Schnappkas GP Chantal Biya-Tagebuch / Finale

Ganz Eritrea drückt uns nun die Daumen

Von Matthias Schnappka

Foto zu dem Text "Ganz Eritrea drückt uns nun die Daumen"
Mekseb Debesay (Bike Aid - Ride for Help) | Foto: Matthias Schnappka

10.11.2014  |  (rsn) - Heute berichte ich über die 3. Etappe (Zoetele – Meyomessala) und 4. Etappe Sangmelima – Yaoundi. Dabei muss ich die Chronologie der Berichte  etwas umstellen. Ich bitte auch vorab um Entschuldigung, wenn etwas zu viel des Eigenlobs mitschwingt. Aber wir sind nun einfach mächtig stolz auf unsere Leistung.

Wir sind mit dem Ziel nach Kamerun angereist, unseren Eritreer Mekseb Debesay noch die Chance offen zu halten, die UCI-Afrika Tour zu gewinnen. 47 Punkte hatte er vor dem Rennen Rückstand auf den führenden Mouhssine Lahsaini  aus Marokko. Aber nichts ist im Radsport schwieriger als ein gestecktes Ziel  zu erreichen, wenn die Konkurrenz dieses Vorhaben kennt und es verhindern will.

Die 4. Etappe sollte die bergigste werden. Zwar gibt es in Kamerun richtig hohe Gipfel. In der Region, in der wir unterwegs sind, zieht sich der Regenwald über sanfte Hügel quer über den Horizont. Die Straßenführung ist dagegen weniger sanft. Zwar mag kein Berg länger als einen Kilometer sein, aber die Straßen führen einfach geradeaus durch die Landschaft, ungeachtet der Topographie. Dies kennt man auch aus Australien oder den USA, wo die Straßen erst gebaut wurden, als man nicht mehr mit Kutschen fuhr. Motorisierten Fahrzeugen ist es  relativ egal, ob es sacht in Serpentinen bergauf geht oder einfach gerade aus.

Für Radfahrer und ihrer Beine ist das allerdings ein Alptraum. Vier Stunden lang fahren wir im Zwei-Minuten-Takt mit 60km/h bergab und anschließend mit 15km/h bergauf. Die Höhenmeter entsprechen nachher denen einer Hochgebirgsetappe, bei jeder neuen Rampe ist der Wille, wieder drüber zu drücken, etwas schwächer geworden.

Zurück zum Renngeschehen. Die 3. Etappe endete letztlich ja auch recht erfolgreich. Daniel Bichlmann verpasst mit Platz 2 knapp einen erneuten Sieg, Mekseb Debesay wird Etappensechster. Weiterhin liegen elf Fahrer innerhalb weniger Sekunden in der Gesamtwertung beisammen. Aber wie sollen wir da eine Situation herbeiführen, aus der heraus Mekseb tatsächlich Sekunden gut machen kann? Denn alle Fahrer sind wachsam, die Führenden neutralisieren sich ständig gegenseitig.

169 Kilometer haben wir also auf der letzten Etappe Zeit, unsere Chance zu suchen und zu nutzen. Unsere Kräfte..., naja, darüber habe ich ja schon gesprochen. Wir müssen jedes „Korn“ sparen. 100 Kilometer lang gibt es ein geordnetes Rennen, die kamerunische Mannschaft um das Gelbe Trikot tut das, was alle erwarten. Dann kommt eine Sprintwertung, eine Bergwertung, noch ein paar Rampen und plötzlich ist richtig Bewegung im Rennen. Wir haben Glück, aber Dank Daniel auch Verstand. Mehrmals schaffen wir es, Fahrer vor dem Feld zu platzieren, so dass die Konkurrenz nachfahren müssen.

Es ist die schwerste Stunde der Rundfahrt, jeder muss alles geben - aber es flutscht einfach. 15 Kilometer vor dem Ziel wartet wieder eine steile Rampe, alle wollen Luft holen. Mekseb tritt an, reißt ein Loch und ist weg, einfach weg. Alles weitere kann man sich denken, dennoch, wir freuen uns sehr darüber: Mekseb erreicht alleine das Ziel, Etappensieg und sogar genügend Vorsprung, um auch noch die Gesamtwertung zu gewinnen.

Damit nimmt er 48 UCI Punkte mit nach Hause, kann mit einem Punkt Vorsprung tatsächlich die Führung in der UCI-Afrika-Wertung übernehmen. Es tut uns leid für die Fahrer aus Kamerun, gerne hätten wir ihnen den Sieg gegönnt. Unser Ziel war es nicht, gegen Kamerun zu fahren, sondern für Mekseb in der Afrika Tour. Ziel unseres Teams ist es ja, afrikanische Fahrer zu fördern und uns hier nicht mit eigenen Erfolgen zu beweihräuchern.

Für uns deutsche Fahrer sind diese Rennen unglaubliche Erlebnisse, nicht immer einfach, aber in ihrer Bedeutung weit über den Radsport hinaus reichend. Mit der Zielsetzung unseres Projektes versuchen wir, uns zumindest etwas dafür zu revanchieren. Bereits im April konnten wir in Gestalt von Dan Craven die Afrika Tour anführen, leider scheint das Europcar zu gut gefallen zu haben. Wie konnten wir erwarten, dies nun ein zweites Mal zu schaffen? Im Hinblick auf unser Ziel wäre dies der größtmögliche Erfolg: Ein deutsches Team, das afrikanische Fahrer unterstützt, gewinnt im ersten Jahr mit einem Afrikaner die UCI-Afrika Tour.

Aber es steht noch ein weiteres Rennen an, die Tour de Rwanda. Also heißt es, weiter auf die Zähne beißen und nächste Woche mindestens den einen  Punkt Vorsprung zu verteidigen. Wir würden uns freuen, wenn der eine oder andere in Deutschland uns die Daumen drückt.

In Eritrea tut es fast ein ganzes Land.

Euer Matthias

Matthias Schnappka bestreitet mit dem deutschen Continental-Team Bike Aid - Ride for Help die durch Kamerun führende Rundfahrt GP Chantal Biya und berichtet davon in seinem Tagebuch auf radsport-news.com.

Weitere Radsportnachrichten

07.09.2026Radsport live im Stream, TV und Ticker: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker?In unserer Tagesvorschau informieren wir über die wicht

07.09.2026Eine seltene Chance für die Sprinter

(rsn) – Zu Beginn der Schlusswoche steht die erste echte Flachetappe an. Der Abschnitt liegt am westlichen Rand Spaniens. Von den Ausläufern der Sierra Morena führt die Strecke zum Kloster La Ráb

07.09.2026Schlusswoche spannend wie selten: Wer gewinnt die Vuelta?

(rsn) - Die Vuelta a Espana geht in ihre dritte Woche und der Kampf um den Gesamtsieg ist durch das Aus von Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) offen wie länger nicht. Enric Mas (Movistar) übernahm

07.09.2026Immer vorne mit dabei: KT-Teams überzeugen im Sauerland

(rsn) - Die Premiere der Sauerlandrundfahrt (2.2) bot den deutschen Kontinental-Teams die erhoffte Gelegenheit, sich bei einer internationalen Rundfahrt vor heimischem Publikum in Szene zu setzen. Auf

07.09.2026Van Aert und Brennan lassen Visma-Kasse klingeln

(rsn) – Mit fünf Tagessiegen aus 15 Etappen bei der Vuelta a Espana 2026 sitzt Visma – Lease a Bike nach der zweiten Woche auch an der Spitze der Geldrangliste. UAE – Emirates – XRG konnte se

07.09.2026Sütterlin kämpft gegen die Hitze und für einen Vertrag

(rsn) - "Halbwegs in Ordnung" - so bezeichnete Jasha Sütterlin (Jayco - AlUla) gegenüber RSN am Sonntag in Córdoba vor dem Ruhetag der Vuelta a Espana sein Befinden. In der Aussage steckte auch ma

07.09.2026Evenepoel und van Aert als Co-Kaptiäne zur WM

(rsn) – Zum ersten Mal seit 2023 stellt Belgien beim WM-Straßenrennen wieder die Doppelspitze aus Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – hansgrohe) und Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) auf. D

07.09.2026Zimmermann wechselt zu Lidl - Trek

(rsn) – Der Rennstall Lidl – Trek fährt seit dieser Saison nicht nur mit einer deutschen Lizenz, sondern sorgt auch für ein vermehrt deutschsprachiges Profil in der Mannschaft. Jüngstes Beispi

07.09.2026Quintana erhält WM-Abschied

(rsn) - In wenigen Worten zu vermelden, deshalb aber nicht weniger wichtig: In unserer Rubrik "Kurz gemeldet" fasst die Redaktion von radsport-news.com die Kurznachrichten des Tages aus der Welt des R

07.09.2026Nach der Tour hat die Hitze hat auch die Vuelta fest im Griff

(rsn) – Bei der Tour de France war die Hitze bereits ein - man verzeihe den Kalauer – Dauerbrenner. Bei der Vuelta a Espana sieht es nicht anders aus. Auf der Etappe nach Cordoba im sonnenverwöhn

07.09.2026 Lotto – Intemarché schnürt Transfer-Doppelpack

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

07.09.2026Eibl gewinnt Finale – Palm krönt sich zur Gesamtsiegerin

(rsn) - Nachdem sie sich am Vortag bereits den Titel der Deutschen Bergmeisterin gesichert hatte, setzte Ronja Eibl (Origine) beim Finallauf der Bundesliga in Bad Dürrheim noch einen weiteren Erfolg

RADRENNEN HEUTE

    WorldTour

  • Vuelta a Espana (2.UWT, ESP)
  • Radrennen Männer

  • Tour of Bulgaria (2.2, BUL)
  • Tour of Salalah (2.2, OMN)
  • Tour of Binzhou (2.1, CHN)