Dominik Roels-Tagebuch aus dem Senegal

Es hagelte Glückwünsche und Anerkennung

Von Dominik Roels

Foto zu dem Text "Es hagelte Glückwünsche und Anerkennung"
Dominik Roels | Foto: Team EmbracetheWorld Cycling

01.05.2016  |  (rsn) - Es ist jetzt etwa 7 Uhr Ortszeit. Sonntag früh am Morgen. Das sollte doch die Richtige Zeit sein den ganzen Aufenthalt hier im Senegal Revue passieren zu lassen. Gestern war auch wieder ein ereignisreicher Tag. (rsn) - Hoffentlich zum vorerst letzten Mal hieß es im Dunklen raus aus den Federn. Und das ohne mein eingeweichtes Müsli eher dürftige Frühstück einnehmen.

Erstaunlich pünktlich hieß es dann: „vite vite, der Bus ist da.“ Also fing ich an meine Sachen zu packen. Ja richtig, da wir uns ja der afrikanischen Zeitrechnung langsam angepasst haben, standen wir nicht um 6:30 parat. Also Zack rein in den Bus. Am nächsten Hotel waren die Marokkaner wahrlich schon abholbereit. Am darauffolgenden gab es noch einiges an Stress, da die Busse und wenigen verbleibenden PKWs bis auf den letzten Platz belegt werden mussten. Also schrie unsere liebe Schreihälsin noch etwas herum bis alles passte.


Eine wichtige Sache musste ich vor dem Rennen noch erledigen… Doch auf dieser „Prachtstraße“ war weit und Brit kein Café oder Restaurant zu sehen. Also fragte ich die Menschen und wurde glücklicherweise in ein stilles Örtchen eines Büros gelassen. Am Start wurden wir dann noch einmal aufgeklärt, dass es noch vier Sprintwertungen geben würde. Da klingelte es in meinem Hinterköpfchen. Gestern sah ich nämlich, dass es noch gut möglich wäre vom 4ten auf den 2ten Platz der Punktwertung zu fahren. Mit dieser größeren Anzahl an Wertungen wäre das grüne Trikot aber auch theoretisch noch möglich. In der Teambesprechung bat ich vor allem in den ersten 10 Runden für Unterstützung beim „Gespringe“. Das erledigten Fred und Benni auch vortrefflich.

Ich merkte schon bald, dass die Algerier auf solch einem Rundkurs nicht so gut klar kamen. Da sie (die Nr. 21 oder „the Knielingguy“-dessen Knie immerzu bedeckt sind, ganz besonders) mich jedoch gut bewachten war eine Flucht ohne sie eine Schwierige Angelegenheit. Noch vor der Hälfte des Rennens fand ich mich dann ein einem Grüppchen mit einem Algerier. Dieser übernahm (natürlich) nicht die Führung. So entschied ich mich die Kurven zügig zu fahren und mit einem kräftigen Antritt zu versuchen ihn abzuschütteln… Gedacht getan. Nach der dritten Kurve war er weg. Zu ihm schloss noch ein starker Belgier auf. Ich hielt eine Weile etwa eine Kreiselumfahrung Vorsprung (schätzungsweise 12-15 sec). Dann bekam der Belgier jedoch leider (Glück für mich) einen Platten.

So baute ich meinen Vorsprung stetig aus, überrundete einen Großteil des Feldes und kam mit mehr als einer Minute Vorsprung ins Ziel. Es hagelte Glückwünsche und Anerkennungen und ich konnte mich in die Reihe der Etappensieger einreihen, die alle mal eine Trophäe bekommen sollten. Danach wurden dann die Trikots geehrt. Jetzt war ich selbst wirklich überrascht, dass mein Name ein weiteres Mal aufgerufen wurde! Wahnsinn, es hatte geklappt. Und so bekam ich vom senegalesischen Sportminister das grüne Trikot überreicht.

So sollte es jetzt also mit weiteren 5Kg Margarine, 5Kg Schokoaufstrich und zwei Pokalen ins Hotel zur wohlverdienten Dusche und bestenfalls einer kühlen Gazelle (Bier) gehen. Es kam jedoch ganz anders. Da lobte man im ja komplett auf Französisch gegebenen Interview noch, dass die Orga vom Tag zu Tag besser geworden sei, und jetzt….

Fuhren mit dem Bus erst einige andere Teams zu ihrer Bleibe im Olympischen Schwimmzentrum. Jetzt ging es für uns, das hatte sich schon herumgesprochen, nichts ins Magic Land, wie vor der Rundfahrt, sondern zusammen mit den Sossenheimer Kollegen und den Kongolesen, die wohl vor der Rundfahrt auch dort waren, zu einem „Hotel“ in einer belebten Vorortstraße Dakars. Von einem Hotel war nichts zu sehen. Also auch keine Rezeption, keine Zimmerschlüssel… Unsere Gepäckstücke räumten wir in den Hauseingang, wohinter wir mittlerweile Appartements vermuteten.

Zunächst saßen wir wie die 8 Chinesen ohne Kontrabass auf der Straße im belebten Verkehr, wo sich die Abgasgerüche mit denen der Fischabfälle vom gegenüberliegenden Markt vermischten. Ob meiner spannenden (Karl May) Lektüre war ich doch an sich sehr entspannt. Irgendwann setzte ich mich dann mit einigen Sossenheimern auf die Treppe im Eingangsbereich des Hauses. War mussten ständig Leuten Platz machen … aber wo sollten wir hin? Es wurde mittlerweile wohl telefonisch mit der Orga Kontakt aufgenommen. Für mich aber hieß es eh warten, lesen gedulden.

Bald kam ein Mann in weißem Gewand aus einer Wohnung in der Parterre, um im oberen Geschoss zu essen. Er bot uns kurzer Hand an sich zu seinen Leuten ins Wohnzimmer zu setzen. Ich war sehr froh um einen Platz auf der Couch. Der Herr selbst reiste bald ab. Doch es schien in Ordnung, dass wir (es wurden ja immer mehr Leute von uns die von der Straße herein kamen) dort blieben, mit der Haushälterin und einem Mann, mit dem kaum Kommunikation möglich war.

Irgendwann, es waren einige Stunden vergangen, tauchte jemand von der Orga auf. Es wurde dann sogar etwas zu essen organisiert. Doch Schlüssel für eine Bleibe – Fehlanzeige. Dann hieß es ein Teil von uns würde einen Kilometer die Straße runter untergebracht. Ich wollte lieber auf der Couch bleiben.

Draußen war es mittlerweile dunkel (also etwa 8 Uhr – der Zieleinlauf hatte gegen 12 stattgefunden). Ich, immer noch in Radmontur gekleidet, gab erst Auskunft, wo er das Team von Sossenheim finden könnte, denen er das Preisgeld auszahlen wollte. Ich dachte noch, die wären zusammen mit unseren Jungs untergebracht. Bei Micha war er aber wohl schon. Jetzt machte ich den Präsidenten noch mal drauf aufmerksam, dass ich immer noch kein Zimmer hatte. Da wurde er ein wenig aufgebracht und kommandierte einen Mitarbeiter sich doch schleunigst um uns zu kümmern (wow nur 8 Stunden und schon eine Unterkunft in Sicht). Dort angekommen also die ersehnte Dusche.

Immerhin gab es in einem der zwei Badezimmer auch eine die funktionierte. Diese leuchteten wir dann noch mit einer Stirnlampe aus (Licht in diesem Bad- Fehlanzeige) Als alle geduscht waren wurden wir auch schon zum Essen abgeholt. Wir wurden zu einem Imbissrestaurant gefahren.

Müde zurück im Appartement war ich doch ein wenig traurig immer noch kein (Sieger) Bier bekommen zu haben. Ich durchstöbert nochmals die Küche… und siehe da es gab noch eine Dose Heineken, die wie uns dann feierlich zu viert teilten! Der gestrige Tag und die ganze Rundfahrt war wirklich eine tolle Erfahrung.

Dank gutem Lesestoff und wachsender Gelassenheit haben mich die African experiences nicht besonders auf die Palme gebracht. Auch das super Team hier hat dazu beigetragen, dass diesen Trip als durchweg positiv in Erinnerung halten werde. Trotz allem freue ich mich jetzt doch wieder sehr zu Freunden, Freundin und Familie ins deutsch-effiziente Kölle am Ring zurück zu kehren.

Das leider für eine UCI Rundfahrt recht knapp bemessene Preisgeld, wird gleich aufgeteilt. Es wird leider bei weitem nicht reichen unsere Reisekosten zu decken. Daher auch hier noch mal der Aufruf: SPONSOREN MELDET EUCH wenn ihr uns noch mehr mit Rad und (guter) Tat um die Welt verfolgen wollt. Auch unsere Filmcrew Fabi und Moritz (Firmenname: Embrace the World Film) würde sich über Weiterempfehlung und viele neue Aufträge freuen - oder vielleicht sogar eine Spende, wenn euch der hoffentlich bald erscheinende Senegal Film gefällt.

Also hat Spaß gemacht hier zu berichten. Wie gesagt ihr könnt gern auf meiner FB Atletenseite mich animieren noch mehr zu erzählen… bzw. in Kommunikation treten… Und freut euch auf die Fotos und Videos auf Embracetheworldcycling.com oder unserer FB- Seite!

Schönen Tag
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Dominik Roels

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