Niederländer bezwingt Greipel zum Tour-Finale

Groenewegen beendet auf den Champs-Élysees die deutsche Serie

Foto zu dem Text "Groenewegen beendet auf den Champs-Élysees die deutsche Serie"
Dylan groenewegen (LottoNL-JUmbo) gewinnt die Schlussetappe der 104. Tour de France. | Foto: Cor Vos

23.07.2017  |  (rsn) - In den vergangenen vier Jahren gewann immer ein deutscher Sprinter zum Abschluss der Tour de France auf den Champs-Élysées. 2013 und 2014 war es Marcel Kittel, in den letzten beiden Jahren holte sich André Greipel jeweils den Sieg auf dem Prachtboulevard der französischen Hauptstadt. Zum Abschluss der 104. Frankreich-Rundfahrt aber beendete der junge Niederländer Dylan Groenewegen (LottoNL-Jumbo) die deutsche Serie.

Im Finale der 103 Kilometer langen 21. Etappe von Montgeron nach Paris ließ der 24-jährige Groenewegen in einem langgezogenen Sprint von der Spitze weg den Konkurrenten keine Chance und feierte den bisher größten Erfolg seiner Laufbahn. Dem elf Jahre älteren Greipel, der seinen Sprint vom Hinterrad des Norwegers Edvald Boasson Hagen (Dimension Data) zu spät begann, blieb nur der zweite Platz, womit der Hürther erstmals seinem Debüt 2011 ohne einen einzigen Tour-Tageserfolg bleibt. Rang drei ging an Boasson Hagen, gefolgt vom Franzosen Nacer Bouhanni (Cofidis) und dem Norweger Alexander Kristoff (Katusha-Alpecin), zwei weiteren Enttäuschten dieser Frankreich-Frankreich-Rundfahrt.

Dagegen nutzte Groenewegen die volle Unterstützung seines arg reduzierten Teams, um LottoNL-Jumbo den zweiten Etappensieg der Tour 2017 zu bescheren, nachdem Primoz Roglic bereits die 17. Etappe gewonnen hatte. “Das ist ein toller Ort für die Sprinter. Auf den Champs Elysées zu gewinnen, macht es zu einem perfekten Tag. Wir sind im Team nur noch zu fünft, aber das hat heute gereicht“, freute sich der Sprinter, nachdem er seine zweite Tour zu einem grandiosen Abschluss gebracht hatte. "Robert Wagner hat mich heute perfekt aus dem Wind gehalten. Ich bin an zweiter Position um die letzte Kurve und dann hörte ich über Funk nur noch: Go!!. Der Sprint schien ewig zu dauern, aber so wollte ich es auch. Endlich konnte ich einmal voll sprinten.“

Dagegen war Greipel tief enttäuscht über die verpasste letzte Chance auf den angestrebten Tagessieg. “Ich wollte hier und heute gewinnen, das hat nicht geklappt. Nah dran ist nicht gewonnen“, sagte er im Ziel und fügte selbstkritisch an: „Vielleicht hätte ich früher losfahren müssen. Aber so ist es nun mal. Glückwunsch an Groenewegen. Er hat einen langen Sprint von vorne im Wind gefahren und ihn zu Ende gebracht, das war schon stark. Ich bin mit dieser Tour nicht ganz zufrieden, auch die Mannschaft ist nicht zufrieden. Wir hätten schon gerne eine Etappe gewonnen!”

Zwar ebenfalls ohne Etappensieg, dafür mit dem vierten Gelben Trikot seiner Karriere kehrt dagegen Chris Froome (Sky) nach Hause zurück. Der 32-jährige Brite verbrachte einen entspannten Tag im Peloton und zeigte sich mit seinem überragenden Sky-Team auch im schnellen Finale auf dem Rundkurs immer auf der Höhe. Froome sicherte sich seinen dritten Gesamtsieg in Folge mit 54 Sekunden Vorsprung gegenüber dem Kolumbianer Rigoberto Uran (Cannondale-Drapac). Dritter wurde der Franzose Romain Bardet (AG2R/+2:20), gefolgt von Froomes spanischem Teamkollegen Mikel Landa (+2:21). Rang fünf ging an den italienischen Meister Fabio Aru (Astana/+3:05). Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe/+33:21) beendete die Tour als bester deutscher Profi auf Platz 15.

"Jeder meiner Siege ist einzigartig. An diesen werde ich mich als den engsten und am härtesten umkämpften erinnern“, strahlte der Titelverteidiger, der jetzt nur noch einen Erfolg vom Tour-Rekord entfernt ist und bereits jetzt den Angriff auf das fünfte Gelbe Trikot ankündigte: "Es ist eine riesige Ehre, in einem Atemzug mit Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Bernard Hinault und Miguel Indurain genannt zu werden. Es ist etwas ganz Besonderes, dass ich nächstes Jahr den Rekord einstellen kann.“

Auf der Schlussetappe der 104. Frankreich-Rundfahrt, die in Montgeron begann, wo am 1. Juli 1903 vor dem Café Reveil Matin die erste Tour de France gestartet wurde, wurde es nach dem Schaulaufen der ersten 48 Kilometer ernst, als das Feld nach dem Start auf den auf den sieben Kilometer langen Rundkurs in Paris einbogen, der acht Mal durchfahren werden musste.

Sofort zog Daryl Impey (Orica-Scott) davon und initiierte die Ausreißergruppe des Tages, der neben dem Südafrikaner, in Marseille Fünfter des Zeitfahrens noch der Franzose Sylvain Chavanel (Direct Energie), der Belgier Julien Vermote (Quick-Step Floors), der Kasache Alexey Lutsenko (Astana), , der Schweizer Michael Schär (BMC), der Spanier Imanol Erviti (Movistar), der Neuseeländer Dion Smith (Dimension Data) sowie die beiden Deutschen Marcus Burghardt (Bora-hansgrohe) und Nils Politt (Katusha-Alpecin) angehörten.

Bei kurzzeitigem Regen kam die Gruppe zwar nie auf mehr als eine halbe Minute vom Feld weg, in dem die Sprinterteams Lotto Soudal, Sunweb, Dimension Data, Bora-hansgrohe, Cofidis und LottoNL-Jumbo bei einem Schnitt von mehr als 50 km/h den Ton angaben. Doch bis zur vorletzten Runde verteidigten die Ausreißer ihren knappen Vorsprung zäh. Es war dann Tony Martin (Katusha-Alpecin), der aus dem Feld heraus attackierte und dieses hinter sich her zur Spitzengruppe zog, die knapp zehn Kilometer vor dem Ziel gestellt war.

Eingangs der letzten Runde ging Dimitri Gruzdev (Astana) in die Offensive, doch es war Zdenek Stybar (Quick-Step Floors), der mit seiner Konterattacke die Sprinter nochmals ins Schwitzen brachte und der sich immerhin drei Kilometer lang vorne hielt. Doch die Verfolger fingen auch den Tschechen wieder ein. Im Finale war Greipel dann vermeintlich aussichtsreich an etwa fünfter Stelle positioniert, als es knapp 500 Meter vor dem Ziel durch die letzte Kurve ging.

Doch Groenewegen zog trotz Gegenwinds schon früh seinen Sprint an, als vor ihm Kristoffs Anfahrer ausscherte. Entlang der Streckenbegrenzung jagte der Teamkollege von Robert Wagner dem Ziel entgegen, wogegen Greipel zu spät antrat und mit enorm hoher Endgeschwindigkeit zwar noch an Kristoff und Boasson Hagen vorbeizog, aber Groenewegen nicht mehr stellen konnte.
Weiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößernWeiteres Foto - mit Klick vergrößern
RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine