Italiener gewinnt 5. Tour-Etappe

Aru tritt im Meistertrikot in Nibalis Fußstapfen, Froome in Gelb

Von Lorenz Rombach

Foto zu dem Text "Aru tritt im Meistertrikot in Nibalis Fußstapfen, Froome in Gelb"
Fabio Aru (Astana) hat die 5. Etappe der Tour de France gewonnen. | Foto: Cor Vos

05.07.2017  |  (rsn) – Déjà-vu für die Tifosi an den Planche des belles filles. Vor drei Jahren siegte im 5,9 Kilometer langen Schlussanstieg in den Vogesen Vincenzo Nibali im Trikot des Italienischen Meisters – heute gelang seinem ehemaligen Teamkollegen Fabio Aru (Astana) dieses Kunststück. Nach 160,5 Kilometern von Vittel zur 1.035 Meter hohen Bergankunft siegte der 26-jährige Sarde mit 16 Sekunden Vorsprung auf Daniel Martin (Quick-Step Floors). Das Gelbe Trikot übernahm Chris Froome (Sky), der 20 Sekunden hinter Aru Dritter wurde.

"Nach Siegen bei Giro und Vuelta hat mir der Tour-Etappensieg noch gefehlt. Ich wusste, dass die letzten Kilometer sehr schwer werden würden. Es hat mich überrascht, dass mir bei meiner Attacke niemand gefolgt ist und ich als Solist ins Ziel gekommen bin", sagte Arur im Ziel zu den wartenden Journalisten, nachdem er im Alter von gerade mal 27 Jahren nun Etappensiege bei allen drei GrandTours verbuchen kann. 2,5 Kilometer vor dem Ziel ging der kleine Sarde in die Offensive und tanzte in seinem gewohnt wackeligen Stil die steilen Rampen hinauf.

Dahinter setzte 1,5 Kilometer vor dem Ziel der Titelverteidiger höchstselbst die einzige nennenswerte Konterattacke, der nur Martin, Nairo Quintana (Movistar), Romain Bardet (Ag2r) und Richie Porte (BMC) folgen konnte. Der Australier wurde am Ende zeitgleich hinter Froome Vierter, nachdem sein Team den gesamten Tag über gearbeitet und eine stark besetzte Ausreißergruppe im Zaum gehalten hatte. Das erste prominente Opfer von Froomes Attacke war Quintana, der kurz vor der Flamme Rouge reißen lassen musste und auf Rang neun 34 Sekunden gegenüber Aru verlor. Bardet, Porte und Martin konnten dem Briten jedoch folgen, der Ire überspurtete ihn sogar noch auf den letzten 200 Metern.

"Als Aru ging, blieb ich bei meinen Teamkollegen und habe auf die Attacken der anderen gewartet, aber niemand hat sich bewegt. Deshalb dachte ich, ok, wir müssen gehen, was kann ich tun? Dann kam da ein flacheres Stück und da haben wir vielleicht zu lange gewartet. Der letzte Teil war dann sehr hart und Martin zog sehr schnell davon“, sagte der Sieger der Ankunft des Jahres 2012 im Ziel.

Den wie entfesselt fahrenden Aru jedoch konnte auch der dreimalige Tour-Sieger nicht mehr stellen. Nach seiner Galavorstellung bei der ersten Bergankunft der 104. Tour de France ist der Italienische Meister nun Gesamtdritter,liegt lediglich 14 Sekunden hinter Froome und führt zudem die Bergwertung an. Auf Platz vier folgt mit 25 Sekunden Rückstand der Etappenzweite Martin. Fünfter ist Porte, 39 Sekunden hinter dem Gelben Trikot und damit vier Sekunden vor dem neuen Träger des Weißen Trikots, dem Briten Simon Yates (Orica-Scott). Quintana begelt nur Rang zehn hat bereits 54 Sekunden Rückstand auf Froome, während der Pole Rafal Majka auf Rang zehn der bestplatzierte der deutschen Bora-hansgrohe-Mannschaft ist.

Den Großteil des Tages bestimmte eine Ausreißergruppe, die es in sich hatte. Nachdem Thomas Voeckler (Direct Energie), der seine letzte Tour de France fährt, bei Kilometer 0 attackiert hatte, schlossen sich dem Franzosen noch Jan Bakelants (Ag2r), Mickael Delage (FDJ), Edvald Boasson Hagen (Dimension Data), Dylan van Baarle (Cannonale-Drapac), Pierre-Luc Perichon (Fortuneo-Oscaro), Philippe Gilbert (Quick-Step Floors) und Thomas De Gendt (Lotto Soudal) an.

Doch Portes BMC-Mannschaft hatte eigene Pläne und bereits nach zehn Kilometern schickte der Australier seine Mannen nach vorne. Insbesondere die beiden Schweizer Stefan Küng und Michael Schär fuhren kilometerlang von vorne und gewährten den acht Ausreißern lediglich einen Vorsprung von maximal 3:30 Minuten.

"Die Jungs um Stefan Küng und Michi Schär sind sehr stark gefahren. Sie haben die Gruppe richtig gut kontrolliert. Wir wollten am Schlussanstieg natürlich auch etwas probieren, aber Aru war super stark. Froome ist ein starker Form, aber sein Team erscheint mir nicht so dominant wie früher. Vielleicht bekommen sie jetzt etwas mehr Arbeit, wenn Astana es mit Aru nun öfter probiert", sagte Porte zur Leistung seiner Mannschaft, den er nicht wie erhofft krönen konnte. 

Aus der Spitzengruppe heraus sicherte sich Boasson-Hagen den Zwischensprint, während im Feld Michael Matthews (Sunweb) und Marcel Kittel (Quick-Step Floors) die meisten Punkte abräumten und etwas näher an das Grüne Trikot von Arnaud Démare (FDJ) herankamen. Die Spitze zerfiel dann im letzten Teil der Etappe, nachdem zuerst Delage und De Gendt am ersten kategorisierten Anstieg des Tages, der Côte d'Esmoulières (3.Kategorie), die Segel streichen mussten.

Rund 20 Kilometer vor dem Ziel attackierte dann Gilbert an seinem 35. Geburtstag -  und nur sein Landsmann Bakelants konnte folgen. Da hatte BMC den Abstand jedoch bereits auf unter zwei Minuten reduziert und die beiden Belgier retteten lediglich eine Minute in den 5,9 Kilometer langen Schlussanstieg. Vier Kilometer vor dem Ziel war es schließlich um die letzten verbliebenen Ausreißer geschehen – sie wurden von der Favoritengruppe eingeholt, die, ein durchaus bekanntes Bild, von der Sky-Mannschaft angeführt wurde.

Doch 2,5 Kilometer vor dem Ziel verlor die Star-Truppe die Kontrolle, als Aru in einem Steilstück zum Angriff blies und schnell einen Vorsprung von 15 Sekunden herausfuhr. Dahinter sorgten erst Michal Kwiatkowski und dann Mikel Nieve für das Tempo doch keiner der Froome-Helfer konnte den Astana-Kapitän wieder zurückholen. So musste der Kapitän selbst reagieren, um Aru nicht zu weit wegzulassen und sich selbst das Gelbe Trikot zu sichern – was ihm auch gelang.

Der Etappensieg jedoch gehörte Aru, der seiner Astana-Mannschaft den bisher wichtigsten Saisosieg bescherte. Nachdem im April der im Team äußerst beliebte Michele Scarponi bei einem Trainingsunfall ums Leben kam, musste Aru auch noch seinen Giro-Start aufgrund einer Knieverletzung absagen – der Sarde wollte die Gesamtwertung der 100. Italien-Rundfahrt anpeilen, die auf seiner Heimatinsel startete.

Dementsprechend erleichtert äußerte sich auch Astana-Teamchef Alexander Winokourow im Ziel der heutigen Etappe: "Der Sieg ist nach den schweren letzten Monaten sehr gut für unsere Moral. Wir wollten heute mit Aru hier etwas probieren, das war schon unser Plan. Er war sehr stark,“ so der Kasache zum Sieg seines Schützlings, der morgen im Bergtrikot an den Start gehen wird, während Sky die Führung in der Mannschaftswertung verteidigte.

Weiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößern

Mehr Informationen zu diesem Thema

20.07.2020Video-Rückblick: Matthews erobert das Grüne Trikot der Tour 2017

(rsn) - Als Michael Matthews (Sunweb) 2017 erstmals in seiner Karriere das Grüne Trikot der Tour de France eroberte, beendete er eine glanzvolle Frankreich-Rundfahrt, in deren Verlauf er auch zwei Et

01.07.2020Video-Rückblick: Valverdes Tour-Sturz von Düsseldorf

(rsn) - Vor genau drei Jahren stürzte Alejandro Valverde (Movistar) beim Auftakt der Tour de France in Düsseldorf im Zeitfahren auf regennasser Straße so schwer, dass dem Spanier sogar das Karriere

30.10.2019Düsseldorf muss Tour de France-Vertrag offenlegen

(rsn) - Die Stadt Düsseldorf muss den Vertrag, der zwischen der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens und der französischen Amaury Sport Organisation im Zuge es Tour de France-Starts 2017 geschloss

06.12.2017Fall Sagan: Dimension Data kritisiert Vorgehensweise der UCI

(rsn) - Mark Cavendishs Dimension Data-Team fühlt sich bei der Entscheidungsfindung im Fall Sagan übergangen. Wie Manager Douglas Ryder in einer Pressemitteilung erklärte, sei man davon ausgegangen

05.12.2017Sagans Tour-Ausschluss beruhte auf einem Fehlurteil

(rsn) - Peter Sagans Disqualifikation nach der 4. Etappe der Tour de France war nicht Folge eines Fehlverhaltens des Weltmeisters, der in einem hart umkämpften Sprint in Vittel den Sturz seines Konku

13.11.2017Sagans Tour-Disqualifikation wird vor dem CAS verhandelt

(rsn) - Peter Sagans umstrittene Disqualifikation nach der 4. Etappe der Tour de France wird am 5. Dezember vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt. Das geht aus CAS-Terminkalender her

06.09.2017Düsseldorf macht mit Grand Depart 7,8 Millionen Euro Verlust

Düsseldorf (dpa) - Die Stadt Düsseldorf hat mit dem Start der Tour de France 2017 einen Verlust von 7,8 Millionen Euro gemacht. Diese Zahl nannte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bei de

28.07.2017Denk: "Das Material gibt es ja, man muss es nur verwenden"

(rsn) - Ralph Denk hat mit Verwunderung auf die Forderung von Philippe Mariën, Chef der Jury der Tour de France, reagiert, künftig bei Radrennen auf den Video-Beweis zu setzen. Hintergrund ist der A

28.07.2017Barguil fährt lieber ohne Powermeter

(rsn) – Auch in diesem Jahr brodelt nach der Tour de France in Sachen Teamwechsel die Gerüchteküche, vor allem bei denjenigen Fahrern, deren Verträge auslaufen. Letzeres gilt zwar nicht für Warr

28.07.2017Martens: "Roglic und Groenewegen können Weltstars werden"

(rsn) - Paul Martens (LottoNL-Jumbo) hatte bei seiner dritten Tour de France allen Grund zum Jubeln. Sein Team kehrte mit zwei Etappensiegen durch Primoz Roglic und Dylan Groenewegen aus Frankreich zu

28.07.2017Jury-Chef der Tour fordert Video-Beweis für Sprints

(rsn) - Philippe Mariën, Chef der Jury der Tour de France, die Peter Sagan nach der 4. Etappe in einer heftig kritisierten Entscheidung wegen dessen vermeintlichem Ellbogencheck gegen Mark Cavendish

28.07.2017Dan Martin fuhr die Tour mit zwei gebrochenen Wirbeln zu Ende

(rsn) - Daniel Martin (Quick-Step Floors) hat sich bei seinem Sturz auf der 9. Etappe der Tour de France zwei Wirbel gebrochen. Die Verletzung allerdings wurde erst in dieser Woche bei einer Computert

Weitere Radsportnachrichten

22.10.2026Kemna: Schwerste Knochenbrüche nach Sturz vom Dach

(rsn) - Bei Arbeiten auf dem Dach seines Hauses ist Picnic-Sportdirektor Rudi Kemna letzte Woche schwer gestürzt. Der Niederländer fiel auf eine Stahlkonstruktion und zog sich dabei mehrere Wirbelbr

22.10.2026Prudhomme zu Pogacar-Sturz: “Ist er noch derselbe Mensch?“

(rsn) – Nach der Streckenpräsentation der Tour de France 2027 hat Renndirektor Christian Prudhomme Zweifel angedeutet, ob der fünfmalige Gesamtsieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) nach

22.10.2026Bayer künftig in Diensten von EF Education

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

22.10.2026Evenepoel kann sich freuen: Tour mit zwei Einzelzeitfahren

(rsn) – Etwas mehr als eine Sekunde pro Kilometer hatte Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) im Einzelzeitfahren der Tour de France 2026 auf Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) gut

22.10.2026Alle Etappen im Detail: Die Strecke der Tour de France 2027

(rsn) – Die 114. Tour de France (2.UWT) beginnt am 2. Juli 2027 in der schottischen Metropole Edinburgh und endet nach 21 Etappen am 25. Juli in der französischen Hauptstadt Paris. Die Profis müss

22.10.2026Alle Etappen im Detail: Die Strecke der Tour de France Femmes 2027

(rsn) – Die 6. Ausgabe der Tour de France Femmes (2.WWT) beginnt am 30. Juli 2027 im englischen Leeds und endet nach neun Etappen am 7. August mit einer Bergankunft am Puy de Dome im Zentralmassiv.

22.10.2026Bestätigt: Vuelta-Siegerin Blasi wechselt vorzeitig zu Movistar

(rsn) – Entsprechende Meldungen kursierten schon seit einiger Zeit, nun wurden sie offiziell bestätigt. Paula Blasi wird UAE – L‘Imad am Jahresende verlassen und künftig für das Movistar Team

21.10.2026Pedersen zu Ganna-Wechsel: “Werden uns gut ergänzen“

(rsn) – Bisher war Mads Pedersen in den Frühjahrsklassikern uneingeschränkter Kapitän bei Lidl – Trek. Mit der Ankunft von Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) wird sich das ab der kommenden Sa

21.10.2026Grand Départ 2029: Deutschland erhält Konkurrenz aus Tschechien

(rsn) – Seit dem Sommer bereits liegt dem Tour-Organisator ASO die deutsche Bewerbung um den Grand Départ 2029 vor. Nun könnte Konkurrenz aus einem  östlichen Nachbarland auf den Plan treten, de

21.10.2026Steht Roglic vor einer Rückkehr zu Visma – Lease a Bike?

(rsn) - Kehrt Primoz Roglic drei Jahre nach seinem Abschied von Visma – Lease a Bike wieder zum niederländischen Rennstall zurück, bei dem der ehemalige Skispringer 2016 im Alter von bereits 26 Ja

21.10.2026Nieuwenhuis in Woerden mit perfektem Einstand bei Heizomat

(rsn) - Joris Nieuwenhuis hat einen perfekten Saisoneinstand im Trikot seines neuen Arbeitgebers gefeiert. Der prominente Neuzugang beim deutschen Cross-Team Heizomat – Cube entschied in der Provinz

21.10.2026Verstöße gegen Meldepflicht: Pikulik rückwirkend gesperrt

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine