus Cottbus stammt. Für Reimer, der im letzten Jahr den Straßentitel in der Klasse U23 geholt hatte, war es der bisher größte Erfolg seiner Karriere.

Eine Schlappe einstecken mussten dagegen die favorisierten Teams Milram und Columbia-Highroad, die sich im Finale nicht einig waren und das Rennen aus der Hand gaben. Titelverteidiger Fabian Wegmann erreichte in einer ersten Verfolgergruppe das Ziel und musste sich hinter Marcel Sieberg (Columbia-Highroad) mit Platz fünf zufriedengeben. Eine starke Leistung zeigte Michael Schweizer (SC Wiedenbrück), der Sechster wurde. Dahinter landete Wegmanns Teamkollege Christian Knees auf Rang sieben.

"Drei Meter vor dem Ziel wusste ich, dass ich gewinne. Klemme war fertig. Es war gut, dass Roger Kluge bei mir war. Allein hätte ich das nicht geschafft", sagte Reimer, der den Silbermedaillengewinner von Peking im Punktefahren bereits seit dem 13. Lebensjahr kennt.

„Ich hätte meinen Titel heute sehr gerne verteidigt und war im Grunde auch kurz davor“, so Wegmann, der sich über die fehlgeschlagene Taktik im Ziel ärgerte. „Leider hat die Verfolgergruppe nicht so harmoniert wie erhofft.“ Auch sein Teamkollege Knees war mit dem Ausgang des Rennens nicht zufrieden: „Unser Ziel war es, eine große Gruppe wegfahren zu lassen in der wir mit den richtigen Leuten vertreten sind“, sagte der 28 jahre alte Euskirchener. „Das ist uns geglückt, aber leider herrschte im Finale Uneinigkeit in der Gruppe, die von den drei Ausreißern clever ausgenutzt worden ist.“

Auf dem flachen Parcours fiel bereits nach wenigen Kilometern eine Vorentscheidung, als sich in einer sehr schnellen und hektischen Anfangsphase 20 Fahrer aus dem 114 Fahrer starken Feld absetzen konnten. Das größte Kontingent in der Ausreißergruppe stellte Milram mit fünf Fahrern (Wegmann, Knees, Markus Eichler, Artur Gajek, Christian Kux), aber auch Columbia hatte mit Sieberg, Marcus Burghardt und dem Zeitfahrmeister Bert Grabsch drei von insgesamt fünf Startern in der Gruppe platzieren können – nicht allerdings André Greipel, von vielen Experten als großer Favorit gehandelt. Dazu kamen Reimer, Klemme und Kluge sowie Matthias Friedemann, Patrik Sinkewitz (beide PSK Whirlpool-Author), Daniel Musiol (Team Voralberg-Corratec), Ingmar Daßler (LKT Team Brandenburg), Eric Mohs (Team Nutrixxion), Steffen Radochla (Elk Haus), Ex-Gerolsteiner-Profi Sven Krauß (RSV Öschelbronn) und die beiden Milram-Conti-Fahrer Christian Bach und Christopher Schmieg.

Nachdem sich der Abstand zwischen den beiden Gruppen lange Zeit zwischen 20 und 40 Sekunden bewegt hatte und vor allem das Team Nutrixxion bei den Verfolgern Tempo machte, gab das Feld nach rund zwei Stunden seine Bemühungen auf, die Ausreißer wieder zu stellen. Bis auf acht Minuten wuchs daraufhin deren Vorsprung an. Die Verfolger wurden 30 Kilometer vor dem Ziel zu Beginn der fünf Finalrunden auf dem Cottbuser Stadtring sogar aus dem Rennen genommen – der Rückstand betrug zu diesem Zeitpunkt immer noch rund sechs Minuten. An der Spitze war es etwa 50 Kilometer vor dem Ziel mit der Einigkeit vorbei und die ersten Attacken begannen.

Allerdings hielten Milram und Columbia zunächst die Fluchtgruppe noch zusammen. Erst Klemme gelang es, sich abzusetzen und einen Vorsprung von über 30 Sekunden herauszufahren. Da Milram und Columbia dieses Mal nicht reagierten, gingen Kluge und Reimer auf die Verfolgung. Das Trio nutzte die Uneinigkeit unter den Verfolgern aus und machte schließlich den Sieg unter sich aus. Im Schlussspurt bezwang Reimer, U23-Meister von 2008, seinen Vorgänger Klemme und seinen ehemaligen Teamkollegen Kluge, der auf der Zielgerade gegen die beiden Konkurrenten passen musste, weil er sich vor Reimer in den Wind gespannt hatte.

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