Die Stimmen zur 3. Etappe der Tour de France

Kopecky: “Fühlte sich an wie ein Chasse Patate“

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Kopecky: “Fühlte sich an wie ein Chasse Patate“"
Lotte Kopecky (SD Worx - ProTime) kam nicht mehr an Sigrid Hauset heran. | Foto: Cor Vos

03.08.2026  |  (rsn) - Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) hat mit einem Rekord-Solo die 3. Etappe der Tour de France Femmes von Genf nach Poligny gewonnen. Die Norwegische Meisterin hielt über 88 Kilometer zunächst das Feld und dann in einem Zweikampf die ehemalige Weltmeisterin Lotte Kopecky (SD Worx - ProTime) auf Distanz.

Die 27-Jährige feierte nicht nur ihren bisher größten Karrieresieg, sondern übernahm auch das Gelbe Trikot von der früh abgehängten Lorena Wiebes (SD Worx - ProTime). Kopecky wurde Zweiter. In der Gruppe der Favoritinnen sprintete Marianne Vos (Visma - Lease a Bike) auf Platz drei.

In unserem Stimmensammler können Sie nachlesen, was die Protagonistinnen zum Rennen zu sagen hatten.

Die Stimmen zur 3. Etappe der Tour de France Femmes:

Sigrid Haugset (Uno-X Mobility / Siegerin / Ziel-Interview): "Ich hätte nie geglaubt, dass das überhaupt möglich ist. Hier jetzt zu stehen ist einfach unwirklich. Als ich weggefahren bin, war der Vorsprung nicht so groß und ich war mir sicher, dass Kopecky mich einholt. Ich habe darüber nachgedacht, einfach auf sie zu warten. Zweite zu werden ist auch gut! Aber die Unterstützung aus dem Auto war fantastisch. Mir war zum Schluss einfach nur noch schwindelig. Mein Freund wird so böse auf mich sein, weil ich nicht gejubelt habe. Ich konnte meine Arme einfach nicht mehr vom Lenker bekommen. Es war unmöglich."

Liane Lippert (Movistar / 57. / ARD):"Es war sehr hart. Das Ziel war Marlen sicher ins Ziel zu bringen, aber auch für mich, um in die Gruppe zu gehen. Das habe ich erfüllt. Ich war in der Gruppe. Die Siegerin hat es geschafft wegzubleiben. Megastark!"

Lotte Kopecky (SD Worx – Protime / 2. Platz / Eurosport):"Es war eine der längsten Solofahrten für mich, glaube ich. Ich hatte wirklich gute Beine heute. Als sie eine Minute Abstand hatte und das Peloton langsamer gemacht hat, habe ich mir gedacht, wenn ich jetzt hier im Feld bleibe, bekommt sie freie Fahrt. Meine Beine waren zu gut, um das passieren zu lassen, und deshalb habe ich allein die Verfolgung aufgenommen. Es hat sich wie ein Chasse Patate (im Niemandsland gefangen zu sein, Anm. d. Red.) angefühlt, aber dann bin ich plötzlich immer nähergekommen. An den Anstiegen habe ich versucht, Vollgas zu geben und dann habe ich sie vor mir gesehen. Ich war da noch nicht leer, aber ich habe Krämpfe in den Beinen bekommen, und deshalb konnte ich nicht mehr voll treten. Ich musste sie dann fahren lassen."

Kim Le Court (AG Insurance – Soudal / 5. Platz / Eurosport): "Wir wussten, dass wir die Lücke unter einer Minute halten müssen, um das Gelbe Trikot zu erreichen. Unglücklicherweise haben meine Teamkolleginnen zuvor bereits so lange gute Arbeit gemacht, dass sie im Finale nicht mehr dabei waren. Es ist, wie es ist. Ich hätte erwartet, dass die anderen Teams etwas machen, weil auch sie eine Chance hatten, denn ich könnte einen Platten bekommen oder auch andere Sachen könnten passieren. Sie denken normalerweise nicht daran, dass, wenn wir auf die Ziellinie kommen, Kim (ich) sowieso Gelb bekommt. Ich denke, sie müssen alle viel Selbstvertrauen für das morgige Zeitfahren haben."

Rolf Aldag (Sportlicher Leiter Canyon – SRAM – We Femmes / ARD):: "Es ist supergut gelaufen. Am letzten Berg wollten wir als Mannschaft voll rein. Wir haben unsere Helfer mit Aga (Skalniak-Sojka), Soraya (Paladin) und Zoe Báckstedt aufgeopfert. Es war wichtig, vorn anzufangen. Dann kam die Attacke von Kim le Court und wir waren mit dabei. Es ist schade, dass die Gruppe nicht so richtig zusammengearbeitet hat. Wir hatten Toni Niedermaier da und Kasia Niewiadoma-Phinney). Aber es fehlte Anna van der Breggen. Es fehlte Paula Blasi. Es fehlten noch zwei oder drei. Es wäre schön gewesen, die heute auf eine Minute zu setzen. Aber es kommen noch viele schwere Tage."

Anna Badegruber (Sportdirektorin Uno-X Mobility / RSN): "Es ist unbeschreiblich. Ich muss wirklich sagen, dass wir alle noch etwas sprachlos sind. Es ist wirklich schön, so einen Sieg zu feiern, auch noch in dieser Art und Weise. Dann auch noch das Gelbe Trikot anzuziehen ist für uns ein Riesenresultat und großes Ereignis. Wir wollten um einen Etappensieg kämpfen und den auch erreichen. Dass es dann auch noch für das Gelbe Trikot reicht, hätten wir nicht gedacht zu diesem Zeitpunkt. Es war der Plan, dass sie in eine Ausreißergruppe geht. Ich habe dann auch das Kommando gegeben, noch einmal eine Attacke zu fahren. Sie hat das bravourös umgesetzt, und es war richtig gut geplant. Ich dachte mir dann schon, dass 88 Kilometer eine wirklich lange Strecke ist. Sie hat ein langes Solo hingelegt, ist aber auch im Zeitfahren eine richtig starke Fahrerin. Deshalb wussten wir, was sie draufhat."

Franziska Koch (FDJ United – Suez / 40. Platz / RSN): "Heute war viel auf einer Höhe von 1000 Metern. Das hat mir mit Sicherheit mit der Hitze geholfen. Man hat es schon gemerkt, als wir wieder runtergefahren sind, dass es heißer wurde. Es hat heute um einiges mehr Spaß gemacht. Ich habe mich in den letzten Tagen etwas nutzlos gefühlt, da ich nicht die Aufgaben erfüllen konnte, für die ich da bin. Deshalb bin ich sehr erleichtert jetzt. Natürlich war es mental hart, aber an diesen Tagen wird der Charakter geformt."

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