Profi-Radsport

Spanischer Blutdopingskandal

Basso redet - Ullrich schweigt

08.05.2007 - Mailand (dpa/Ra) - Der Radsport fürchtet den Überläufer Basso - die Verbände hoffen auf den Kronzeugen. Der aussagewillige Giro-Gewinner von 2006 spaltet die Lager. «Basso gesteht - der Radsport zittert», titelte die italienische Sportzeitung «Tuttosport» und schreibt von einer «historischen Wende» im Anti-Doping-Kampf, weil sich zum ersten Mal ein prominenter, noch aktiver Fahrer zum Vorreiter der Bewegung machen könnte. Diese Chance hat Jan Ullrich, der weiter schweigt, verpasst.

Der am 26. Februar zurückgetretene Ullrich, dessen Blut per DNA bereits abgeglichen ist, wird vorerst nicht dem Basso-Beispiel folgen. Der ebenfalls in die Fuentes-Doping-Affäre verstrickte Olympiasieger von 2000 scheint seiner Linie zu bleiben - und schweigt weiter. «Was soll er gestehen?», fragte Peter-Michael Diestel, einer von sechs Ullrich-Anwälten. «Ullrich hat keinen Seitensprung begangen oder sich sonst falsch verhalten. Was Basso tut, ist dessen Sache», meinte Diestel auf dpa-Anfrage.

Ullrich und seine Rechtsvertreter würden laut Diestel weiter auf die Reaktionen der Justizbehörden warten: «Wenn es eine Anklage geben sollte, reagieren wir». Ullrich drohen zwei Verfahren: Wegen Betrugs zum Nachteil seines ehemaligen Arbeitgebers T-Mobile und wegen Falschaussage.

Der Fall Basso könnte eine Kronzeugen-Regelung in Radsport-Doping- Verfahren - der WADA-Code hat unter Artikel 11,6 eine solche Praxis vorgesehen - weiter befördern. Mit diesem Modell ist die italienische Justiz bei der Mafia-Bekämpfung schon sehr erfolgreich gewesen. Noch bevor Basso selbst öffentlich gesprochen hat, bahnt sich ein Streit zwischen dem italienischen Verband, dem Weltverband und der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA an. Offensichtlich haben die Italiener Basso Mut zum Reden gemacht, in dem sie ihm Strafmilde in Aussicht stellten, so dass der 29-Jährige womöglich schon im Herbst 2008 an der WM in seiner Heimat-Region in Varese teilnehmen kann.

Weltverbands-Präsident Pat McQuaid hatte schon am Montag erklärt: «Bei Doping oder dem Versuch dazu gelten die WADA-Regeln, das heißt, zwei Jahre sind zwei Jahre.» Damit meinte der Ire die Sperre, die Basso erwarten dürfte und bis 2009 kalt stellen würde.

Bei Basso war CONI offensichtlich erfolgreicher als beim im Februar 2004 an einer Überdosis Kokain verstorbenen Marco Pantani. Damals sollte das wegen Dopings angeklagte Radsportidol aussagen und sich vor den Karren des Anti-Doping-Kampfes spannen. Pantani lehnte ab. «Ich hoffe, die Fahrer haben verstanden, dass jetzt eine Epoche zu Ende geht», sagte Ex-Weltmeister Francesco Moser in Hinblick auf eine ihm auch bestens vertraute «Doping-Kultur» im Radsport. Der immer noch populäre Ex-Profi forderte, dass jetzt alle Namen der in Spanien verdächtigten Fahrer auf den Tisch kommen müssen. Angeblich sind mehr als 100 Profis verdächtigt, illegal mit Fuentes zusammengearbeitet zu haben.

In einem Interview der «Bild»-Zeitung äußerte sich Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), zum Fall der wegen Dopingverdachts suspendierten T-Mobile-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid: «Ich kann nur hoffen, dass die beteiligten Mediziner ihr Schweigen sehr bald brechen. Es ist gut, dass die Uni-Klinik Freiburg jetzt eine unabhängige Kommission einsetzen will. Aber angeblich sollen wir erst in sechs bis neun Monaten mit Ergebnissen rechnen dürfen. Das muss deutlich schneller gehen.»

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