Nach 17 Jahren droht wieder Tour ohne Tagessieg

Wer rettet die französische Ehre?

Von Daniel Brickwedde

Foto zu dem Text "Wer rettet die französische Ehre? "
Bislang konnten die Franzosen noch keinen Etappensieg bei dieser Tour feiern. | Foto: Cor Vos

18.07.2016  |  Langsam wird es eng für die Gastgeber. Die Grande Nation wartet immer noch vergeblich auf den ersten französischen Tagessieger bei dieser Tour de France. Kolumbianer, Deutsche, Belgier, Slowaken, Niederländer, Australier und gleich drei britische Profis konnten sich in die Siegerlisten eintragen – ein französischer Beitrag wird dagegen bislang vergeblich gesucht. Letztmalig ging 1999 eine Tour de France ohne einen heimischen Etappensieg zu Ende. Ein Desaster, das sich nicht wiederholen sollte. Allerdings werden die Chancen weniger – und auch die Kandidaten dafür.

"Ich bin sehr enttäuscht. Ich war noch nie so nah am Sieg, aber im Sprint gibt es keine Fehler, der Stärkste gewinnt", ärgerte sich Bryan Coquard (Direct Energie) im Ziel der 4. Etappe. Der kleine Sprinter war nahe dran, frühzeitig das ungeduldige Warten seiner Landsleute auf den ersten französischen Tagessieg zu beenden. Im Zielsprint in Limoges musste der 24-Jährige sich allerdings im Foto-Finish um Millimeter Marcel Kittel (Etixx-Quick-Step) geschlagen geben. "Ich bin noch jung, aber ich bin ein Siegertyp, ich habe das Temperament und ich will dieses Jahr bei der Tour gewinnen“, ließ Coquard hinterher ausgesprochen selbstbewusst verlauten.

Seine Landsleute wird es freuen: Coquard ist einer der wenigen Hoffnungsträger, um noch den sehnsüchtigen und wichtigen französischen Tageserfolg bei dieser Tour zu erzielen. Die 16. Etappe nach Bern und die Schlussetappe in Paris dürften Coquard noch die Möglichkeit zu einer späten Erlösung der Franzosen geben.

Der weitere Kandidatenkreis ist allerdings recht überschaubar. Romain Bardet (Ag2r) könnte, darf aber aller Voraussicht nach nicht. Der 25-Jährige ist als Sechster der Gesamtwertung (+4:04) zu gut platziert, als das ihn die Sky-Armada oder andere Kontrahenten für einen Tagessieg ziehen lassen würden. Für Thibaut Pinot (FDJ) wären die Erfolgsaussichten weitaus besser gewesen. Im Klassement war der Französische Zeitfahrmeister schon früh aussichtlos zurückgefallen und hatte daraufhin die Jagd nach Tagessiegen zu seinem Ziel erklärt. In den Pyrenäen war Pinot mehrfach in den Spitzengruppen unterwegs, eine Bronchitis warf den 26-Jährigen jedoch nach der 12. Etappe aus dem Rennen.

Nach dem Vorbild von Pinot bleibt für die Franzosen nur das Heil in der Flucht. Allerdings liegen die schweren Alpen-Hürden vor dem Peloton. Ein Großteil der französischen Fahrer wäre damit um seine Chancen gebracht. Auf dem Papier kommen noch auf fünf Namen für einen Coup in Frage.

Drei davon zeigten sich bereits auf der schweren 15. Etappe durch das Jura-Gebirge in der Spitzengruppe aktiv. Für Alexis Vuillermoz (Ag2r), der im Vorjahr an der Mur-de-Bretagne eine Etappe gewann, sprang am Ende zumindest noch der dritte Platz hinaus. "Ich bin ein wenig desillusioniert von meinem Ergebnis. Wir haben am Ende nur um wenige Sekunden verloren, was wirklich frustrierend ist. Aber ich verbessere mich jeden Tag", so der Franzose, der um sechs Sekunden geschlagen wurde.

Ebenso enttäuschend war der Ausgang für Julian Alaphilippe (Etixx-Quick- Step). Der 24-Jährige gehörte im Finale zur späteren Siegergruppe um Jarlinson Pantano (IAM) und Rafal Majka (Tinkoff), ehe ihn ein Defekt stoppte. Alaphilippe kämpfe um den Anschluss, wurde aber schließlich nur Etappenfünfter. Der Teamkollege von Tony Martin, der zwischenzeitlich Gesamtzweiter war und das Weiße Trikot des besten Jungprofis trug, scheint aber noch nicht fertig mit seiner Tour: "Ich bin enttäuscht, aber das Einzige, was ich tun kann, ist mich zu erholen und dann auf die kommenden Tage zu fokussieren."

Dagegen verläuft das Rennen für Pierre Rolland (Cannondale-Drapac) bislang glücklos. In der Spitzengruppe konnte er im Finale nicht mithalten und wurde Siebter. Den 29-Jährigen plagt allerdings auch eine Handverletzung. Seine beiden Tagessiege in den Jahren 2011 und 2012 holte Rolland allerdings in den Alpen. Abschreiben sollte man ihn deshalb nicht.

Bleiben noch Warren Barguil (Giant-Alpecin) und Tony Gallopin (Lotto Soudal). Barguil ist mittlerweile in der Gesamtwertung auf Platz 18 durchgereicht worden (+19:05), so dass er in Fluchtgruppen keine Gefahr mehr darstellen würde. Allerdings zeugt sein Einbruch auch nicht gerade von großen Kraftreserven für fordernde Alpenpässe. Für Gallopin könnten dagegen seine Etappen bereits vorüber sein – die Alpen sollten aber eine Spur zu schwer werden für den 28-Jährigen.

Allerdings ist auch schon so mancher Franzosen während der Tour de France unter den Anfeuerungen seiner Landsleute über sich hinausgewachsen. Mit 38 Fahrern stellte Frankreich vor zwei Wochen in Mont-Saint-Michel das größte Kontingent dieser Tour. Sechs Etappen bleiben Bardet & Co noch, um die französische Ehre zu retten. Vive la chance!

Mehr Informationen zu diesem Thema

14.07.2020Video-Rückblick: Froome joggt 2016 den Ventoux hinauf

(rsn) – Heute vor vier Jahren erlaubten staunende Zuschauer am Mont Ventoux das Finale eines denkwürdigen Tour-Tages. Nach einem Sturz im Schlussanstieg der 12. Etappe rannte Chris Froome am Franz

27.07.2016Nibali hatte bei der Tour schon Rio im Blick

(rsn) – Vincenzo Nibali hat verärgert auf die Kritik an seinen Leistungen bei der am Sonntag zu Ende gegangenen Tour de France reagiert. Der Italiener und sein Astana-Team waren ohne Etappensieg ge

26.07.2016Erneuter Tour-Ausstieg der ARD darf kein Thema sein

(rsn) - Drei Wochen Tour de France. Ein paar Tage "als Fan" selbst dabei. Den großen Rest aber am Bildschirm. Bis zum grandiosen Schlussakkord auf den Champs Elysees, gesetzt im "Sprint des Jahres" v

26.07.2016Quintana will weiter für seinen Gelben Traum kämpfen

(rsn) – Kolumbien muss weiter auf seinen ersten Tour-de-France-Sieger warten. Auch im dritten Anlauf hat es Nairo Quintana nicht geschafft – doch noch nie war der Movistar-Kapitän weiter vom Gelb

26.07.2016Künftig ein britisches Duell um das Gelbe Trikot?

(rsn) – Wie sein berühmter Landsmann Bradley Wiggins wird auch Adam Yates in die Geschichtsbücher des Radsports eingehen. War der mittlerweile 36-jährige Stundenweltrekordler vor vier Jahren der

26.07.2016Kittel kam bei der Tour in keinen "richtigen Flow"

(rsn) – Bei André Greipel (Lotto Soudal) lief am Sonntag auf den Champs-Élysées alles nach Wunsch. Wie bereits 2104 gewann der Deutsche Meister die prestigeträchtige Abschlussetappe der 103. Tou

26.07.2016Hektische Sprints und Cavendish machten Greipel das Leben schwer

(rsn) – Nach drei teils frustrierenden Wochen schien für André Greipel (Lotto Soudal) doch noch die Sonne. Am Sonntagabend holte sich der Deutsche Meister in Paris auf den Champs-Élysées den so

25.07.2016Bardet zum dritten Mal in Folge in Paris auf dem Tour-Podium

(rsn) – Romain Bardet hat den heimischen Fans die Tour de France gerettet. Der 25 Jahre alte Kapitän der Ag2R-Equipe legte auf den letzten drei Tagen ein Finale sondergleichen hin, sicherte sich au

25.07.2016Kittel: Erst durch Defekte gestoppt, dann im Finale kraftlos

(rsn) – Zum großen Finale der 103. Tour de France wollten Marcel Kittel und sein Etixx-Quick-Step-Team nochmals zuschlagen. Der Erfurter, der bereits 2013 und 2014 jeweils den Schlussakkord auf den

25.07.2016Jogging-Einlage in Gelb und ein machtloser Herausforderer

(rsn) - Nach drei Wochen Tour de France fallen die Bilanzen der 22 teilnehmenden Mannschaften ganz unterschiedlich aus. Radsport News listet die Erfolge und Misserfolge auf. Wir präsentieren die Team

25.07.2016Dominator in Grün und Schweizer Coup durch einen Kolumbianer

(rsn) - Nach drei Wochen Tour de France fallen die Bilanzen der 22 teilnehmenden Mannschaften ganz unterschiedlich aus. Radsport News listet die Erfolge und Misserfolge auf. Wir präsentieren die Team

25.07.2016Kollision mit dem Teufelslappen und ein fataler Entschluss

(rsn) - Nach drei Wochen Tour de France fallen die Bilanzen der 22 teilnehmenden Mannschaften ganz unterschiedlich aus. Radsport News listet die Erfolge und Misserfolge auf. Wir präsentieren die Team

Weitere Radsportnachrichten

04.05.2024Schachmann Dritter zum Giro-Auftakt in Turin

(rsn) – Maximilian Schachmann (Bora – hansgrohe) hat denkbar knapp einen perfekten Einstieg in den 107. Giro d’Italia verpasst. Der zweimalige Deutsche Meister belegte auf der 1. Etappe über 14

04.05.2024Bénin: Zeitbonifikation kostet Bike Aid den Gesamtsieg

(rsn) - Große Enttäuschung beim Team Bike Aid zum Finale der Tour du Bénin (2.2). Der marokkanische Nationalfahrer Achraf Ed Doghmy gewann die 154 Kilometer lange Schlussetappe nach Cotonou im Spr

04.05.2024Vos vollendet auf Windkantenetappe die Vorarbeit ihres Teams

(rsn) – Marianne Vos (Jumbo – Visma) hat sich bei der 10. Vuelta Femenina ihren zweiten Tagessieg gesichert. Die 36-jährige Niederländerin entschied die 7. Etappe über 138,6 Kilometer von San E

04.05.2024Tiberi verlängert bei Bahrain Victorious

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Profiradsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder RÃ

04.05.2024Bardet will jeden Giro-Tag wie einen Klassiker angehen

(rsn) – Romain Bardet (dsm-firmenich – PostNL) kommt in Top-Form zum 107. Giro d´Italia. Daran besteht spätestens seit seinem zweiten Platz hinter Überflieger Tadej Pogacar (UAE Team Emirates)

04.05.2024Giro d`Italia: Die letzten zehn Jahre im Ãœberblick

(rsn) - Der Giro d`Italia ist traditionell die erste dreiwöchige Landesrundfahrt im Rennkalender, bei der sich immer wieder auch die Deutschen als Etappenjäger hervortaten. Im Jahr 2022 konnte das

04.05.2024Großes Vorschau-Paket: Die Strecke des Giro d´Italia 2024

(rsn) – Sechs Bergankünfte, zwei Einzelzeitfahren, toskanischer Schotter, der Mortirolo, der Stelvio und zum krönenden Abschluss zwei Mal der Monte Grappa – das ist der 107. Giro d´Italia (4. -

04.05.2024Uijtdebroeks: Jetzt muss er sich beweisen, oder doch nicht?

(rsn) – Selten dürfte der Auftritt eines jungen Belgiers bei seinem Giro-Debüt von den deutschen Fans so interessiert verfolgt werden, wie in diesem Jahr der  von Cian Uijtdebroeks. Klar, als Rem

04.05.2024Rund 260.000 Euro fehlen: Tour of Scandinavia abgesagt

(rsn) – Die Women´s WorldTour-Rundfahrt Tour of Scandinavia wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Das gaben die Veranstalter des für 27. August bis 1. September geplanten Rennens am Freitag via P

04.05.2024Alfonsina Strada: Die erste Frau beim Giro

(rsn) – Wenn am Samstag in Venaria Reale der 107. Giro d´Italia der Männer beginnt, ist das auch für den Frauen-Radsport ein wichtiger Termin. Denn noch bevor im Juli der nächste Giro der Frauen

04.05.2024Radsport live im TV und im Ticker: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir jeden Morg

03.05.2024Anspruchsvoller Auftakt im Piemont

(rsn / ProCycling) – 13 Jahre nach ihrer Premiere ist die Stadt Venaria Reale erneut Schauplatz des Grande Partenza. Als Ouvertüre gibt es eine anspruchsvolle Etappe, die nördlich von Turin starte

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Giro d´Italia (2.UWT, ITA)
  • Radrennen Männer

  • Grand Prix du Morbihan (1.Pro, FRA)