Profi-Radsport

Trauriger Rekord

Kohl siebter Dopingfall der Tour?

13.10.2008 - (sid/rsn) - Eine Woche nach Stefan Schumacher soll auch dessen Gerolsteiner-Teamkollege Bernhard Kohl positiv auf EPO getestet worden sein. Das meldet die französischen Sportzeitung L`Equipe. "Bernhard Kohl hat mich angerufen, er hat von der NADA einen Brief bekommen", bestätigte Gerolsteiner Teamchef Hans-Michael Holzcer dem Sport-Informations-Dienst (sid) den Dopingfall und kündigte zugleich juristische Schritte gegen den Österreicher an. Kohl, bei dem das EPO-Präparat CERA gefunden worden sein soll, hatte bei der Tour de France die Bergwertung gewonnen und Platz drei in der Gesamtwertung belegt.

Holczer, der gegen Kohl ebenso wie gegen Schumacher juristisch vorgehen und Schadensersatz fordern will, kündigte unterdessen seinen Rückzug aus dem Radsport an. "Ich bin unendlich traurig. Das zeigt die ganze Macht- und Hilflosigkeit. Für mich ist es an der Zeit, mich zu verabschieden. Ich kapituliere vor dieser kriminellen Energie", sagte Holczer. Im Sommer hatte der Herrenberger vergeblich nach einem Nachfolger für Hauptsponsor Gerolsteiner gesucht, der sich zum Jahresende zurückzieht.

Bernhard Kohl war einer der Shooting-Stars bei der Tour 2008. Quasi aus dem Nichts fuhr er auf den dritten Gesamtrang und sorgte mit seinen Leistungen für einen Begeisterungssturm in seiner österreichischen Heimat. Spätestens nachdem sein Zimmerkollege Schumacher vergangene Woche positiv getestet wurde, kamen aber auch Zweifel an Kohl auf. Für das kommende Jahr hat der 26-jährige Kletterspezialist bereits einen Vertrag beim belgischen Rennstall Silence-Lotto, dem Team des australischen Tourzweiten Cadel Evans, unterschrieben.

Kohl selbst war telefonisch nicht zu erreichen, sein Manager Stefan Matschiner sagte: "Ich kann das noch nicht bestätigen. Bernhard hat ein Kuvert bekommen, der Inhalt war französisch. Das müssen wir erst übersetzen." Sollte es sich um die Benachrichtigung über eine positive Probe handeln, werde man wegen des laufenden Verfahrens bis zur möglichen Öffnung einer B-Probe keine Stellungnahme abgeben, sagte Matschiner.

Holczer, der im Sommer vergeblich nach einem Nachfolger für den zum Saisonende aussteigenden Hauptsponsor Gerolsteiner gesucht hatte, will gegen Kohl ebenso juristisch vorgehen wie gegen Schumacher. "Ich werde zu 100 Prozent den selben Weg gehen", kündigte er eine Schadensersatzklage an.

Mit Kohl ist bereits der dritte Tour-Teilnehmer bei der Nachkontrolle positiv auf das EPO-Mittel CERA getestet worden.

Das Ausmaß der Krise ist noch gar nicht absehbar. In den französischen Labors werden noch weitere Blutproben analysiert. Das neue Testverfahren war erst im September auf den Markt gekommen, wie sich herausstellt, mit durchschlagendem Erfolg. Bei der Methode ist CERA im Blut deutlicher nachweisbar als zuvor im Urin. Zudem kündigte Pierre Bodry, der Präsident der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD jüngst an, in Kürze eine neue Methode zum Nachweis von Eigenblutdoping zur Anwendung zu bringen. Damit sollen dann die Proben weiterer Fahrer mit auffälligen Blutwerten analysiert werden.

Damit gestaltet sich auch die Tour de France 2008 im Nachhinein immer mehr als Farce. Bereits während des Rennens im Juli waren die Spanier Manuel Beltran und Moses Duenas sowie der zweimalige Etappengewinner Riccardo Ricco positiv getestet worden. Außerdem wurde dem Kasachen Dimitri Fofonow die Einnahme eines Stimulans nachgewiesen. Sollten sich nun die drei positiven Fälle auch in der B-Probe bestätigen, käme die Tour schon auf ein Rekordergebnis von sieben Dopingfällen.