Radsport News Teamcheck 2011

Katjuscha: Funktioniert das Di Luca-Experiment?


Foto: ROTH

18.01.2011  |  (rsn) - Winterzeit ist Wechselzeit. In den letzten Wochen und Monaten hat sich auf dem Transfermarkt einiges getan. Um Sie zum Saisonbeginn auf dem Laufenden zu halten, gibt Radsport News einen Überblick über die 18 ProTeams, stellt deren Aufgebote vor und bewertet Stärken und Schwächen.

Teil 7: Katjuscha:

Mit dem Spanier Joaquin Rodriguez und dem italienischen Neuzugang Danilo Di Luca, der nach abgelaufener Dopingsperre ohne Gehalt fahren will, hat Katjuscha die ProTour-Gesamtsieger von 2005 und 2010 in seinen Reihen. Stellt sich die Frage: Ist das ein starkes Duo oder ein hochexplosives Gemisch?

Kommen und Gehen: Im Winter 2010 gab es beim russischen Rennstall einen großen Umbruch. Das Management tauschte fast die halbe Mannschaft ausgetauscht. Gleich elf Fahrer das Team verlassen. Die namhaftesten Abgänge sind der Australier Robbie McEwen (zu RadioShack), der Italiener Danilo Napolitano (zu Acqua & Sapone) sowie der Luxemburger Kim Kirchen, der nach seinem Herzstillstand bei der Tour de Suisse 2010 vor dem Karriereende steht. Ebenfalls nicht mehr zum Aufgebot zählen der Franzose Laszlo Bodrogi (Team Type 1), der Russe Evgeni Petrov (Astana) sowie die Italiener Marco Bandiera (Quick Step) und Lucca Mazzanti (Farnese Vini). Noch auf Teamsuche sind die Russen Timofej Kritskiy, Alexander Botcharow, Nikola Eskov und Sergej Klimov sowie der Ukrainer Mikhailo Khalilov.

Im Gegenzug verpflichtete Katjuscha elf neue Fahrer. Prominentester Neuzugang ist der 35-jährige Italiener Danilo Di Luca, der nach abgelaufener Sperre Beim Rennstall von Manager Andrei Tchmil einen Neuanfang wagt - ohne festes Gehalt, sondern nur auf Erfolgsbasis. Für die Klassiker verstärkte man sich mit Di Lucas Landsmann Luca Paolini (von Acqua & Sapone) und dem Belgier Leif Hoste (von Omega Pharma-Lotto). Gemeinsam mit Hoste wechselte auch dessen spanischer Teamkollege, der Kletterspezialist Dani Moreno zu Katjuscha. Mit Alberto Losada (von Caisse d`Epargne) kommt ein weiterer Spanier, der Weißrusse Alexander Kuschynski fuhr bisher für Liquigas.

Die russische Fraktion wird durch Yuri Trofimov (von Bbox Bouyges Telecom), Vladimir Isaychev (Xacobeo) sowie die Neo-Profis Petr Ignatenko, Alexander Mironov und Alexander Porsev gestärkt.

Die Kapitäne: Uneingeschränkte Nummer 1 im Team ist Joaquin Rodriguez. Der 31 Jahre alte Spanier zeigte im Jahr 2010 sowohl in den Klassikern als auch bei den großen Rundfahrten seine Stärken. Den Fléche Wallonne beendete Rodriguez auf Rang zwei, bei der Tour wurde er mit Etappensieg Achter, bei der Vuelta, wo ihm ebenfalls ein Tageserfolg gelang, fehlte nicht viel zum Poidum. In Madrid sprang schließlich Platz vier heraus, nachdem der Katalane zwischenzeitlich sogar das Rote Trikot des Gesamtführenden getragen hatte.

Rodriguez zur Seite gestellt wurde Di Luca, der ebenfalls seinen Schwerpunkt auf die anspruchsvollen Eintagesrennen im Frühjahr und die großen Rundfahrten legen wird. Allerdings bleibt abzuwarten, ob der Giro- und Lüttich-Bastogne-Lüttich-Sieger von 2007 nach abgelaufener Dopingsperre noch einmal zu alter Stärke zurückfinden wird.

Bei kleineren Rundfahrten werden die Russen Vladimir Karpets und Vladimir Gusev sowie der Italiener Giampaolo Caruso ihre Freiheiten bekommen. In den Ardennenklassikern erhofft sich die Teamleitung Spitzenergebnisse auch vom mittlerweile 35 Jahre alten Kämpen Sergej Ivanov -  2009 Sieger des Amstel Gold Race -  und dessen sechs Jahre jüngeren Landsmann Alexander Kolobnev, 2010 Zweiter bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.

In den flämischen Klassikern kann Katjuscha auf die Italiener Filippo Pozzato und Paolini sowie auf Hoste bauen. Der 33 Jahre alte Hoste wurde 2006 und 2007 jeweils Zweiteri der Flandern-Rundfahrt und wurde im vergangenen Frühjahr  Achter bei Paris-Roubaix. Der gleichaltrige Paolini fuhr 2010 bei Gent-Wevelgem und Mailand-San Remo in die Top Ten, der 29-jährige  Pozzato wurde zuletzt Siebter bei Paris-Roubaix. Aber auch Rodriguez und Di Luca fühlen sich auf Klassikerterrain ausgesprochen wohl.

Im Sprint bleiben nach den Abgängen von McEwen und Napolitano in erster Linie  die Allrounder Pozzato und Paolini, die allerdings keine reinen Sprinter sind. Der junge Russe Denis Galymzianov wird bei Massenankünften sicher mehr Freiheiten erhalten.

Der Geheimtipp: Artem Ovechkin könnte die nächste russische Rundfahrtgröße werden. Sein Talent ließ der 24-Jährige schon in seiner ersten Profisaison aufblitzen. So beendete Ovechkin die schwere Österreich-Rundfahrt auf Platz fünf, bei der Tour-Generalprobe Critérium du Dauphiné lag er bis zu seinem Ausscheiden in Schlagdistanz zu den Top Ten. Zu den Stärken des Nachwuchsfahrers zählt das Zeitfahren, wie der Sieg beim Duo Normand (Kat. 1.2), ein dritter Platz im Kampf gegen die Uhr bei der Österreich-Rundfahrt und fünfte Plätze in den Zeitfahren der Tour de Romandie und der Oman-Rundfahrt beweisen. Obwohl die Rundfahrerfraktion bei Katjuscha stark besetzt ist, wird Ovechkin in der neuen Saison noch mehr Freiheiten erhalten. Ein Podiumsplatz bei einer anspruchsvollen Kurzrundfahrt mit Zeitfahren ist ihm zuzutrauen.

Stärken und Schwächen: Besonders für die Eintagesrennen ist Katjuscha mit Rodriguez, Di Luca, Kolobnev, Ivanov, Pozzato, Paolini und Hoste erstklassig aufgestellt. Auch bei kleineren oder größeren Rundfahrten muss man das team auf der Rechnung haben. Nach den Abgängen von McEwen und Napolitano fehlt allerdings ein erstklassiger Sprinter, der Cavendish, Greipel & Co. Paroli bieten kann. Bei Rundfahrten mit entscheidendem Zeitfahren können sich wohl nur Gusev, der junge Ovechkin und eventuell Karpets Hoffnungen auf eine vordere Platzierung machen. Gespannt sein darf man auf die Zusammenarbeit von Di Luca und Rodriguez. Beide sind ähnlich veranlagte Rennfahrertypen, die sich jeweils wohl nur schwer ins zweite Glied einfügen lassen.

Prognose: Gelingt es der Teamleitung, den umstrittenen und eigenwilligen Di Luca zu integrieren, so sind bei schweren Eintagesrennen und den großen Rundfahrten Katjuscha-Spitzenergebnisse vorprogrammiert. Die Qualität der Siege wird stimmen, die Quantität allerdings wegen des Fehlens eines starken Sprinters kaum. Allerdings wird Katjuscha auch mit wenigen großen Siegen gut leben können.

Katjuscha 2011: Pavel Brutt, Deniz Galymzianov, Vladimir Gusev, Petr Ignatenko, Mikhail Ignatiev, Vladimir Isaychev, Sergej Ivanov, Vladimir Karpets, Alexander Kolobnev, Alexaner Mironov, Artem Ovechkin, Alexander Porsev, Egor Silin, Yuriy Trofimov, Nikolai Trussov, Eduard Vorganov (alle Russland), Joaquin Rodriguez, Juan Horrach, Alberto Losada, Dani Moreno (alle Spanien), Giampaolo Caruso, Danilo Di Luca, Luca Paolini, Filippo Pozzato (alle Italien), Leif Hoste, Stijn Vandenbergh, Maxim Vantomme (beide Belgien), Alexandre Pliuschin (Moldawien), Alexander Kuschynski (Weißrussland).

Zugänge: Leif Hoste, Dani Moreno (beide Omega Pharma Lotto), Alexander Kuschynski (Liquigas), Yuriy Trofimov (Bbox Bouygues Telecom), Alberto Losada (Caisse d`Epargne), Luca Paolini (Acqua e Sapone), Vladimir Isachev (Xacobeo), Danilo Di Luca (Rückkehr nach Dopingsperre), Alexander Mironov, Alexander Porsev, Petr Ignatenko (alle Neo-Profis)

Abgänge: Robbie McEwen (RadioShack), Danilo Napolitano (Acqua e Sapone), Marco Bandiera (QuickStep), Luca Mazzanti (Farnese Vini), Evgeni Petrov (Astana), Laszlo Bodrogi (Team Type 1), Alexander Botcharow, Nikita Eskov, Mikhaylo Khalilov, Sergej Klimov, Timofey Kritskiy (alle Ziel unbekannt), Kim Kirchen (voraussichtlich Karriereende)

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