Dopingkontrollen bei der Tour

WADA-Report macht 57 Verbesserungsvorschläge

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Polizisten stehen Wache am Eingang zur Dopingkontrollstelle nach einer Tour-Etappe.

29.10.2010  |  Montreal (dpa/rsn) - Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA bei der Tour de France eingesetzte Beobachter-Kommission bemängelt in ihrem vorgelegten Report zu wenig Zielkontrollen bei verdächtigten Fahrern. Einige der am meisten verdächtigten Fahrer, deren Leistungen „sich signifikant gesteigert“ hätten, seien fast überhaupt nicht getestet worden, bemängelte der Report.

Alleinverantwortlich für die Tour-Kontrollen war der Weltverband UCI. Die Kooperation zwischen WADA und der Französischen Anti-Doping-Agentur AFLD habe die UCI-Kontrolleure zu 33 gezielt entnommenen Blut- und Urin-Proben animiert.

In das Kölner Anti-Doping-Labor, das den positiven Befund des Toursiegers Contadors analysiert hatte, seien nur zehn Tour-Proben geschickt worden. Insgesamt waren bei der Frankreich-Rundfahrt 540 Blut- und Urin-Kontrollen vorgenommen worden. Allerdings nur bei 15 Prozent davon hat es sich laut WADA um unangemeldete - und deshalb besonders effektive - Tests gehandelt.

Bis zum Fall Contador, der erst Anfang September öffentlich wurde, obwohl die positiven Tests mehrere Wochen vorher vorlagen, war die Tour 2010 wie 2009 offiziell „sauber“. Die Clenbuterol-Affäre um den spanischen Seriensieger - Contador machte verseuchtes Fleisch für die erhöhten Werte verantwortlich - ist noch nicht ausgestanden. Die UCI prüfte die Angelegenheit nach eigenen Angaben weiterhin.

Sollte die Dachorganisation Contador für schuldig befinden, wird der königlich Spanische Radsportverband RFEC mit der Einleitung eines Verfahrens beauftragt. Bisher habe weder der RFEC noch das Spanische Olympische Komitee COE eine offizielle Mitteilung der UCI erhalten, obwohl beide Institutionen sie mehrfach gefordert hätten. Das erklärten RFEC-Chef Juan Carlos Castano und der COE-Vorsitzende Alejandro Blanco.

Der Tour-Report gibt 57 Verbesserungsvorschläge zur Optimierung der Dopingkontrollen durch die UCI. Er empfiehlt zum Beispiel die Tests in den Fahrer-Hotels entweder noch früher am Morgen als bisher üblich oder sogar in der Nacht vorzunehmen. Dann sei am wahrscheinlichsten, gespritze Mikrodosen von beispielsweise EPO und anderen Blutdoping-Präparaten nachzuweisen.

Übliche Praxis ist es bisher, dass die UCI-Kontrolleure morgens gegen 7 Uhr in die Quartiere kommen und dann den Betreuern einige Zeit einräumen, die Fahrer zu wecken und zu den Kontrollen zu bitten. Bei der Tour 2009 habe die Zeitspanne zwischen Eintreffen der UCI- Ärzte und Beginn der Kontrollen bei der Astana-Mannschaft mit Lance Armstrong und Contador rund eine Stunde betragen, wie vor einem Jahr die AFLD moniert hatte.

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