97. Berliner Sechstagerennen

Guido Fulst: Abschied nach 19 Jahren in der Weltspitze

23.01.2008  |  (sid) - Das 97. Berliner Sechstagerennen (24. bis 29. Januar) wird gleichzeitig die Abschiedsveranstaltung für einen großen deutschen Radsportler sein. Nach 19 Jahren in der Weltspitze dreht Guido Fulst beim Klassiker seine letzten Runden, doch allzu viel Wehmut will beim Olympiasieger von 1992 und 2000 nicht aufkommen. "Es war eine schöne Zeit mit Höhen und Tiefen, aber für meine Zukunft ist dies der richtige Schritt", sagt der 37-Jährige im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Künftig tauscht er seine Rennmaschine gegen einen Ausbildungsplatz als Objektleiter in einem Service-Unternehmen für Krankenhäuser und Altenheime ein.

Genauso konsequent wie er fast zwei Jahrzehnte seine Ziele im Leistungssport verfolgt hatte, setzt er nun auch einen Schlussstrich unter eine erfolgreiche Karriere im Bahnradsport. "Ich habe für Peking keine Chance auf eine Medaille gesehen, und nur zur Einkleidung muss ich nicht mitmachen", meint der in Wernigerode geborene Fulst, der so auf seine fünfte Olympia-Teilnahme verzichtet.

Fulst-Rückzug trifft Bahn-Vierer

Für den ohnehin in letzter Zeit schwächelnden Bahn-Vierer war dies ein schwerer Schlag, schließlich bezeichnete Bundestrainer Uwe Freese seinen langjährigen Schützling vor nicht allzu langer Zeit noch als "besten Anfahrer der Welt". Dass der Vierer, das einstige deutsche Aushängeschild, derzeit sogar um die Olympia-Teilnahme fürchten muss, passt da ins Bild. "Der Abwärtstrend hält ja nun schon seit einiger Zeit an und wurde nur durch Ausnahmefahrer wie etwa Robert Bartko aufgehalten", meint Fulst.

Der Vierer und Fulst - das gehörte fast zwei Jahrzehnte untrennbar zusammen. Als 1992 erstmals eine gesamtdeutsche Mannschaft in Barcelona Gold geholt hatte, war der Musterprofi ebenso mit von der Partie wie acht Jahre später in Sydney, als Fulst, Bartko, Daniel Becke und Jens Lehmann auf ihrer Goldfahrt als erste Mannschaft der Welt die magische Vier-Minuten-Grenze durchbrachen. Außerdem holte er auch noch vier Weltmeistertitel.

2001: Positiver Befund auf Koffein

Doch Fulsts Karriere verlief nicht nur stromlinienförmig. 2001 wurde er beim Stuttgarter Sechstagerennen positiv auf Koffein getestet, kam aber mit einer Geldstrafe davon. Zwei Jahre später folgte erneut in Stuttgart das nächste dunkle Kapitel, als der Vierer nach einem Boykott der thüringischen Fahrer nicht an den Start gegangen war. (Fulst: "Das war Betrug am Publikum.")

Bevor Fulst am 1. März in die Ausbildung wechselt, muss er noch die letzten Formalitäten bei der Bundeswehr klären, wo er als Sportsoldat über ein Jahrzehnt gefördert worden war. "Dann steht meine berufliche Karriere im Vordergrund. Für Sport wird nicht viel Zeit bleiben", sagt Fulst und macht sich auf zu seinem letzten Einsatz im Berliner Velodrom.

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