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28.09.2018 | (rsn) - Der riesige Jubel auf dem Podium blieb aus. Im Gegenteil: Marius Mayrhofer wirkte recht unaufgeregt, als er seine Silbermedaille entgegengenommen hatte. Dabei hatte der 18-Jährige gerade für das erste Edelmetall des Bundes Deutscher Radfahrer in Innsbruck gesorgt - und das hinter dem außerirdischen Remco Evenepoel, so dass Silber quasi das Gold des restlichen Pelotons war. Doch der Eindruck täuschte.
"Ich bin einfach etwas sprachlos und überwältigt - kann es noch gar nicht richtig glauben", erklärte Mayrhofer nach der Siegerehrung, und stellte klar: "Aber ich habe mich schon gefreut und die Stimmung genossen! Es fühlt sich extrem gut an, hier Zweiter zu werden."
Die Medaille war das Ziel des Junioren-Teams, das mit Rang vier von Michel Heßmann im Einzelzeitfahren schon vor dem Straßenrennen das bislang erfolgreichste Ensemble des BDR bei diesen Weltmeisterschaften war. Und entsprechend trat man auch auf: Schon in der Anfangsphase bestimmten die jungen Männer mit dem schwarz-rot-goldenen Längsstreifen auf dem Trikot selbstbewusst das Tempo im Feld - auch wenn man diese Verantwortung zu diesem Zeitpunkt guten Gewissens den Belgiern um Evenepoel hätte überlassen können.
Doch die Fahrweise stellte letztendlich sicher, dass Mayrhofer weit genug vorne war, um jenem Massensturz aus dem Weg zu gehen, der 72 Kilometer vor dem Ziel das Rennen zum Chaos machte und den belgischen Top-Favoriten rund zweieinhalb Minuten kostete. Im Anstieg von Gnadenwald behauptete sich der gebürtige Tübinger gut, und anschließend traf Mayrhofer die erste goldrichtige Entscheidung von mehreren an diesem Tag: Er ging mit, als der Zeitfahr-Dritte Andrea Piccolo aus Italien attackierte.
"Wir haben gut harmoniert", freute sich Mayrhofer, dass das Duo mit knapp einer Minute Vorsprung die Hofburg in Innsbruck erreichte und die zwei Schlussrunden über den Olympia Climb zur Bobbahn von Igls in Angriff nahm. "Als es in den Berg ging, habe ich ein bisschen weniger gemacht, weil ich gemerkt habe, dass es zäh wird hinten raus." Der Deutsche überließ Piccolo die Tempoarbeit, hatte dafür dann aber noch die nötigen Reserven, als im oberen Teil des Anstiegs Evenepoel und der Tscheche Karel Vacek von hinten kamen. Mayrhofer folgte den beiden Top-Kletterern über die Kuppe, und konnte im Gegensatz zu Vacek auch in der schnellen Abfahrt an Evenepoel dranbleiben.
"Ich wusste, dass wir als Dreiergruppe nicht sonderlich gut harmonieren würden. Aber als ich mit Remco alleine war, konnte ich ihm gut erklären, dass ich nicht mehr mitführen kann. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht nach vorne fahren werde, sondern froh bin, wenn ich bis zum Berg an ihm dranbleibe. Ich denke, da hat er schon verstanden, dass er der Stärkere ist", so Mayrhofer. Tatsächlich verrichtete der Deutsche nun keinen Meter Führungsarbeit mehr, fuhr nur noch am Hinterrad des die Junioren-Szene in diesem Jahr dominierenden Belgiers und ließ sich so an den zweiten und letzten Anstieg zur Bobbahn bringen.
Die steilen ersten Meter bewältigte Mayrhofer noch am Hinterrad von Evenepoel, doch kurz vor Aldrans ließ er ihn schließlich ziehen. "Aus Vernunft", erklärte er radsport-news.com später. "Denn ich hatte etwas mit Krämpfen zu kämpfen und habe gemerkt, dass ich das Tempo bis oben nicht mehr schaffe, in meinem eigenen Rhythmus aber noch eine relativ hohe Pace fahren kann." Anstatt zu riskieren, am Hinterrad des Top-Favoriten zu überdrehen, dann zu explodieren und schließlich durchgereicht zu werden, ließ der 18-Jährige Gold los, um Silber zu sichern.
Doch auch da wurde es nochmal enger. Nach der schnellen Abfahrt näherten sich der Italiener Alessandro Fancellu und der Schweizer Alexandre Balmer von hinten. In der letzten kurzen Steigung, der rund 300 Meter langen Höttinger Gasse, verkürzten die Beiden den Rückstand zum Deutschen vier Kilometer vor dem Ziel auf sieben Sekunden. "Ich dachte, ich könnte schon etwas rausnehmen. Aber oben habe ich festgestellt, dass sie doch noch kommen", erklärte Mayrhofer. "Dadurch musste ich dann doch nochmal fahren. Aber 500 Meter vor dem Ziel wusste ich, dass ich die Medaille habe."
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