Belgier rechnet mit Contador ab

Bruyneel: Armstrong wollte aufgeben

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Astana-Teamchef Johan Bruyneel bei der Tour de France 2009

Foto: ROTH

27.10.2009  |  (rsn) – Das Comeback von Lance Armstrong hing nach dessen bei der Kastilien-Rundfahrt erlittenen Schlüsselbeinbruch offenbar am seidenen Faden. Wie Astana-Teamchef Johan Bruyneel in einem Interview mit dem belgischen Lifestyle-Magazin Humo sagte, sei Armstrong nach der Operation demotiviert gewesen und wollte aufgeben.

Er habe den siebenfachen Toursieger regelrecht zwingen müssen weiterzumachen und Armstrong an einen von dessen eigenen Aussprüchen erinnert: ‚Schmerz geht vorüber, aber eine Aufgabe ist für immer'“, sagte der Belgier, der auch in der kommenden Saison beim neuen US-Team RadioShack Armstrongs-Teamchef sein wird. Er habe keine Antwort erhalten, so Bruyneel, aber Armstrong habe wohl darüber nachgedacht und danach durchgezogen.

„Beim Giro lief wieder alles rund: In der letzten Wochen fuhr er auf ansteigendem Level“, sagte Bruyneel, der den 38 Jahre alten Texaner für dessen dritten Platz bei der Tour de France ausdrücklich lobte - „in der letzten Wochen habe ich einige Male den jungen Lance aufleuchten sehen“ - , Toursieger Alberto Contador dagegen heftig kritisierte. „Er war stärker, ohne Zweifel. Aber er behauptet nach wie vor, die Tour allein gewonnen zu haben“, so Bruyneel mit Blick auf die Spannungen im Team und den Kampf um die Kapitänsrolle. „Das ist vollkommen falsch: Ohne das Team hätte er nicht die Tour so überlegen gewonnen - vielleicht hätte er gewonnen, aber trotzdem… Er fing mit seiner ‚Solo-Tour’ an, zusammen mit seinem Bruder, der sein Mechaniker und Agent ist. Ich denke, das war traurig.“

Wegen der ständigen Konflikte sei klar gewesen, dass es in der neuen Saison zu keiner weiteren Zusammenarbeit kommen würde. Bruyneel, der offen bezweifelte, dass es Astana gelingen wird, die nötigen Unterlagen zur Erlangung der ProTour-Lizenz für 2010 vorzulegen, sprach von einer „professionellen Beziehung“, die er mit Contador gepflegt habe. „Es wandelte sich nie in eine echte Partnerschaft, wie mit Lance. Das hatte nichts mit dem Comeback zu tun, das war vorher schon so“, sagte der Belgier. „Zwischen uns gab es immer Spannungen. Ich weiß nicht, warum. Für uns beide ist es besser, getrennte Wege zu gehen. Vielleicht kommen wir später wieder zusammen, wenn er älter und weiser ist.“

Contador habe alle seine Entscheidungen angezweifelt – „die Rennplanung, die Taktik, die Auswahl der Fahrer“. Während die Teamleitung über viel Erfahrung verfüge, müsse Contador noch viel lernen, sagte Bruyneel, der als Ursache des Zerwürfnisses den kometenhaften Aufstieg des 26-Jährigen nannte: „Er ist in Spanien ein Held, ein Gott.“ Contador sei im Nu zum bestbezahlten Fahrer der Welt aufgestiegen. „Da fällt es schwer, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben.“

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