Heftige Kritik vor Öffnung der B-Probe

Holczer traute Sinkewitz alle Schandtaten zu


Hans-Michael Holczer

Foto: ROTH

20.03.2011  |  Köln (SID) - Patrik Sinkewitz ist am Wochenende auf Tauchstation gegangen. Hatte sich der Doping-Kronzeuge einst öffentlichkeitswirksam als geläuterter Athlet ins rechte Licht gerückt, herrschte nach der neuerlichen positiven Dopingprobe Funkstille.

Auch auf seiner Homepage war der frühere Hoffnungsträger des deutschen Radsports noch in Jubelpose zu sehen, während sich in seinem „Gästebuch“ die Schimpftiraden häuften. „Schon wieder einer, dem man eine Luftpumpe in die Speichen stecken muss“, schrieb da etwa ein enttäuschter Radsport-Fan. Ein anderer merkte an: „Dafür sollst du in deinem Leben kein Glück mehr haben.“

Das Glück hatte Sinkewitz bereits am 27. Februar verlassen, als er beim GP di Lugano als erster Radprofi positiv auf das Wachstumshormon HGH getestet worden war. Eine lebenlange Sperre droht dem 30-Jährigen nun als Wiederholungstäter. Kein Wunder, dass in der Radsport-Szene das Kopfschütteln groß war. „Ich war nicht sein Freund und habe ihm alle Schandtaten der Welt zugetraut, aber soviel Blödheit auf einem Haufen nicht“, sagte der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans Michael Holczer dem SID.

Holczer hatte einst selbst in einem Fernseh-Streitgespräch Bekanntschaft mit Sinkewitz gemacht, ähnlich erging es Rolf Aldag als Sportlicher Leiter von T-Mobile. „Es gibt Leute, die verstehen es nie. Ein Patrik Sinkewitz würde in unserem Team nie einen Platz bekommen, genauso wie Riccardo Ricco.“

An eine weitere Karriere ist bei Sinkewitz ohnehin nicht mehr zu denken, so denn die B-Probe das Ergebnis bestätigt. Der Schaden wäre jedenfalls groß, wie Sinkewitz' früherer Anwalt Michael Lehner anmerkt. „Das wäre ein ganz schlechtes Signal für den Radsport“, so der Sportrechtler. Es blieben die Spekulationen, ob es ohne Doping nicht geht oder ob es die Mentalität ist.

Lehner, der den 30-Jährigen im letzten Verfahren vertreten hatte, wurde vom früheren Deutschland-Toursieger noch nicht kontaktiert. „Ich weiß auch nicht, ob ich den Fall übernehmen würde. Ich will den Athleten nicht vorverurteilen. Wenn es so wäre, wäre ich auch ziemlich enttäuscht. Schließlich habe ich ihn damals durch die Kronzeugenregelung gepaukt und mich persönlich sehr engagiert“, sagte der Anwalt dem SID. Nach SID-Informationen wird Sinkewitz, der sich wieder in Deutschland befindet, derzeit von einem italienischen Anwalt beraten.

So bleibt fraglich, ob Sinkewitz die Öffnung der B-Probe überhaupt beantragen wird. Sein aktuelles Team Farnese Vini-Neri schloss sich der vorläufigen Suspendierung durch die UCI bereits an. „Wir warten auf die Analyse der B-Probe, um den Athleten im Falle einer Bestätigung zu entlassen“, teilte der Rennstall mit.

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