Erfurterin hat in London schon Rio im Blick

Vogel setzt ihre WM-Rekordjagd am Sonntag in Sprint fort


In London weiter auf Rekordjagd: Kristina Vogel nach ihrem WM-Sieg im Keirin | Foto: Cor Vos

04.03.2016  |  London (dpa) - Stolz präsentierte Kristina Vogel auf dem Podest neben Anna Meares ihre Goldmedaille, in den Radsport-Bestenlisten will sie die australische Rivalin schon bald hinter sich lassen.

"Ich will irgendwann als erfolgreichste Bahnradsportlerin aller Zeiten aufhören. Ich möchte den Rekord so früh wie möglich fix machen. Ich arbeite dran", sagte Vogel, nachdem sie am Donnerstag bei den Bahn-Titelkämpfen in London mit dem Triumph im Keirin bereits ihren siebten Weltmeistertitel eingefahren hatte.

Noch vier WMGoldmedaillen fehlen der erst 25 Jahre alten Ausnahmesportlerin bis zur Bestmarke von Meares, schon jetzt liegt sie auf dem fünften Platz der ewigen Bestenliste. Geht es in diesem Tempo weiter, ist der Rekord nur noch eine Frage der Zeit. Schon am Sonntag soll Titel Nummer acht im Sprint folgen. "Je mehr Siege, desto besser. Langweilig wird es nie", beschreibt Vogel ihren großen Ehrgeiz.

Langweilig vielleicht nicht, aber für die Konkurrenz sicher frustrierend. Am Donnerstag fuhr die Erfurterin in allen drei Keirin-Rennen jeweils von der Spitze weg, trotz Windschattens gab es für Meares und Co. kein Vorbeikommen. Dabei lässt Vogel zum Teil größere Gänge (52-13) als die männlichen Kollegen aufschrauben. Ehrengast Victoria Pendleton, die neun WM-Titel gesammelt und nach ihrem Karriereende in Großbritannien eine Jockey-Karriere gestartet hat, war im Velodrome mächtig beeindruckt. "Sie ist sehr stark", die Britin die junge Deutsche.

Die Erfolgsgeschichte des nur 1,60 Meter großen Kraftpakets ist schon besonders. Bereits im Juniorenbereich kündigte sich eine große Karriere an, als Vogel sechs WM-Titel gewann. Bis sich an jenem 20. Mai 2009 alles für die lebenslustige Sportlerin änderte. Bei einer Trainingsfahrt nahm der damals 18-Jährigen ein Kleinbus die Vorfahrt. Vogel flog durch die Heckscheibe, lag zwei Tage im Koma. Sie erlitt Brüche am ganzen Körper und verlor alle Zähne. Unzählige Operationen und Rehamaßnahmen folgten, die Narben im Gesicht sind noch heute zu sehen. "Der Unfall ist Teil meines Lebens", sagt sie.

Und es scheint, als hätte der Schicksalstag sie noch stärker gemacht. Für den Bund Deutscher Radsportler (BDR) ist die als Kleinkind mit ihren Eltern aus Kirgistan gekommene Vogel ein Glücksfall. Schon bei den Olympischen Spielen in London 2012 hatte sie mit Miriam Welte überraschend Gold im Teamsprint gewonnen. Am Mittwoch holte das bewährte Duo immerhin Bronze, nachdem es in der Wintersaison bei Partnerin Welte nicht so gut lief.

Vogel wird nach ihren aktuellen Auftritten auch in Rio eine Kandidaten für drei Olympische Goildmedaillen sein: Sprint, Keirin und Teamsprint. "Schön, dass ich mit Selbstbewusstsein nach Rio fahren kann. Ich muss aber hart weiterarbeiten. Die Konkurrenz schläft nicht", betont sie.

Die Vorfreude auf Rio ist jedenfalls riesengroß. "Wenn die WM zu Ende ist, der erste Lehrgang ansteht, dann kommt langsam das Olympia-Feeling. Richtig hautnah wird es dann, wenn du zur Einkleidung fährst und die Sachen anprobieren darfst, die du bei Olympia präsentierst", berichtet Vogel, die neben ihrer Karriere eine Ausbildung bei der Polizei absolviert hat. Denn nur mit dem Bahnradsport lässt sich nicht genug verdienen. "Wenn ein bisschen mehr rumkommen würde, wäre es auch nicht schlecht. Aber was soll ich meckern, davon wird es auch nicht besser", fügt sie hinzu.

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