Naiv oder hochmütig?

Ayuso sieht Lipowitz nicht als Podiumsgegner dieser Tour

Von Joachim Logisch aus Chalon-sur-Saône

Foto zu dem Text "Ayuso sieht Lipowitz nicht als Podiumsgegner dieser Tour"
Juan Ayuso (Lidl - Trek) führt nach der 12. Etappe der Tour de France in der Wertung des Weißen Trikots. | Foto: Cor Vos

17.07.2026  |  (rsn) - Ist es eine gezielte Nadelspitze gegen Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe), eine Geringschätzung oder einfach nur Naivität von Juan Ayuso (Lidl – Trek)? Denn als der Spanier nach seinen Podiumskonkurrenten bei dieser Tour de France gefragt wurde, antwortete er gegenüber Österreichs Mediennetzwerk Cope: "Ich denke, das Podium wird zwischen Del Toro, Seixas und mir entschieden!" Damit meinte Ayuso den Kampf um Platz drei hinter Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike).

Lipowitz erwähnte er nicht, dabei liegen beide nur 22 Sekunden auseinander. Ayuso ist Vierter mit 4:22 Minuten Rückstand zu Pogacar und der Deutsche Sechster. Die Frage ist, woher der 23-Jährige seine Weisheit schöpft. Denn in den bisher zu absolvierenden Bergen schien er nicht stärker als Lipowitz gewesen zu sein. 

Bislang zehrt er von den 19 Sekunden Zeitvorsprung gegenüber Lipowitz, den er mit Lidl – Trek im Mannschaftszeitfahren zum Auftakt in Barcelona errang und den sieben Sekunden vom zweiten Tag, als Lipowitz - ebenfalls am Anstieg zum Olympiaberg Montjuic - nicht ganz mithalten konnte.

Doch bekannt ist, dass der Tour-Dritte von 2025 die kurzen Anstiege wie den am Montjuic nicht liegen. Dafür wirkte Lipowitz im Verlauf des sechsten Tagesabschnitts, der ersten richtigen Bergetappe dieser Tour, am Tourmalet und hinauf zur Bergankunft in Gavarnie-Gèdre, stärker als der Spanier, der zunächst abgehängt wurde, als der Deutsche Pogacar und Del Toro folgte. Die beiden Verfolgergruppen kamen erst wieder zusammen, weil Lipowitz Rücksicht auf seinen Co-Kapitän Remco Evenepoel nahm und nicht mehr so attackieren durfte, wie er gekonnt hätte. Schließlich erreichten beide das Ziel zeitgleich.

Damit war der Plan von Red Bull – Bora – hansgrohe aufgegangen. Der Doppel-Olympiasieger, der am Tourmalet den Anschluss zur Lipowitz-Ayuso-Seixas-Gruppe verloren hatte, kam in der Abfahrt wieder ran und belegte im Sprint am Ende den zweiten Platz hinter Pogacar. Evenepoel hat Ayuso übrigens auch nicht auf seiner Rechnung, obwohl der Belgier noch 16 Sekunden vor ihm auf Rang drei rangiert.

Auch bei der zweiten Bergankunft dieser Tour konnte Ayuso seinen großen Worten keine Taten folgen lassen. Er kam am Ende der 10. Etappe hinauf nach Le Lioran vier Sekunden nach seinem Konkurrenten an. "Ich glaube“, bekräftigte Ayuso, "dass der beste Nachwuchsfahrer am Ende auf dem Podium stehen wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass derjenige, der das Weiße Trikot in Paris trägt, auch auf dem Podium stehen wird!“

Die Wahrheit liegt in den Bergen, die nun kommen. Schon die nächsten beiden Tage mit dem Ballon d'Alsace heute und der Bergankunft in Markstein am Samstag werden Aufschluss darüber geben, inwieweit Ayuso Recht hatte!

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