Teamkollegin Fisher-Black gewinnt Schlussetappe

Reusser feiert souveränen Heimsieg bei der Tour de Suisse

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Marlen Reusser (SD Worx) hat die Tour de Suisse 2023 gewonnen. | Foto: Cor Vos

20.06.2023  |  (rsn) – Marlen Reusser (SD Worx) hat am letzten Tag der Tour de Suisse Women (2.UWT) souverän ihr Gelbes Trikot verteidigt und damit die 3. Ausgabe ihres Heimrennens für sich entschieden. Der Zeitfahreuropameisterin reichte auf der 4. Etappe über 100,8 Kilometer rund um Ebnat-Kappel Rang drei, um nach der Baskenland-nun auch die Schweiz-Rundfahrt zu gewinnen.

Reussers Team lieferte eine weitere dominierende Vorstellung ab und konnte neben den Gesamt- auch den letzten Tagessieg feiern. Den sicherte sich die 22-jährige Neuseeländerin Niamh Fisher-Black, die im Sprintduell Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) auf Rang zwei verwies. Die Polin hatte zuvor mit ihrer aggressiven Fahrweise Spannung ins Rennen gebracht und war wenige Kilometer vor dem Ziel sogar virtuelle Gesamtführende.

Letztlich ging die 28-Jährige aber leer aus. Den Kampf um ihren ersten Sieg seit vier Jahren verlor sie gegen Fisher-Black und im Gesamtklassement blieb nicht mehr als die Verbesserung um zwei Positionen auf Rang vier, wobei Niewiadoma das Podium um sieben Sekunden verpasste.

Die 31-jährige Reusser dagegenkonnte ihren fünften Saisonsieg bejubeln, 1:02 Minuten hinter ihr sorgte die Niederländerin Demi Vollering für einen Doppelsieg von SD Worx. Die Italienerin Elisa Longo Borghini (Trek – Segafredo / +1:17) behauptete ihren dritten Gesamtrang. Die Lörracherin Clara Koppenburg (Cofidis) war auf dem zwölften Platz (+5:55) beste deutsche Fahrerin.

"Ich bin so glücklich! Es war so ein großes Ziel von mir und ich habe ein bisschen davon geträumt. Das Team hat es zu 100 Prozent unterstützt und hat alles getan, um das möglich zu machen. Ich bin super stolz und super glücklich, ein Traum ist wahr geworden“, strahlte Reusser im Ziel-Interview.

Dabei war das Gelbe Trikot zwischenzeitlich noch in Gefahr geraten, als Niewiadoma schon 27 Kilometer vor dem Ziel attackierte. “Das war keine gute Situation. Kasia fuhr vorne Vollgas. Demi (Vollering) erhielt bei der Verfolgung keine Hilfe. Trek - Segafredo wollte nicht kooperieren. Ich dachte deshalb, dass Offensive die beste Verteidigung wäre. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat.“

Reusser gewann auch die Punktewertung, Elise Chabbey (Canyon – SRAM) entschied die Bergwertung für sich, wobei die Schweizerin davon profitierte, dass Niewiadoma die beiden letzten Bergpreise holte und so der Niederländerin Julie Van de Velde (Fenix-Deceuninck), die sich mit Platz zwei begnügen musste, die entscheidenden Punkte wegnahm. Fisher-Black, die im Gesamtklassement 29 Positionen gutmachte und noch auf Platz acht vorrückte, wurde als beste Nachwuchsfahrerin ausgezeichnet.

So lief die 4. Etappe der Tour de Suisse Women:

Zum Finale der Schweiz-Rundfahrt mussten die Fahrerinnen rund um Ebnat-Kappel auf gut 100 Kilometern 1.780 Höhenmeter bewältigen – so viele wie auf keiner der vorherigen drei Etappen. Zudem standen vier Bergwertungen im Programm.

Nach fünf Kilometern initiierten Van de Velde und Tiril Jörgensen (Coop - Hitec Products) eine neunköpfige Spitzengruppe, die sich bis zum ersten kategorisierten Anstieg, der nach rund 40 Kilometer erreicht war, einen Vorsprung von rund zwei Minuten auf das Feld herausfuhr. Dort konnte es Reussers Team bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke vergleichsweise ruhig angehen lassen, da keine der Spitzenreiterinnen eine unmittelbare Gefahr für ihr Gelbes Trikot darstellte. Van de Velde, die den mit 12 Punkten dotierten ersten Bergpreis gewann, war mit gut fünf Minuten Rückstand auf die Schweizerin die im Gesamtklassement bestplatzierte der Ausreißerinnen.

In einer danach folgenden Steigung ging dann jedoch Niewiadoma in die Offensive und schloss schnell, mit Reussers Helferin Niamh Fisher-Black im Schlepptau, zu ihrer Teamkollegin Tiffany Cromwell auf, die sich aus der ehemaligen Spitzengruppe hatte zurückfallen lassen. Mit hohem Tempo führte die Australierin im zweiten Anstieg des Tages nach Schorüti (2. Kat.) Niewiadoma an das Spitzenduo heran.

Im Feld reagierte Reusser erst auf eine Attacke von Amanda Spratt (Trek – Segafredo), in deren Folge sich eine kleine Gruppe mit Vollering, Chabbey, Longo Borghini, Claire Steels (Israel Premier Tech Roland) und Amber Kraak (Jumbo – Visma) bildete, die gut eine Minute hinter Van de Velde folgte, die auch den zweiten Bergpreis holte und damit Chabbeys Trikot gefährdete. Nach einer Attacke von Niewiadoma kamen dann Fisher-Black, Rayer und Van de Velde wieder zur Polin zurück, der Rückstand der Reusser-Gruppe jedoch wuchs auf mehr als zwei Minuten an, wodurch Niewiadoma neue virtuelle Gesamtführende war.

Das Profil der 4. Etappe der Tour de Suisse Women | Foto: Veranstalter

Eingangs der ersten der beiden Zielrunden war aus der Gruppe der Favoritinnen wieder ein echtes Feld geworden, da zahlreiche abgehängte Fahrerinnen den Anschluss geschafft hatten. Vollering zog im zweiten Schorüti-Anstieg das Tempo an, nachdem der Rückstand bis auf 2:30 Minuten angewachsen war. An der Spitze konnten Rayer und Van de Velde dem von Niewiadoma angeschlagenen Tempo nicht mehr folgen.

Als Vollerings Tempoarbeit sich nicht auf den Abstand zwischen beiden Gruppen auswirkte, attackierte Reusser kurz nach der Bergwertung, die zuvor Niewiadoma gewonnen hatte, und machte sich solo auf die Verfolgung der Spitze, wo sich Fisher-Black von der Gesamtsechsten nicht abschütteln ließ. Reusser sammelte bei ihrer Jagd Rayer und Van de Velde ein und reduzierte den Rückstand bis zur 16 Kilometer langen Schlussrunde auf nur noch 50 Sekunden, eine gute weitere Minute dahinter folgten die weiteren Konkurrentinnen, unter denen aber keine Einigkeit herrschte.

Bei der letzten Überquerung des drei Kilometer langen und sechs Prozent steilen Schorüti- Anstiegs schüttelte Reusser ihre Begleiterinnen ab, ohne allerdings den Rückstand gegenüber Niewiadoma auf weniger als 40 Sekunden reduzieren zu können. Im Gegenteil: An der Bergwertung, die ebenfalls an Niewiadoma ging, war er auf fast eine Minute angewachsen. Auf den letzten elf, zunächst bergab führenden, dann flachen Kilometern spielte Reusser dann wieder ihre Zeitfahrqualitäten aus und kam noch bis auf 30 Sekunden an das Spitzenduo heran, in dem ausschließlich Niewiadoma für Tempo sorgte.

Dafür zahlte die Fahrerin von Canyon – SRAM im Sprintduell, in dem sich das Leichtgewicht Fisher-Black deutlich durchsetzte, um erstmals in ihrer Karriere einen Sieg auf WorldTour-Niveau zu feiern. Reusser konnte schon 100 Meter vor dem Ziel bereits jubeln, rund eineinhalb Minuten hinter der Tagessiegerin entschied Vollering den Kampf um den vierten Platz vor Rayer für sich.

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