RSNplusRed-Bull-Profi als DM-Dritter zur Tour

Denz: “Keiner wollte so richtig fahren und sich opfern“

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Denz: “Keiner wollte so richtig fahren und sich opfern“"
Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos

29.06.2026  |  (rsn) – Im Jahr 2023 hatte Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe) bei der Szraßen-DM in Bad Dürrheim Silber gewonnen. Es war seine bisher einzige Medaille bei nationalen Titelkämpfen der Elite. Damals lag er 1:03 Minuten hinter Emanuel Buchmann und zeitgleich vor Maximilian Schachmann. Das Bora-Trio hatte damals das Podium unter sich ausgemacht. 

Von den Dreien steht mittlerweile nur noch Denz bei den Raublingern unter Vertrag – und der hatte im DM-Straßenrennen von Bad Liebenstein im Fünfersprint seine bisher größte Chance auf das Meistertrikot. Am Ende musste Denz, der im Finale immer wieder das Tempo hochgeschraubt hatte, ohne sich absetzen zu können, hinter Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) und Shooting-Star Lennart Jasch (Tudor) mit Rang drei zufrieden sein.  ___STEADY_PAYWALL___

Besonders bitter dabei für den 32-Jährigen und die drei anderen: Der Sieger war schon abgehängt gewesen und konnte sich nur deshalb  zurückkämpfen, weil das Führungsquartett gepokert hatte. “Klar haben wir uns umgeguckt. Aber es ist immer dasselbe: Keiner wollte so richtig fahren und sich opfern. Dann kommen Leute wieder zurück. In dem Fall war es Felix. Kommt vor. Ich weiß nicht, ob wir großartig etwas anders hätten machen können“, urteilte Denz auf der Pressekonferenz.

Das "hässlichste" Rennen des Jahres

Vor allem Vorjahressieger Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) hielt sich  zurück. Er belegte im Sprint dann auch den fünften Rang - weil er nach eigenen Angaben einen zu dicken Gang aufgelegt hatte. Wer Eschborn-Frankfurt (1.UWT) gesehen hatte, wusste aber, dass Zimmermann inzwischen gelernt hat, auch mal für einen Sprint zu sparen.

Zielsprint im DM-Straßenrennen der Männer: Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe, Mi.) kommt auf den dritten Platz. | Foto: Christian Heilwagen

Den enthronten Titelverteidiger zitierte Denz dann auch: “Deutsche Meisterschaften sind – das hat Georg Zimmermann letztes Jahr schön gesagt – das hässlichste Rennen des Jahres. Alle fahren gegeneinander und keiner gönnt dem anderes was. Viele fahren das Radrennen nicht, um zu gewinnen, sondern so, dass ein anderer es nicht gewinnt.“ 

Die Zuschauer dagegen hatten keinen Grund, sich über ein "hässliches" Meisterschaftsrennen zu beschweren. In den letzten beiden Stunden gab es immer wieder neue Situationen, es wurde angegriffen, verfolgt und wieder angegriffen. Wer Deutscher Meister werden würde, war am Sonntag wirklich erst auf dem Zielstrich klar. Denz relativierte seine Aussage dann auch etwas: “Ich habe das Gefühl, dass es dieses Jahr weniger war als in der Vergangenheit, aber im Endeffekt ist es so, dass es nicht ganz einfach ist, mit dem Red-Bull-Trikot einfach wegzufahren. Dieses Trikot hat man schon auf dem Schirm.“

Das komplizierteste Rennen des Jahres

Zunächst mussten sich die Raublinger aber an die eigene Nase fassen, denn sie waren in der Anfangsphase zur Verfolgungsarbeit verdammt. “Wir haben die Gruppe verpasst, ganz einfach. Das mussten wir reparieren und das haben die Jungs ganz stark gemacht. Die Last des Rennens war bei uns und wir haben sie gestemmt“, so Denz, dessen Team in dieser Phase die beiden Devo-Fahrer Paul Fietzke und Max Bock sowie Ben Zwiehoff aufgebraucht hatte. Lediglich Denz und Emil Herzog konnten dann noch eine Rolle spielen, nachdem die Situation bereinigt war.

Das Podium von Bad Liebenstein, v.l.: Lennart Jasch (Tudor), Felix Engelhardt (Jayco – AlUla), Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe) | Foto: Christian Heilwagen

Dass eine DM auch oder gerade für Red Bull - Bora - hansgrohe eine komplizierte Angelegenheit ist, erzählte Denz anschließend. “Es war sehr sehr heiß und wir hatten sehr begrenzten Staff zur Verfügung“, erklärte er. Während andere Teams in voller Stärke anwesend waren, war der Staff bei Red Bull auf viele Meisterschaften in Europa verteilt.

“Mit Eltern und Familie haben wir das Kontingent aufgestockt und ich muss sagen, das war echt super. Wir hatten zwei, drei Mal pro Runde Stellen, wo wir Flaschen und Eis annehmen konnten. Dazu hatten wir das Auto. Wir wurdenn hervorragend unterstützt“, befand der dreimalige Giro-Etappensieger, der bisher eher als “Schlechtwetterexperte“ bekannt war und nun vielleicht als “Extremwetterexperte“ untwewegs sein wird.

Das wichtigste Rennen des Jahres

Das wäre mit Blick auf seine kommende Aufgabe vorteilhaft, denn auf viel Regen sollte er bei der 113. Tour de France (2.UWT) nicht hoffen. “Es war zum Glück überall in Europa sehr heiß, so dass man sich da schon ein wenig dran gewöhnen konnte“, meinte Denz, der angab kein besonderes Hitzetraining absolviert zu haben. “Man kann auch draußen in der Hitze fahren. Das war meine Wahl“, erklärte er.

Und so wird Denz seine nach 2024 zweite Tour bestreiten. Damals gab  der erklärte Kapitän Primoz Roglic in der zweiten Woche auf. Bester Fahrer war Jai Hindley auf Rang 18, ein Etappensieg blieb den Raublingern damals verwehrt. 

Das soll diesmal mit der Doppelspitze Remco Evenepoel und Florian Lipowitz anders werden. “Wir haben zwei sehr starke Leader mit an Bord und gehen nicht in den Urlaub nach Frankreich. Wir haben große Ambitionen und sind mit einer sehr starken Mannschaft am Start. Ich denke, wir brauchen uns nicht zu verstecken und wir werden alles versuchen, um Ergebnisse einzufahren“, kündigte Denz selbstbewusst an

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