Kein “Extra-Druck“ vor Paris-Roubaix

Degenkolb: “Es fühlt sich besser und besser an“

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Schlammige Angelegenheit: John Degenkolb bei der Streckenbesichtigung von Paris-Roubaix. Foto: David Stockman

06.04.2018  |  (dpa/rsn) - Kaum hatte John Degenkolb (Trek-Segafredo) im Training die ersten Meter auf dem brutalen Kopfsteinpflaster zurückgelegt, war bei ihm das Feuer für die sogenannte "Hölle des Nordens" neu entfacht.

"Es hat sich besser und besser angefühlt. Ich hoffe, dass es am Sonntag genauso sein wird und dass ich eine brillante Leistung abliefern kann", sagt Degenkolb, der sich am Sonntag bei seinem "Lieblingsrennen" Paris-Roubaix nur zu gern ein zweites Mal seinen Kindheitstraum erfüllen würde. Chancen auf seinen zweiten Sieg nach 2015 rechnet sich Degenkolb bei der 116. Auflage aus, als Favorit sieht er sich bei der Tortur über 257 Kilometer nicht.

"Ich verspüre keinen Extra-Druck. Es werden auch nach Sonntag noch Rennen gefahren", sagt der deutsche Klassikerspezialist, für den das Frühjahr alles andere als wunschgemäß lief. Eine Bronchitis hatte ihn Anfang März zurückgeworfen. Für den Klassiker-Auftakt Mailand-Sanremo, den er 2015 ebenfalls gewann, musste Degenkolb passen. Bei der Flandern-Rundfahrt am vergangenen Wochenende hatte der 29-Jährige mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun, kam als 32. in Oudenaarde an. Für die Ergebnisse von Trek-Segafredo sorgten dort Mads Pedersen als Überraschungszweiter und Jasper Stuyven als Siebter.

Doch das ist nicht der Anspruch von Degenkolb, der als Nachfolger des großen Fabian Cancellara zu Trek-Segafredo gewechselt war. Seit seinem Sieg vor drei Jahren lief aber einiges schief. Der schlimme Trainingsunfall Anfang 2016, dazu immer wieder krankheitsbedingte Rückschläge wie auch im vergangenen Jahr vor der WM in Bergen. "Er arbeitet hart und bei seinem Talent bin ich zuversichtlich, dass er wieder große Rennen gewinnen wird. Wir glauben an ihn", betont Sportdirektor Dirk Demol.

Einen wichtigen Klassiker will auch endlich wieder der dreimalige Weltmeister Peter Sagan gewinnen. Doch trotz herausragender Form sieht sich der Topstar des deutschen Bora-hansgrohe-Teams allzu oft in der Rolle des Einzelkämpfers, arbeiten doch viele Teams im Rennen gegen ihn. Auch in Flandern hatte er das Gefühl, dass die Konkurrenz kein Interesse daran habe, mit ihm in der Gruppe den späteren Sieger Niki Terpstra (Quick-Step Floors) wieder einzuholen. "Ich bin nicht der einzige Fahrer, der zu schlagen ist. Wenn die anderen Fahrer nicht aufwachen, gewinnt Quick-Step die Rennen", beklagte Sagan anschließend.

So fährt der belgische Super-Rennstall mit Stars wie Terpstra oder Ex-Weltmeister Philippe Gilbert reihenweise Siege ein, beim Scheldeprijs am Mittwoch gab es bereits den 24. Saisonerfolg für Quick-Step Floors. Auch am Sonntag dürfte das Team mit Ex-Roubaix-Sieger Terpstra seine Karten wieder ausspielen, daneben gehört auch der belgische Titelverteidiger Greg Van Avermaet (BMC) zu den Topfavoriten.

Einen weiteren Versuch startet auch der viermalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (Katusha-Alpecin), der sich allmählich mit den Pavés angefreundet hat. Bei der Tour de France gewann der 32-Jährige 2015 die Kopfsteinpflaster-Etappe nach Cambrai und holte sich das Gelbe Trikot. Paris-Roubaix ist dazu im Vergleich aber noch eine andere Marke. Denn am Sonntag sind schließlich 54,5 Kilometer und damit gut viermal mehr als bei einer Tour-Etappe über die Feldwege aus den Zeiten Napoleons zurückzulegen.

Ein Höhepunkt ist dabei wieder die gefürchtete Passage durch den Wald von Arenberg, die vor 50 Jahren erstmals ins Programm aufgenommen worden war. Der Abschnitt ist quasi ein Mythos, der aber auch schon einige Träume jäh beendete. Wie etwa 1998 beim Klassikerkönig Johan Museeuw, der nach einem Sturz einen Kniescheibenbruch erlitt. Dort wird das Rennen um den Sieg klassischerweise eröffnet, die Entscheidung fällt aber doch meist später. 

Ungemütlich dürfte es auch am Sonntag werden. Zwar soll es trocken bleiben, doch durch das widrige Wetter der letzten Wochen werde manche Stellen noch durchweicht sein. "Das sind die großen Risiken", sagt Renndirektor Thierry Gouvenou wohlwissend, dass es auch zum Spektakel Paris-Roubaix dazugehört.

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