RSNplusWorldTeams 2026: Ineos Grenadiers

Mit Königstransfers zurück zu alter Stärke?

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Mit Königstransfers zurück zu alter Stärke?"
Ineos Grenadiers starten mit klaren Zielen in die Saison 2026. | Foto: Ineos Grenadiers

12.01.2026  |  (rsn) – Die größte Veränderung bei den Ineos Grenadiers zwischen den Saisons 2025 und 2026 geschah auf der Ebene des Managements: Geraint Thomas war 16 Jahre Rennfahrer im Team, gewann die Tour de France 2018 und ist eine absolute Identifikationsfigur des britischen Rennstalls – er wechselte vom Sattel in die Position des Renndirektors.

Schon bei seinem Antritt formulierte er den Anspruch, der über der Saison 2026 und den folgenden stehen soll: "Ich will alles daran setzen der nächsten Generation zum Durchbruch zu verhelfen, meine Erfahrungen weiterzugeben und das Team weiter in Richtung unseres Ziels voranzutreiben, wieder Grand Tours zu gewinnen." ___STEADY_PAYWALL___

Genau so liest sich das Aufgebot für 2026 auch – wieder. Der letzte Grand-Tour-Sieg liegt fünf Jahre zurück. Damals gewann Egan Bernal den Giro d’Italia. Anschließend schaffte es Thomas in Italien noch zweimal und bei der Tour noch einmal aufs Podium. In den vergangenen Jahren – das zeigen auch die Transfers des Teams, ging der Fokus von Grand-Tour-Klassements ein wenig weg. Er wich einer angriffslustigen, unterhaltsamen Fahrweise des gesamten Teams, die für die Zuschauer, die Jahre der "Sky-Züge" gewöhnt waren, ungewöhnlich anmutete.

Egan Bernal mit offensiver Fahrweise auf dem Weg zum Sieg auf der verkürzten 16. Etappe der Vuelta a Espana 2025. | Foto: Cor Vos

So kam man im vergangenen Jahr auf immerhin 28 Siege, doppelt so viele wie im Vorjahr. Darunter werden allerdings auch acht nationale Meistertitel gezählt. Aber auch in der WorldTour zeigte sich die britische Equipe verbessert. Man feierte Etappensiege bei allen drei Grand Tours, wobei das Hochgebirgs-Double von Thymen Arensman mit zwei Erfolgen in Superbagnères und La Plagne bei der Tour de France natürlich heraussticht. Die größeren Siege verteilten sich zudem auf mehrere Schultern und zeigten, dass die Jugendarbeit bei den Briten hervorragend funktioniert. Joshua Tarling, Magnus Sheffield, Samuel Watson – sie alle sind junge Fahrer, die sich in die Riege der WorldTour-Sieger einreihen konnten.

Dazu kamen mit Filippo Ganna, Arensman und Bernal etablierte Fahrer, denen erneut eine starke Saison gelang. Besonders Bernal sollte man an dieser Stelle hervorheben. Bei der Vuelta gelang ihm endlich der erste WorldTour-Sieg seit seinem schweren Unfall im Januar 2022. In der Gesamtwertung konnte er sich nicht so hervortun, wie er es sich vielleicht gewünscht hätte, aber er war viele Male, sowohl beim Giro als auch bei der Vuelta, an den entscheidenden Attacken beteiligt oder initiierte sie sogar selbst. Mit Platz sieben beim Giro fuhr er das beste Ergebnis seines Teams bei einer der großen Landesrundfahrten ein. Ein angriffslustiger Bernal dürfte seinen Fans auch in den kommenden Jahren viel Freude bereiten.

Zumal auf ihm nicht mehr der alleinige Druck des Grand-Tour-Leaders lastet. Mit Kévin Vauquelin und Oscar Onley verpflichtete Ineos gleich zwei potenzielle Kandidaten und den Zweiten und Dritten der Nachwuchswertung der Tour 2025. Ein neuer, alter Fokus, ganz im Sinne des neuen Renndirektors des Teams.

Der Top-Transfer 2026: Oscar Onley

Onley kam erst spät von Picnic – PostNL zu den Ineos Grenadiers. Die Ablösemodalitäten um den 23-Jährigen zogen sich wohl hin. Nun ist der Brite bei seinem “heimischen“ Rennstall angekommen – und direkt der große Hoffnungsträger. Mit Platz vier bei der Tour im vergangenen Jahr ließ er aufblitzen, dass er der erste Grand-Tour-Sieger des Teams seit Bernal werden könnte. Der Weg ist weit für Onley, aber bei Ineos hat er beste Möglichkeiten.

Das gilt in ähnlicher Weise für Kévin Vauquelin. Der Franzose hat ein etwas anderes Profil als Onley, das eher in Richtung kürzerer Anstiege geht, dennoch wurde er Siebter bei der Tour im vergangenen Jahr. Auch er wird zahlreiche Möglichkeiten bekommen sich auszuzeichnen. Als erfahrenen Helfer wurde den beiden Königstransfers Jack Haig zur Seite gestellt. Mit Dorian Godon kam zudem ein starker Puncheur von Decathlon – AG2R zum Team. Und nach Experimenten mit älteren Stars wie Caleb Ewan und Elia Viviani hat man mit Sam Welsford von Red Bull – Bora – hansgrohe einen neuen Sprinter an Bord geholt.

Oscar Onley soll zur Speerspitze der jungen Fahrer bei Ineos Grenadiers werden. | Foto: Cor Vos

Im Fokus: Magnus Sheffield

Sheffield ist auch in seinem sechsten Profijahr eines der großen Versprechen des US-Radsports. Der 23-Jährige konnte bisher schon einige Erfolge feiern: Direkt in seiner ersten Saison bei Ineos gewann er unter anderem den Pfeil von Brabant. Erst 2025 aber konnte Sheffield den ersten WorldTour-Sieg folgen lassen – auf der Schlussetappe von Paris-Nizza. Bei Sheffield wechseln sich sehr gute Ergebnisse mit schwächeren ab, zumindest was die Erwartungshaltung ihm gegenüber angeht. Nun ist es für den US-Amerikaner an der Zeit, konstant gute Ergebnisse einzufahren und zu dem Siegfahrer zu werden, als der er seit Jahren gehandelt wird.

Magnus Sheffield feierte bei der Schlussetappe von Paris-Nizza einen emotionalen Etappensieg. | Foto: Cor Vos

Das Aufgebot:

Thymen Arensman (Niederlande / 26), Andrew August (USA / 20), Egan Bernal (Kolumbien / 28), Laurens De Plus (Belgien / 30), Tobias Foss (Norwegen / 28), Filippo Ganna (Italien / 29), Dorian Godon (Frankreich / 29), Jack Haig (Australien / 32), Lucas Hamilton (Australien / 29), Kim Heiduk (Deutschland / 25), Bob Jungels (Luxemburg / 33), Michal Kwiatkowski (Polen / 35), Victor Langellotti (Monaco / 30), Axel Laurance (Frankreich / 24), Oscar Onley (Großbritannien / 23), Peter Oxenberg (Dänemark /20), Brandon Smith Rivera (Kolumbien / 29), Carlos Rodríguez (Spanien / 24), Óscar Rodríguez (Spanien / 30), Magnus Sheffield (USA / 23), Artem Shmidt (USA / 21), Embret Svestad-Bardseng (Norwegen / 23), Ben Swift (Großbritannien / 38), Connor Swift (Großbritannien / 30), Joshua Tarling (Großbritannien / 21), Ben Turner (Großbritannien / 26), Kévin Vauquelin (Frankreich / 24), Samuel Watson (Großbritannien / 23), Sam Welsford (Australien / 29),

Davon Neuzugänge:
Jack Haig (Bahrain Victorious), Dorian Godon (Decathlon – AG2R La Mondiale), Oscar Onley (Picnic – PostNL), Embret Svestad-Bardseng (Arkéa – B&B Hotels), Kévin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels), Sam Welsford (Red Bull – Bora – hansgrohe)

Teamleitung:
Manager: John Maxwell Allert
Sportdirektor: Scott Drawe/Geraint Thomas
Sportliche Leiter: Kurt Asle Arvesen, Leonardo Basso, Imanol Erviti, Christian Knees, Ian Stannard, Elia Viviani, Xabier Zandio

Material:
Rahmenhersteller: Pinarello
Gruppe: Shimano
Laufräder: Scope
Reifen: Continental
Trikot: Gobik
Helm: Kask

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