Profi-Radsport

Gerolsteiner hält sich bedeckt

Hondo hat die Lizenz zum Fahren wieder

17.03.2006 - (sid) - Danilo Hondo erreichte die "sensationelle Nachricht" (Anwalt Michael Lehner) beim Training auf Mallorca: "Ich bin voll motiviert und möchte so bald wie möglich wieder Rennen fahren", kündigte der 32-Jährige an. Das Vaadter Kantonsgericht in Lausanne hatte mit einer Einstweiligen Anordnung die zweijährige Dopingsperre für den ehemaligen Gerolsteiner-Radprofi vorläufig aufgehoben, die der Oberste Sportschiedsgerichtshof (CAS) am 10. Januar ausgesprochen hatte.

Zum ersten Mal ist damit ein CAS-Urteil erfolgreich vor einem ordentlichen Gericht angefochten worden. Mit der Hauptverhandlung ist laut Lehner in rund sechs Monaten zu rechnen: "Natürlich ist der Ausgang weiter offen, aber schon jetzt hat Danilo eine Lanze für alle Athleten gebrochen, die man chancenlos machen will", sagte der Heidelberger.

Hondo sucht ein neues Team

Der Schweizer Radsportverband Swiss Cycling wird Hondos Lizenz umgehend wieder freigeben, wie Geschäftsführer Lorenz Schläfli dem sid sagte: "Damit ist er ab sofort wieder startberechtigt." Der Brandenburger wohnt in Ascona und fährt deshalb unter eidgenössischer Regie.

Hondo war Anfang März 2005 bei der Murcia-Rundfahrt zweimal positiv auf das Aufputschmittel Carphedon getestet worden und von seinem Team Gerolsteiner Ende März zuerst suspendiert und später entlassen worden. Der Eifel-Rennstall lehnte vorerst eine Stellungnahme ab.

Ob der Sprinter, der vor einem Jahr bei seinem zweiten Platz bei Mailand-San Remo hinter dem Italiener Petacchi letztmals in die sportlichen Schlagzeilen gefahren war, vor einem endgültigen Urteil ein neues Team findet, muss abgewartet werden. Dass dies nicht ganz leicht wird, ist auch Hondo klar.

Hondo fühlt sich "durchaus renntauglich"

Er habe Manager Tony Rominger beauftragt, sich umzuhören, sagte er dem sid: "Wir gehen das ganz offen und ruhig an. Man muss sehen, wie die Szene und vor allem die Sponsoren reagieren. Auf ein paar Tage kommt es nach einjähriger Zwangspause auch nicht mehr an."

Hondo hatte sich die ganze Zeit über fit gehalten: "Ich fühle mich durchaus renntauglich, aber sicher bräuchte ich einige Einsätze, um wieder richtig Anschluss zu finden." Seit zwei Wochen trainierte er auf Mallorca mit Fahrern der Teams Milram und T-Mobile: "Am Dienstag werde ich nach Hause fliegen." Auch wenn er bis dahin noch keine neue Mannschaft gefunden habe, gebe es etwas zu feiern: "Unsere Tochter hat Geburtstag."

Hondo bleibt das vorzeitige Karriereende erspart

Ohne Aufhebung des CAS-Urteils wäre die Karriere des 32-Jährigen praktisch zu Ende gewesen. Der CAS hatte die durch den Schweizer Verband verhängte Ein-Jahres-Sperre sogar verdoppelt. Hondo hatte dabei vergeblich damit argumentiert, die positiven Proben könnten auch Folge einer verunreinigten Trinkflasche sein.

Eine Begründung der Einstweiligen Anordnung lag Lehner noch nicht vor. Das Kantonsgericht hatte normalerweise nur zu prüfen, ob dem CAS-Urteil Verfahrensfehler zu Grunde lagen. Der Anwalt hatte seinen Antrag unter anderem damit begründet, dass zwei Jahre Sperre für Hondo einem Berufsverbot gleichgekommen wären.