RSNplusUCI arbeitet am Gläsernen Rennen

Von Gelben und Roten Karten und dem Videobeweis

Von Peter Maurer

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Thierry Diederen, der UCI-Kommissar für das VAR bei der Flandern-Rundfahrt | Foto: Peter Maurer

08.04.2024  |  (rsn) – 'Big Brother is watching you' wusste schon George Orwell in seinem Roman ‘1984‘. Vor einigen Jahren hielt der Videoschiedsrichter - Video Assistant Referee (VAR) genannt - Einzug in den Fußball. Mittlerweile setzt auch der Radsportweltverband UCI auf diese Karte und hat an 230 Renntagen im Jahr ein wachendes Auge auf das Geschehen im Peloton. Dabei handelt es sich aktuell um ein Mitglied des Kommissarskollegiums, das vom Ziel aus in einem kleinen Transporter die Live-Bilder verfolgt.

Man will so mögliche Vergehen besser und auch früher ahnden, was beispielsweise bei Paris-Roubaix den Rennausschluss von Joshua Tarling (Ineos Grenadiers) zur Folge hatte. Der junge Brite wurde via Helikopteraufnahme überführt, wie er sich von seinem Betreuerauto hatte ziehen lassen, um nach einem Defekt wieder in die Favoritengruppe zu kommen.

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"Früher waren wir mit dem, was wir aus den Autos sahen, zufrieden. Das war aber viel begrenzter", erklärte Thierry Diederen bei der Flandern-Rundfahrt gegenüber dem französischen Portal Direct-Velo, das den Belgier an seinem Arbeitsplatz gemeinsam mit radsport-news.com besuchte. Auf dem Parkplatz der TV-Produktionen hat auch die UCI ihr mobiles Überwachungsbüro eingerichtet, wird dort mit allen möglichen Kameraeinstellungen versorgt und Diederens Tisch gleicht einem Regieplatz.

Thierry Diederen an seinem Arbeitsplatz bei der Flandern-Rundfahrt | Foto: Peter Maurer

Zusätzlich hat er auf einem Computer auch noch ein Twitter-Deck eingerichtet, um auch alle möglichen Bilder zu sichten, die außerhalb der TV-Produktion gemacht werden. "Wenn wir auf ein Video eines Twitter-Nutzers stoßen, schauen wir es uns an", so Diederen, der bei den TV-Bildern auch noch auf Tools wie Zeitlupe, Zurückspielen oder Vergrößern zugreifen kann.

Vorbeugen als Prämisse, um nicht strafen zu müssen

Mit seinen Kollegen, die sich im Rennen befinden, ist er über Whatsapp verbunden. Was für diese wohl zum einen Segen, aber auch Fluch ist. Denn die zusätzliche Kommunikation hilft einerseits bei der Entscheidungsfindung oder der Vorbereitung auf mögliche Hindernisse, lenkt andererseits auch ab, weil das Telefon des Juryvorsitzenden ständig vibriert.

"Vorbeugen ist besser als heilen", sei die Devise der Videobeobachtung, so Diederen, der anfügte: "Wir können der Jury grenzwertiges Verhalten eines Fahrers melden, um die Sportdirektoren dann auch zu mahnen. Falls das Verhalten anhält, ziehen wir eine Sanktion in Betracht." Die Athletinnen und Athleten im Feld werden daher gläsern, angefangen vom falschen Entsorgen von Müll bis hin zu Stürzen, dem Fahren auf Gehwegen oder den Abständen der Autos im Zeitfahren - alles wird erfasst und bewertet von VAR.

Wie ein Regisseur einer Fernsehproduktion hat der Video-Referee alle Bilder im Blick. | Foto: Peter Maurer

Dass man sich weiter am Fußball orientieren will, erzählte zuletzt auch Tour-de-France-Direktor Christian Prudhomme, der die Verteilung von Gelben oder gar Roten Karten forderte und sogar schon ein System dafür präsentiert haben will. Die jüngsten schweren Stürze in Belgien oder in Spanien führt er auf die Unerfahrenheit einiger Fahrer im Peloton zurück: "Neue Talente, die gerade erst in den Radsport einsteigen, werden immer jünger, aber ihnen fehlt die jahrelange Erfahrung im Peloton und die Gewohnheit, die Regeln zu respektieren."

UCI-Präsident will auch Gelbe und Rote Karten einführen

Auch laut UCI-Präsident David Lappartient seien 50 Prozent der Stürze auf das Verhalten der Fahrer zurückzuführen. "Ich will nicht sagen, dass sie alle schuld sind. Es kann auch nur ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit sein. Deshalb wollen wir wie im Fußball ein Prinzip von Gelben und Roten Karten einführen, damit gefährliches Verhalten besser bestraft wird", erklärte der Franzose zuletzt gegenüber cyclingnews.

Ob das der Weisheit letzter Schluss sind, darf man bezweifeln, den Fakt aber, dass die UCI die schweren Stürze auf dem Schirm hat und das Sicherheitsbewusstsein einen größeren Platz einnimmt, ist durchaus positiv zu bewerten. Auch im Fußball verhindern die Karten jedoch keine unsportlichen Aktionen, sie geben dem Schiedsrichter nur die Möglichkeit, sie zu ahnden.

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