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09.10.2026 | (rsn) – Fünfmal in Folge hieß der Sieger der Lombardei-Rundfahrt (1.UWT) Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG). Ob in einem Sprint a deux oder nach einer seiner langen Solo-Attacken, ob das Ziel in Como oder in Bergamo lag – der Slowene war beim Rennen der fallenden Blätter nicht zu schlagen. 2026 ist der große Dominator nicht dabei, Il Lombardia wird den ersten neuen Sieger seit 2020, als Jakob Fuglsang als Erster ins Ziel kam, küren.
Auf der Suche nach dem Nachfolger kann man auf die Ergebnisliste der vergangenen beiden Jahre blicken. Dort steht hinter dem Namen des Slowenen jeweils Remco Evenepoel. Der Kapitän von Red Bull – Bora – hansgrohe gewann am Sonntag in Slowenien hauchzart das EM-Straßenrennen und ließ dann das Einzelzeitfahren aus, um sich optimal auf das letzte Monument des Radsport-Jahres vorzubereiten. Er geht als Favorit ins Rennen, aber nicht als alleiniger Topfavorit.
Schon 2020 wirkte der damals 20-Jährige wie der stärkste Fahrer im Rennen und Sowohl beim GP von Quebec (1.UWT) als auch beim EM-Rennen hieß der letzte Begleiter Giulio Ciccone (Lidl – Trek). Der Italiener feiert bei seinem Heimrennen seinen Abschied von der deutschen Equipe nach acht Jahren im Team. Sein bestes Ergebnis bei Il Lombardia war der dritte Platz 2024 – hinter Pogacar und Evenepoel. In Sencur fehlten ihm etwa drei bis vier Millimeter zum Sieg. Die Motivation, das Ergebnis gegen den Belgier umzudrehen, dürfte groß sein.
Zwei weitere Kandidaten zählen zum engeren Kreis der Topfavoriten – beide gingen bei der WM in Montreal leer aus: Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) und Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM). Der Mexikaner wäre im gleichen Team der “logische“ Nachfolger, der Erbe Pogacars. Bei seiner ersten Teilnahme im vergangenen Jahr wurde er als Edelhelfer des Slowenen Fünfter. Seixas wurde bei der gleichen Austragung Siebter. Die beiden Youngster duellierten sich zuletzt bei der WM-Generalprobe beim GP Montreal (1.UWT) – mit dem besseren Ende für Del Toro.
Der Franzose hat seit der WM kein Rennen mehr bestritten, Del Toro präsentierte sich bei Gran Piemonte (1.Pro) angriffslustig, wenn auch erfolglos. Der UAE-Profi gab selbst an, Knieprobleme zu haben. Inwiefern ihn das beeinträchtigt, wird sich am Ende der 240 Kilometer zwischen Bergamo und Como zeigen.
Die Teamstärke könnte für den Ausgang des Rennens eine entscheidende Rolle spielen – unter den Topfavoriten ist Decathlon nicht so stark besetzt wie die Teams der anderen Sieganwärter. Lidl – Trek hat neben Ciccone noch Ayuso als zweites Ass – wenn der Spanier am oberen Ende seines zuletzt sehr inkonstanten Leistungslevels agiert. Mit Bauke Mollema verabschiedet sich in Como ein ehemaliger Sieger des Rennens vom Radsport.
Die stärksten Teams vereinen Del Toro und Evenepoel hinter sich. UAE hat neben dem Mexikaner auch den frischgebackenen Weltmeister Brandon McNulty im Aufgebot, der mit Startnummer 1 ins Rennen gehen wird. Jan Christen, Felix Großschartner, Domen Novak, Pavel Sivakov und Adam Yates haben das Potenzial, dass UAE-Trikots sehr lange im Rennen prominent sichtbar sein können.
Auch bei Red Bull ist die Helferriege stark. Jai Hindley und Giulio Pellizzari können selbst ein gutes Ergebnis einfahren und dann ist da mit Primoz Roglic ein weiterer Fahrer, der sich von seinem bisherigen Arbeitgeber verabschieden wird. Der 36-Jährige feierte einen umjubelten Titel im EM-Zeitfahren und kann mit Rückenwind in sein letztes Rennen für den Raublinger Rennstall gehen. Visma – Lease a Bike hat keinen ausgemachten Topfavoriten in den eigenen Reihen, aber mit Matteo Jorgenson, Giro-dell-Emilia-Sieger Davide Piganzoli und Ben Tulett gleich drei aussichtsreiche Kandidaten. In Bologna landeten alle drei unter den ersten Fünf.
Zweiter beim Giro dell’Emilia wurde Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5). Auch der Brite kann beim Rennen der fallenden Blätter aufs Podium schielen. Nicht unterschlagen sollte man den Vuelta-Sieger Enric Mas (Movistar). Der Spanier hat bisher keine beeindruckende Bilanz bei Eintagesrennen vorzuweisen und scheint die Vuelta-Erschöpfung noch in den Beinen zu haben. Aber er wurde 2022 hinter Pogacar Zweiter und kann auf sein Selbstvertrauen und auf die Erfahrung von vor vier Jahren setzen.
Beim Tudor-Team steht der Drittplatzierte des vergangenen Jahres, Michael Storer, im Aufgebot. Der Australier zeigte aber bei Weitem nicht die Form des Vorjahres und so könnte die Kapitänsrolle einem anderen Tudor-Fahrer zufallen: Lennart Jasch. Der Neo-Profi gewann am vergangenen Sonntag die Tour de Langkawi (2.Pro) und reist so mit breiter Brust nach Norditalien. Das Land ist ein gutes Pflaster für den Ex-Eisschnellläufer – bei der Tour of the Alps (2.Pro) und beim Giro d’Abruzzo (2.1) war er in diesem Jahr schon erfolgreich. Ein gutes Ergebnis ist ihm zuzutrauen. Es ist allerdings auch sein erstes Monument und das längste Rennen seiner bisherigen Radsport-Karriere.
Sechs weitere Deutsche stehen in Como am Start, bei Tudor neben Jasch Florian Stork und Hannes Wilksch. Sie werden – wie auch Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché), Max Schachmann (Soudal – Quick-Step) und Jannis Peter (Unibet – Rose Rockets) vor allem mit Helferaufgaben betraut sein. Allerdings: Beim 120. Rennen der fallenden Blätter scheint dieses Mal vieles möglich zu sein. Die Abwesenheit Pogacars sorgt für die offenste Austragung der vergangenen Jahre – und es könnte, wie schon bei der WM, ein Überraschungsfahrer zum Nachfolger des Dominators werden. Die Chancen von Ciccone, Del Toro, Seixas
UAE, Red Bull und Visma mit den stärksten Teams
Jasch der aussichtsreichste deutsche Fahrer
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