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09.07.2026 | (rsn) – Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der verbotenen Fahrposition. Schon mehrfach wurde es gesichtet. Jan-Willem van Schip (Azerion - Villa Valkenburg) wurde es in Griechenland zum Verhängnis, Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) verlief die Begegnung in Belgien glimpflicher. In Frankreich hatte nun auf der 6. Etappe der Tour de France 2026 auch Bart Artz (Lotto – Intermarché) eine Begegnung der besonderen Art.
Der Niederländer fuhr gemeinsam mit Mads Pedersen (Lidl – Trek) und Victor Campenaerts (Visma – Lease a Bike) vor dem Feld. Er hatte allerdings auf eine größere Gruppe gehofft. “Doch letztlich wollten sich nur wenige Fahrer voll einbringen. Da Pedersen vorne war, war klar, dass er bis zum Zwischensprint alles geben und danach nicht weiter forcieren würde“, schilderte Artz gegenüber dem TV-Sender NOS die unerfreuliche Situation, in die er geraten war.
Das Peloton hielt das Trio an der kurzen Leine. “Wir hatten Gegenwind und mussten richtig Druck machen, um den Vorsprung zu halten. Angesichts der noch bevorstehenden 4.000 Höhenmeter gab es für mich keinen Grund, vorne zu fahren“, resignierte Artz. Doch es kam noch viel schlimmer. “Dann erhielt ich unterwegs drei Verwarnungen. Aber wofür?! Das wollte ich unbedingt wissen“, erinnerte sich der Tour-Debütant. Es ging – wie schon öfter dieses Jahr – um eine verbotene Fahrposition.
“Nach der ersten Verwarnung ist man natürlich wachsam. Ich fuhr auf eine Weise, die ich für akzeptabel hielt – so wie es auch Campenaerts tut –, und die Kommissäre sagten nichts. Nach der zweiten Verwarnung war ich dann überrascht“, blickte er zurück. “Hier dabei zu sein, ist ein wahr gewordener Kindheitstraum; ich hatte also absolut nicht vor, die Grenzen des Reglements auszureizen. Nach der zweiten Verwarnung achtete ich penibel darauf, die Hände am Lenkerbogen zu lassen“, versicherte er.
Doch alle Achtsamkeit half nichts. “Dann bekam ich eine dritte Verwarnung und suchte das Gespräch mit den Kommissären, um eine Erklärung zu erhalten. Ich wollte genau wissen, worin das Problem bestand. Eine vollständige Erklärung habe ich bis jetzt nicht bekommen“, ärgerte sich der 24-Jährige.
Und damit klang Artz ähnlich wie sein Landsmann van Schip, der sogar mit Teamverantwortlichen vor Rennen bei Rennkommissären aufschlug, um aus Unsicherheit vorab die richtige Haltung abzusprechen. Als er trotzdem wieder disqualifiziert wurde, eskalierte van Schip aber aus Verzweiflung die Situation. Bis heute wisse er nicht, was er falsch gemacht habe. Auch Artz tastet weiter im Dunkeln, blieb aber besonnen, allerdings äußerst frustriert.
“Während des Rennens hieß es, ich dürfe die Brust nicht auf dem Lenker ablegen, obwohl meine Hände weiterhin am Lenker waren. Es ist frustrierend, wenn man wirklich nicht weiß, was man falsch gemacht hat. Also ließ ich mich ins Hauptfeld zurückfallen, um weiteren Ärger zu vermeiden“, erzählte der Lotto-Fahrer. Das war 148 Kilometer vor dem Ziel und hatte natürlich keinerlei Auswirkung auf die Rennentscheidung. Trotzdem gibt es offensichtlich Erklärungssbedarf.
Drei Kilometer, nachdem Artz eingeholt wurde, war Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) an der Spitze des Feldes zu sehen. Der Italiener hatte die Unterarme deutlich auf dem Lenker aufgelegt. Jene verbotene Haltung also, die van Schip und wohl auch Artz zum Verhängnis geworden war. Eine Strafe oder Verwarnung gab es dafür nicht. Überhaupt scheint die Sanktionierung eher willkürlich, denn die monierte Fahrposition ist zwar einerseits offiziell verboten, andererseits aber auch alltäglich. Der zweimalige Zeitfahrweltmeister Ganna kam straffrei davon, Artz dagegen wurde dreimal verwarnt und van Schip sogar disqualifiziert. Für eine andere verbotene Sitzposition, die “Puppy Paws“, wurdne gegen van der Breggen eine Gelbe Karte gezeigt und 15 UCI-Punkte abgezogen.
So herrscht in den Radsport-Feldern derzeit einige Verwirrung. “Wenn möglich, würde ich gerne mit ihnen (den Kommissären) darüber sprechen“, gab Artz zu Protokoll. Der U23-Europameister von 2024 erreichte das Ziel der 6. Tour-Etappe letztendlich als 89. – was deutlich besser ist als das "DSQ", das van Schip in Griechenland vor seinem Namen stehen hatte. Sein wahr gewordener Kindheitstraum kann also weitergehen.
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