Profi-Radsport

Deutschland Tour: Lopez gewinnt Königsetappe

Voigt am Rettenbachferner mit langem Atem

14.08.2007 - (sid/dpa/Ra) - Jens Voigt biss die Zähne zusammen und kämpfte um jede Sekunde, bevor er erleichtert den Zielstrich auf dem 2671m hohen Rettenbachferner überquerte. Der CSC-Kapitän hat sensationell auch in der Höhenluft von Sölden sein Gelbes Trikot verteidigt und fährt nun schnurstracks seinem zweiten Deutschland-Tour-Triumph entgegen. Der Berliner belegte auf der Fahrt über 157,6km von Sonthofen zum zum höchsten Punkt der ProTour hinauf, einen starken zweiten Platz und verlor dabei nur zwölf Sekunden auf den spanischen Tagessieger David Lopez Garcia (Caisse d’Epargne).

Damit hat Voigt nun allerbeste Chancen, seinen Triumph aus dem Vorjahr zu wiederholen. Bis zum Finale am Samstag stehen keine nennenswerten Bergprüfungen mehr auf dem Programm. Einzig das Einzelzeitfahren am Freitag dürfte das letzte Hindernis zum Sieg sein, und da dürfte Voigt im Vergleich zum nun zweitplatzierten Lopez Garcia klare Vorteile haben, zumal sein Vorsprung relativ komfortablee 33 Sekunden beträgt.

Voigt, der am Montag auf dem Riedbergpass noch geschwächelt hatte, zeigte bei der Kletterpartie in den Alpen eine herausragende Leistung. Als die Spitzengruppe im monströsen Schlussanstieg Kilometer für Kilometer immer kleiner wurde, konnte der 35-Jährige mit den Bergfahrern nicht nur Schritt halten. Vielmehr ließ er sogar den früheren Giro-Sieger Damiano Cunego (Lampre) sowie den Tour-Dritten Levi Leipheimer (Discovery Channel) wenige Kilometer vor dem Ziel hinter sich.

Cunego verlor am Ende als Vierter 33 Sekunden auf Lopez Garcia. Leipheimer, der seinen zweiten Deutschland-Tour-Sieg nach 2005 anstrebte, büßte gar 1:10 Minuten ein. Dritter wurde der Niederländer Robert Gesink (Rabobank), der sich speziell auf die Königsetappe der Deutschland Tour vorbereitet hatte.

Dabei standen die Vorzeichen für Voigt vor der Etappe noch schlecht, zumal Edelhelfer Andy Schleck am Montag krankheitsbedingt ausgestiegen war. So hatte das Gelbe Trikot mit dem jungen Chris Anker Sörensen im Schlussanstieg nur einen Helfer an seiner Seite und war im Finale auf sich alleine gestellt. Voigt meisterte die Herausforderung jedoch mit Bravour.

T-Mobile-Hoffnung Linus Gerdemann büßte dagegen alle Chancen in der Gesamtwertung ein. Bereits neun Kilometer vor dem Gipfel konnte der Etappensieger der Tour de France das Tempo der Spitze nicht mehr mitgehen und verlor über fünf Minuten. Der gebürtige Münsteraner war ohnehin schon durch eine Erkältung geschwächt in die Deutschland-Tour gegangen. Zwar sind die Symptome seiner Erkältung abgeklungen, die Kräfte reichten bei dem 24-Jährigen aber in der Höhenluft noch nicht. Gerdemann hatte vorher angekündigt, nicht alles auf eine Karte zu setzen und einen spürbaren Zeitrückstand einkalkuliert.

Bis zum Anstieg im Ski-Mekka Sölden waren alle Favoriten geschlossen im Feld versammelt. An der Spitze durften sieben Ausreißer um den Russen Wladimir Efimkin (Caisse d’Epargne) ihr Glück versuchen, doch ihr zwischenzeitlicher Vorsprung von vier Minuten schmolz am Schlussanstieg schnell dahin.

Im Gegensatz zum Vortag gab es diesmal keine schweren Stürze. Der Kolumbianer Rigoberto Uran (Unibet.com), der sich am Montag in der Abfahrt vom Riedbergpass versteuert hatte, einen Abhang hinunter gerast und gegen einen Felsen geprallt war, wurde in Kempten operiert. Er hatte einen Bruch des linken Unterarms sowie eine Ausrissfraktur am rechten Ellenbogen erlitten.

Mehr Glück hatte der Österreicher Gerrit Glomser vom Volksbank-Team. Der 32-Jährige, der am Montag ebenfalls zu Fall gekommen war, erlitt lediglich eine Knieprellung und Hautabschürfungen im Rippenbereich. Am Dienstag war Glomser sogar an den Start gegangen, musste während der Etappe aber aufgeben.

Am Mittwoch sind vermutlich wieder die Sprinter am Zug. Auf der sechsten Etappe von Längenfeld nach Kufstein über 175km ist das Terrain überwiegend flach. Lediglich 20km vor dem Ziel ist in Schwoich ein Berg der dritten Kategorie zu meistern. Am Donnerstag verlässt die Deutschland-Tour dann Österreich wieder.