Profi-Radsport

Tour: Astana steigt aus

Blutdoping - Winokurow positiv getestet

24.07.2007 - Pau (dpa/sid/Ra) - Die Tour de France steht vor dem Kollaps: Der zweifache Etappensieger Alexander Winokurow ist laut der französischen Zeitung «L`Équipe» des Blutdopings überführt worden.

Der Tour-Ausstieg seines Astana-Teams bedeutete auch das Ende der Frankreich-Rundfahrt für seinen deutschen Mannschaftskollegen Andreas Klöden. Der 33 Jahre alte Kasache Winokurow soll unmittelbar vor seinem Sieg am 21. Juli im Zeitfahren Bluttransfusionen erhalten haben.

Mit der Überführung von Winokurow und dem Rückzug seines Teams steht die 94. Tour wenige Tage vor dem Finale in Paris vor einem Scherbenhaufen. Bereits die Entscheidung, den in der Gesamtwertung führenden Dänen Rasmussen trotz mehrerer Doping-Vorwürfe im Rennen zu belassen, hatte die Tour vor eine Zerreißprobe gestellt. Mit dem Fall Winokurow ist der Super-GAU eingetreten.

Winokurow ist der erste Fahrer, der bei der laufenden Tour überführt wurde. Am vergangenen Mittwoch war eine positive Dopingkontrolle (Testosteron) beim verletzt ausgefallenen Patrik Sinkewitz vom 8. Juni bekanntgeworden. Der Fall Winokurow setzt die Dopinggeschehen der vergangenen Monate im Radsport sowie im Team Astana spektakulär fort.

Winokurow, der von seinem Team umgehend suspendiert wurde und Pau sofort verließ, will die Öffnung der B-Probe beantragen. "Er hat mir gesagt, er glaubt, dass die Blutanomalie Folge seines Sturzes ist", sagte Astana-Teammanager Marc Biver und fügte hinzu: "Natürlich fürchte ich um die Zukunft des Teams. Die Tour-Direktion hat mir gesagt, dass es besser für die Tour ist, das Team Astana aus dem Rennen zu nehmen. Dem haben wir Folge geleistet." Bis auf Weiteres werde seine Mannschaft keine Rennen bestreiten.

Patrice Clerc, Präsident der Tour-Organisation ASO, meinte: "Ich bin verraten worden. Ich bereue meine Entscheidung, Astana für die Tour zugelassen zu haben." Renndirektor Christian Prudhomme bezeichnete den erneuten Dopingfall als "totalen Bankrott für das System. Aber es gab zu keinem Zeitpunkt Überlegungen die Tour zu stoppen, nur weil offenbar einige russisch Roulette spielen. Veränderungen im Radsport gehen nur über die Tour."

Winokurow hatte am vergangenen Samstag beim Einzelzeitfahren in Albi die Konkurrenz nach Belieben beherrscht und mit 1:14 Minuten Vorsprung auf den Australier Cadel Evans gesiegt. Am Montag, einen Tag vor Bekanntwerden der Positivprobe, setzte er sich auf der vorletzten Bergetappe der 94. Tour im Alleingang durch.

Seine Chancen in der Gesamtwertung hatte der als Favorit gestartete Winokurow bei einem Sturz auf der fünften Etappe eingebüßt. Nur einen Tag vor seinem Triumph in den Pyrenäen war er am Sonntag noch hoffnungslos zurückgefallen und hatte fast eine halbe Stunde Rückstand eingesammelt. Winokurow fuhr von 2000 bis 2005 für das T-Mobile-Team und war dann zu Astana gewechselt. Der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche hatte Winokurwos Team zuletzt schwer belastet.

Am 13. Juli hatte das Team bereits den Franken und früheren T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler wegen Testosteron-Dopings entlassen. Kessler droht eine zweijährige Sperre. Der 28-Jährige war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle vor dem Klassiker "Fleche Wallonne" Ende April mit einem extrem überhöhten Testosteron-Wert aufgefallen. Zudem laufen Ermittlungen gegen den Italiener Eddy Mazzoleni. Bei drei Dopingfällen innerhalb eines Jahres wird eine Radsport-Mannschaft laut Reglement des Weltverbandes UCI ohnehin für vier Wochen gesperrt.

Zuletzt hatte TVM bei der Skandal-Tour 1998 ein komplettes Team wegen angeblicher Verfolgung durch die Dopingjäger zurückgezogen. 2004 war Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA als erster Radprofi wegen Blutdopings überführt worden.