Knees en tour

Blackout auf der Windkante

Von Christian Knees

17.07.2006  |  Noch immer leicht gehandicapt ging ich heute ins Rennen. Einen Sturz steckt man nämlich nicht so locker weg. Aber die Hand tat schon wesentlich weniger weh als gestern. Ich konnte wieder besser zupacken.

Trotzdem: Es lief nicht so richtig bei mir. Über den ersten Berg bin ich noch mit dem Feld drüber. Aber danach ging’s auf die Windkante und ich musste ein kleines Loch reißen lassen. Ich scherte aus, um den nächsten Fahrer vorbei zu lassen, damit der das Loch schließen konnte. Aber ich kam nicht mehr in die Reihe rein. Ich bin einfach durchgereicht worden und hatte dann am Ende des Feldes wieder ein Loch und konnte es einfach nicht zufahren. Ich muss einen totalen Blackout gehabt haben, denn so schlecht waren die Beine nicht.

Nach einer Weile lief es nämlich wieder ganz gut. Zusammen mit David Kopp, Gilberto Simoni und Riccardo Ricco bin ich die restlichen 140 Kilometer ins Ziel gefahren. Das hätten wir einfacher haben können. So mussten wir uns hinten richtig anstrengen, damit der Abstand nicht zu groß wurde und wir in der Karenz blieben.

Wenn man hinten in einer kleinen Gruppe fährt, denkt man sich: Mann, genau das hätten wir auch VOR dem Feld machen können. Dort zu fahren ist nämlich auch nicht anstrengender, dafür aber wesentlich angenehmer und erfolgversprechender…

Zumindest war mit David ein Landsmann in der Gruppe dabei, mit dem ich mich zwischendurch ein wenig unterhalten konnte. Das muss auch mal sein. Nach dem Ruhetag geht’s am Dienstag in die Alpen. Da will ich wieder eine bessere Rolle spielen. Ein Blackout in einem solchen Rennen reicht mir!

Christian Knees ist im Team Milram der Aufsteiger des Jahres. Der 25 Jahre alte Profi aus Bornheim bei Bonn etablierte sich im neuen ProTour-Team schnell als unentbehrlicher Helfer von Alessandro Petacchi und konnte im Frühjahr bei „Rund um Köln“ seinen ersten Profisieg feiern. Danach gab Knees sein erfolgreiches Debüt beim Giro d’Italia. Jetzt tritt „der Mann mit dem starken Motor“, wie ihn sein Teamchef Gianluigi Stanga nennt, auch bei der Tour de France erstmals an. Im Tagebuch für Radsport aktiv berichtet Christian Knees täglich über seine Erlebnisse beim größten Radrennen der Welt.

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