RSNplusTitelverteidigung auf letzten 300 Metern verpasst

Zimmermann: “Ich denke ich war wieder einen Gang zu dick“

Von Felix Mattis mit Joachim Logisch aus Bad Liebenstein

Foto zu dem Text "Zimmermann: “Ich denke ich war wieder einen Gang zu dick“"
Georg Zimmermann (Lotto - Intermarché) im Ziel in Bad Liebenstein. | Foto: Christian Heilwagen

28.06.2026  |  (rsn) – Ein Jahr nach seinem Triumph in Linden war Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) auch als Titelverteidiger bei den Deutschen Meisterschaften in Bad Liebenstein wieder einer der Stärksten. Für den erneuten Titelgewinn aber reichte es nach 191,6 Kilometern bei großer Hitze im Thüringer Wald nicht – und das obwohl der 28-Jährige in hervorragender Position auf die knapp 500 Meter lange Zielgerade gekommen war:

An zweiter Position der fünfköpfigen Spitzengruppe kam Zimmermann hinter Denz ums Eck. Er ließ ein kleines Sprinterloch, um im Windschatten perfekt beschleunigen zu können, schaute sich immer wieder um und hatte seine Kontrahenten im Blick.

Als dann Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) aus vierter Position früh lossprintete, reagierte Zimmermann sofort. Doch er kam einfach nicht mehr auf Geschwindigkeit, konnte auch aus dem Windschatten heraus Denz nicht überholen und wurde am Ende Fünfter. ___STEADY_PAYWALL___

Gegenüber radsport-news.com schien er sich an den 11. Juli 2023 zu erinnern, an jenen Tag als er in Issoire Tour-Etappenzweiter im Ausreißer-Sprint hinter Pello Bilbao geworden war.

"Perfektes Rennen bis auf die Zielgerade"

"Im Sprint habe ich die Kurbel nicht mehr rumbekommen. Vielleicht war ich wieder einen Gang zu dick", überlegte Zimmermann. "Bis auf die letzten 200 Meter ist es richtig gut gelaufen. Nico war vorn, ich habe drei, vier Meter Loch gelassen, sodass ich draufrollen kann. Aber wenn man die Kurbel nicht mehr rumbekommt, hilft die gute Position im Finale auch nichts. Ich habe mir das so zurechtgelegt, dass ich eine gute Ausgangsposition im Sprint habe und dann, ja: Ich denke einen Gang zu dick."

Nebeneinander auf einer Bank im Ziel: Der alte Deutsche Meister Georg Zimmermann (links) und der neue, Felix Engelhardt (rechts). | Foto: Christian Heilwagen

Enttäuscht war Zimmermann ob des Rennausgangs sicherlich. Das Meistertrikot abzugeben, ist nie schön. Gleichzeitig aber konnte der Augsburger zufrieden mit seiner Leistung und seiner nach oben zeigenden Formkurve sein – sechs Tage vor dem Tour-de-France-Start in Barcelona. "Perfektes Rennen bis auf die Zielgerade - und dann war es so gewesen", bilanzierte er.

"Letztes Jahr war Engel der Stärkste und wurde Zwoter"

Beeindruckend auch, wie Zimmermann dann den Sieg des neuen Deutschen Meisters Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) einordnete – nämlich im großen Gesamtkontext mit dem Rennen aus dem Vorjahr, und dabei fast schon in Herabstufung seines eigenen Sieges von 2025: "Letztes Jahr war Engel der Stärkste und wurde Zwoter", so der Vorjahressieger. "Dieses Jahr war er von den Fünf der, der sich zurückgerobbt hat.“

Engelhardt war am langen Anstieg der DM-Runde kurz vor der Kuppe von seinen vier Begleitern abgehängt worden und kam erst in der langgezogenen Abfahrt zum Ziel wieder näher, um dann kurz vor der 1.000-Meter-Marke aufzuschließen und letztlich auf der Zielgeraden aus fünfter Position vom Hinterrad des früh losgesprinteten Politt zum Sieg zu fliegen.

Mit einem Lächeln im Gesicht auf Platz 5: Zimmermann schien sich im Ziel für Engelhardt bereits zu freuen. | Foto: Christian Heilwagen

Zimmermann erklärte, dass die Rückkehr des Jayco-Profis in die Spitzengruppe nichts war, womit er sich im Finale allzu sehr beschäftigt habe. “In so einem Finale bin ich mehr auf mich fokussiert als auf Fahrer, die eventuell zurückkommen. Ich fokussiere mich auf mich und darauf, dass ich eine gute Position hab", sagte er. "Dann lasse ich es auf mich zukommen. Ich sprinte gegen die Leute, die da sind. Wer da ist, ist da."

Dass es überhaupt zum Sprint dieses Quintetts kam, hatte Zimmermann zuvor aber bereits nicht mehr für wahrscheinlich gehalten, wie er gegenüber RSN auch zugab. Denn als Lennard Kämna (Lidl – Trek) 34 Kilometer vor Schluss allein attackiert hatte, dachte er, "dass es das gewesen war", so der Lotto-Profi.

"Hat mich überrascht, dass wir den Lenny zurückbekommen haben"

"Es hat mich überrascht, dass wir den Lenny noch mal zurückbekommen haben. Er ist bei der Dauphiné richtig gut gefahren und als er los ist und Tim (Kämna-Teamkollege Teutenberg, Anm. d. Red.) das Rennen hinten blockiert hat, hätte ich gedacht, dass Lennard mit seinen Qualitäten weg ist. Aber dann haben wir hinten doch einen Spirit hinbekommen und Lennard zurückgeholt."

Für Zimmermann geht es nach den Deutschen Meisterschaften nun nach Spanien, genauer nach Barcelona. Dort beginnt am 4. Juli die Tour de France, die bereits sechste in der Karriere des Augsburgers. Auch wenn sein Team Lotto – Intermarché den Tour-Kader offiziell noch nicht bekanntgegeben hat, so scheint klar, dass Zimmermann dabei ist und wieder auf Etappenjagd gehen wird – hoffentlich dann wieder mit dem richtigen Gang, wie 2025 in Linden.

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine