Verdacht auf Schlüsselbeinbruch bei Kennaugh

Alaphilippe glänzt in Kalifornien mit Geduld und starkem Punch

Von Felix Mattis aus Santa Barbara

Foto zu dem Text "Alaphilippe glänzt in Kalifornien mit Geduld und starkem Punch"
Julian Alaphilippe (Etixx-Quick-Step) gewinnt an der Gibraltar Road. | Foto: Cor Vos

18.05.2016  |  (rsn) - Bergankünfte bei der Kalifornien-Rundfahrt sind eine Sache für Julian Alaphilippe (Etixx-Quick-Step). Der 23-jährige Franzose hat seinem Vorjahressieg vom Mount Baldy nun am Rande von Santa Barbara einen weiteren Klettererfolg hinzugefügt. Alaphilippe bezwang am Ende der 3. Etappe an der zwölf Kilometer langen und im Schnitt acht Prozent steilen Gibraltar Road Peter Stetina (Trek-Segafredo) im Kampf um den Tagessieg und sicherte sich wie 2015 am Mount Baldy das Gelbe Trikot der 11. Amgen Tour of California.

"Ich bin wirklich happy, aber morgen ist ein neuer Tag", sagte Alaphilippe nach 167,5 Kilometern zwischen Thousand Oaks und Santa Barbara angesichts seiner Gesamtsiegs-Chancen. 2015 musste er das Gelbe Trikot am Schlusstag aufgrund von Zeitbonifikationen um drei Sekunden an Peter Sagan abgeben. "Es ist diesmal für mich etwas anders als letztes Jahr, denn ich habe nach den Klassikern eine Pause eingelegt und mich nicht wirklich fürs Klassement hier vorbereitet", so der Franzose. "Ich schaue von Tag zu Tag - heute war ein guter für mich, aber ich war überrascht zu gewinnen."

Alaphilippe wartete im schweren Schlussanstieg hinauf zur 1.060 Meter hoch gelegenen Bergankunft lange, bis er auf dem letzten Kilometer die Favoritengruppe hinter sich ließ, zum vorher bereits enteilten Stetina aufschloss und auch ihn schließlich mit einem zweiten Antritt stehen ließ. "Letztes Jahr bin ich bei der Bergankunft am Mount Baldy vier Kilometer vor dem Ziel losgefahren und es war schrecklich. Diesmal wollte ich so lange wie möglich warten", erklärte der für seine explosiven Antritte am Berg bekannte Franzose.

Die Taktik ging auf, denn Stetina konnte auf den letzten 500 Metern nicht mehr folgen. Doch auch der US-Amerikaner war zufrieden mit dem Ausgang der Etappe. Stetina verlor zwar 15 Sekunden auf Alaphilippe, machte auf alle anderen Gesamtsiegskandidaten aber Boden gut. "Ich wusste, dass ich auf die Zeitfahrspezialisten Zeit herausholen musste und wollte nicht bis zur richtigen Explosion der Gruppe warten, denn ich bin eher ein gleichmäßiger Kletterer, niemand mit einem Punch wie Julian", so der 28-Jährige.

4,5 Kilometer vor dem Ziel hatte er gemeinsam mit Lachlan Morton (Jelly Belly) aus der Favoritengruppe heraus attackiert, um zum bis dahin Führenden 19-jährigen Neilson Powless (Axeon Hagens Berman) aufzuschließen. Das Trio blieb bis kurz vor der 2.000-Meter-Marke beisammen, wo Stetina das Tempo noch einmal erhöhte und zum Solo ansetzte. "Unglücklicherweise reichte meine Kraft 700 Meter zu kurz, aber ich musste so fahren, um die besten Chancen auf den Sieg und für den Rest der Woche zu haben", meinte der Trek-Kapitän.

Hinter Alaphilippe und Stetina fuhr der Neuseeländer George Bennett (LottoNL-Jumbo) mit 25 Sekunden Rückstand auf Rang drei, Brent Bookwalter (BMC) wurde 27 Sekunden nach Alaphilippe Tagesvierter und Youngster Powless beeindruckte mit 30 Sekunden Rückstand als Fünfter. Der 19-jährige Ex-Mountainbiker war an der Gibraltar Road der Held der US-Fans. Schon zehn Kilometer vor dem Ziel setzte er sich gemeinsam mit dem Schweizer Meister Danilo Wyss (BMC) aus dem immer kleiner werdenden Hauptfeld ab - aus Versehen!

"Ich wusste gar nicht, dass ich Vorsprung hatte, bis es vielleicht 30 Meter waren. Da habe ich mich umgedreht und es festgestellt", so Powless, der einfach nur dem Tempo von Wyss gefolgt war. Auch der Schweizer hatte gar nicht beabsichtigt zu attackieren, sondern wollte lediglich für seine BMC-Kapitäne Bookwalter und Rohan Dennis das Tempo hochhalten. Doch während er sich aufrichtete und wartete, als er die Lücke bemerkte, zog Powless weiter durch und fuhr die folgenden sechs Kilometer alleine mit bis zu 15 Sekunden Vorsprung vor den Favoriten her.

Im Finale wurde er zwar noch von vier Kontrahenten übertrumpft, doch der jüngste Mann des Pelotons belohnte sich trotzdem mit dem Weißen Trikot und geht am Mittwoch als Gesamtfünfter in die 4. Etappe - 40 Sekunden hinter dem Gelben Trikot von Alaphilippe.

Vor dem erstmals in der Geschichte der Kalifornien-Rundfahrt angefahrenen Schlussanstieg von der Küstenstadt Santa Barbara hinauf ins bergige Hinterland hatte zunächst eine siebenköpfige Spitzengruppe um Julian Arredondo (Trek-Segafredo) das Rennen bestimmt. Die Ausreißer aber wurden allesamt auf den ersten zwei Kilometern des Schlussanstiegs wieder eingeholt.

Nicht mehr mit von der Partie war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits der Britische Meister Peter Kennaugh (Sky). Der Mitfavorit auf den Gesamtsieg stürzte während der Etappe und musste das Rennen mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch aufgeben. Für das Team Sky nach dem krankheitsbedingten Aus von Mikel Landa beim Giro d'Italia bereits der zweite Tiefschlag innerhalb eines Tages.

Die Amgen Tour of California geht am Mittwoch mit einer weitgehend flachen Etappe auf dem Highway 1 direkt an der Pazifikküste weiter, die im Finale allerdings zwei Bergwertungen der 3. und 2. Kategorie beinhaltet und schließlich auf der Motorsport-Rennstrecke Laguna Seca endet.

Jens Voigts Analyse und Vorschau:

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine