Ukrainerin von Astana-Acca Due O entlassen

Fall Solovey: Winokurow wollte Wechsel der Staatsbürgerschaft

Von Denis Trubetskoy

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Hanna Solovey von ihrem Astana-Acca Due O Team entlassen - über die Gründe gehen die Meinungen auseinander. | Foto: Cor Vos

18.06.2015  |  (rsn) - Es war tatsächlich eine große Überraschung, als das kasachische Astana-Acca Due O Team am späten Dienstag die Trennung von Hanna Solovey verkündete. Die 23-jährige Ukrainerin, Zweite im Einzelzeitfahren bei der WM 2014, war Ende des letzten Jahres als die neue Hoffnungsträgerin des kasachischen Frauen-Rennstalls vorgestellt worden. Doch die Idylle dauerte nur ein halbes Jahr lang. „Es tut uns leid, dass wir uns so entscheiden mussten, doch wir konnten die Situation nicht länger ertragen“, hieß es im Astana-Statement. Das „unprofessionelle Verhalten“ von Solovey wurde als Grund für die plötzliche Trennung genannt.

Der ukrainische Radsport-Verband CFU ist dagegen mit dieser Begründung alles andere als einverstanden. Schon am Mittwoch reagierte der CFU mit einem eigenen Statement, in dem Verbandspräsident Oleksandr Bashenko den Kasachen vorwirft, Solovey für die kasachische Nationalmannschaft abwerben zu wollen. Die ukrainische Seite ist der Meinung, Soloveys Ablehnung dieses Wunsches sei der Grund ihrer Entlassung.

„Der kasachische Verband und Alexander Winokurow persönlich haben mich mehrmals gebeten, Solovey für Kasachstan fahren zu lassen“, sagte Bashenko, der Ende Mai zum neuen Präsidenten des ukrainischen Verbandes gewählt worden war, und der mit dem umstrittenen Astana-Manager eng befreundet ist. Verschiedene Quellen im ukrainischen und im kasachischen Verband bestätigen, dass Bashenko und Winokurow sich zweimal, zuletzt im April, getroffen haben. Dabei wurde vor allem über Solovey gesprochen, doch die Ukraine hat das Angebot aus Kasachstan angeblich kategorisch abgelehnt.

Winokurow selbst schätzt die Situation anders ein. „Soweit ich weiß, wollte Solovey selbst die kasachische Staatsbürgerschaft annehmen. Am Ende hat es aber nicht geklappt, weil wir uns nicht einigen konnten. Auf jeden Fall ist das nicht der Grund, um uns auf diese Art und Weise voneinander zu verabschieden“, sagte der 41-Jährige Kasache gegenüber Astanafans.com.

Laut Winokurow gab es stattdessen andere Gründe, Solovey zu entlassen: Sie sei in diesem Jahr beispielsweise nur ein großes Rennen für Astana-Acca Due O gefahren. „Das ist einfach nicht normal. Solovey beantwortete keinerlei Briefe und hielt keinen Kontakt mit dem Team. Sie fuhr immer in die Ukraine und verbrachte dort die ganze Zeit“, meinte der Manager des Astana-Profiteams. „Stellung nehmen dazu sollten aber die Verantwortlichen von Astana-Acca Due O.“

Aus kaschischen Quellen heißt es, die Teilnahme Soloveys am Grand Prix Cycliste de Gatineau und dem Chrono Gatineau in Kanada am Anfang Juni sei der wahre Grund für die Entlassung. Die Ukrainerin und ihr dubioser Trainer Sergej Basin seien angeblich nach Kanada geflogen, ohne Astana-Acca Due O darüber zu informieren. Auch der Start beim Race Horizon Park in Kiew sei angeblich nicht mit dem Team abgestimmt gewesen. Dazu war Astana nicht mit dem großen Einfluss von Sergej Basin einverstanden, der Solovey auch vor deren positiven Dopingprobe im Jahr 2011 betreute.

Der ukrainische Verband ist dagegen davon überzeugt, dass dieses Argument von den Kasachen nur als Vorlage für die bereits gefallene Entscheidung genutzt wurde. „Hanna Solovey ist das echte Gesicht des ukrainischen Radsports, ein großes Talent und ein richtiger Medaillenkandidat für die nächsten Olympischen Spiele. Wir sind sehr empört über das Verhalten von Astana-Acca Due O“, sagte Bashenko, der Solovey auch viel Glück für die Europaspiele in Baku wünschte. Nicht vergeblich: Im Einzelzeitfahren holte die Ukrainerin eine Silbermedaille.

Soloveys Zukunft bleibt trotzdem völlig offen. Mit ihrer Dopingvergangenheit (sie war positiv auf Steroide getestet und wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt worden, d. Red.) und dem aktuellen Skandal könnte sie Probleme bei der Teamsuche haben. Und die freundlichen Beziehungen zwischen dem ukrainischen und dem kasachischen Verband scheinen der Vergangenheit anzugehören.

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