HTC-Highroad: Existenzängste vor der Tour

Aldag zieht Deadline am 18. Juli


Rolf Aldag (HTC-Highroad) Foto: ROTH

27.06.2011  |  Berlin (dpa/rsn) - Die Tour de France vor Augen - das Team-Aus im Hinterkopf: Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gehen bei HTC-Highroad Existenzängste um. Das nach Anzahl der Siege gemessen erfolgreichste Team der vergangenen Jahre ist fieberhaft auf der Suche nach neuem Sponsorengeld - sonst könnte die am 2. Juli startende Tour die letzte für die US-Equipe sein. "So kurz vor der Tour ist das schon belastend", räumte etwa Tony Martin ein, der um Etappensiege und eine Top-Ten-Platzierung fahren will.

Bei den deutschen Meisterschaften verpasste der Wahl-Schweizer bereits den erhofften Zeitfahrtitel, im Straßenrennen hatte der 26-Jährige mit dem Ausgang nichts zu tun. In seinem vierten Profijahr kommt Martin ins Grübeln. "Ich würde gerne bleiben, aber es kommen auch Anfragen von anderen Teams", gab der gebürtige Cottbuser zu. Supersprinter Mark Cavendish wird mit dem britischen Team Sky in Verbindung gebracht.

Teamchef Rolf Aldag rechtfertigte den Zeitpunkt, an dem die bedrohliche Lage des Teams mitgeteilt wurde. "Das Ziel war, offen und ehrlich mit der Situation umzugehen", sagte der Westfale. Am Freitag war Rennstall-Eigentümer Bob Stapleton mit der Nachricht an die Presse gegangen. Dass nun andere Teams bei seinen Schützlingen vorstellig werden, akzeptiert Aldag. "Wir verstehen, dass Karrieren von der Entscheidung abhängen", erklärte er. Jeder Fahrer gehe anders mit der Situation um. "Ich glaube, dass viele Leute zwar nicht glücklicher, dafür aber entspannter schlafen."

Martin, seit 2008 im Team, ist hin- und her gerissen. "Da ist einerseits die Loyalität zum Team gefragt, aber andererseits will man Sicherheit für die nächsten Jahre", betonte er. Um die Zukunft des zweimaligen WM-Dritten macht sich Aldag überhaupt keine Sorgen, ebenso um mögliche neue Arbeitgeber für die anderen acht diesjährigen Tour-Fahrer. "Die kommen jederzeit überall unter und würden auch noch mehr Geld verdienen", vermutete Aldag.

Er hat schon eine "Deadline" für die Entscheidung gezogen - den 18. Juli. "Am zweiten Ruhetag der Tour de France müssen wir Bescheid wissen", machte der Teamchef deutlich. Die Hoffnungen ruhen auf einem neuen Sponsor oder - noch lieber - einer Vertragsverlängerung mit HTC. "Große Firmen haben schon Interesse bekundet", so Aldag, "und auch HTC hat noch nicht Nein gesagt."

Aussichtslos ist die Lage bei weitem nicht, vor allem weil Stapleton als begnadeter Pokerkünstler gilt. Der Kalifornier holte nach seiner Übernahme des Teams unter anderem den Bekleidungskonzern Columbia und zuletzt HTC ins Boot. Legendär ist sein Verhandlungsgeschick beim vorzeitigen T-Mobile-Ausstieg 2007: Das Adieu ließen sich die Bonner damals bei noch bestehenden Verträgen dem Vernehmen nach mehr als 25 Millionen Euro kosten.

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