"Dinge, die ich nicht hätte tun sollen"

Museeuw gibt halbherzig Doping zu

24.01.2007  |  Brüssel (dpa) - Doping-Schlagzeilen erschüttern das radsportverrückte Belgien. Johan Museeuw, nach Eddy Merckx der populärste Radsportler des Landes, hat Doping eingeräumt und der legendäre Teamchef Patrick Lefevere wird von «Het Laatstee Nieuws» sogar als Dealer verdächtigt.

«Ich wollte meine Karriere auf Top-Niveau beenden und tat Dinge, die ich hätte nicht tun sollen. In der Vorbereitung auf einige Rennen habe ich mich nicht 100-prozentig den Regeln entsprechend verhalten», sagte der Straßen-Weltmeister von 1996, der seine Laufbahn vor drei Jahren beendete und je drei Mal die Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix gewann.

Sein damaliger Team-Manager Patrick Lefevere, weiter außerordentlich erfolgreich im Amt, wurde von der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws» beschuldigt, als Verantwortlicher in seinen Mannschaften Doping geduldet, seine Fahrer mit leistungssteigernden Mitteln versorgt und daran sogar verdient zu haben. Ein italienischer Arzt bestätigte das der Zeitung. Lefevere, Vorsitzender der Vereinigung der Profi-Teams und offiziell aufrechter Anti-Doping-Aktivist, bestreitet alle Vorwürfe und drohte mit rechtlichen Schritten.

«Ich habe als Aktiver sieben oder acht Mal Amphetamine genommen. Alle anderen Vorwürfe sind Bullshit», sagte der Belgier, dem die auflagenstarke Zeitung eine Serie widmete: «Patrick Levefere - 30 Jahre Doping». Die «Gazet van Antwerpen» zitierte einen Kronzeugen, einen aktuellen Quick-Step-Profi, der sich nicht zu erkennen geben wollte. Er bestätigte die illegalen Praktiken. Quick-Step-Star Tom Boonen sagte auf dem Brüsseler Flughafen beim Abflug zur Katar-Rundfahrt zu belgischen Reportern, dass er nicht an die Existenz eines anonymen Fahrers glaube.

«Das ist unmöglich. Ich glaube nicht eine Sekunde daran, dass ein Fahrer von uns solche Äußerungen macht, die im übrigen falsch sind. Ich habe weiterhin vollstes Vertrauen zu Patrick. Er ist jemand, der uns Fahrer ständig anhält, sauberen Radsport zu betreiben», erklärte Boonen, der in Belgien Pop-Star-Qualitäten besitzt und mit Weltmeister Paolo Bettini (Italien) an der Spitze des Teams steht. Gerit Middag, Geschäftsführer der ProTour-Vereinigung IPCT, der auch Lefevere angehört, verweigerte am Mittwoch «jeglichen Kommentar, bevor wir über die Sache nicht mehr wissen».

Für seine Einlassungen bekam Museeuw bei einem Anti-Doping-Symposium in Lausanne Lob von seinem Landsmann, IOC-Präsident Jacques Rogge: «Es war intelligent und weise, es zuzugeben.» Der 41-jährige Ex-Profi, der Wert auf die Feststellung legte, niemals positiv getestet worden zu sein, hatte sein halbherziges Geständnis am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz abgelegt, die sein Team Quick-Step einberufen hatte. Museeuw, der sich bis 14. April 2004 16 Jahre als «Klassiker-Jäger» hervortat, trat mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als PR-Manager des Teams zurück.

Zusammen mit sechs anderen Ex-Profis muss sich Museeuw in diesem Jahr vor Gericht verantworten, weil bei ihnen 2003 das Blut-Doping-Mittel EPO und Wachstums-Hormone gefunden wurden. Ein Veterinär soll die Medikamente besorgt haben. Der belgische Verband sperrte Museeuw im Oktober 2004 wegen dieses Vergehens für zwei Jahre, nachdem er fünf Monate zuvor zurückgetreten war.

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