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15.07.2026 | (rsn) – Zehnter, 18. und 24. – die Ausbeute der deutschen Sprinter auf der 11. Etappe der Tour de France 2026 (2.UWT) in Nevers war ernüchternd. Am Ende des schnellsten Massenstart-Teilstücks in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt konnten weder Pascal Ackermann (Jayco – AlUla / 10.) noch der bei dieser Tour bisher so starke Max Kanter (XDS – Astana / 18.) und auch nicht Phil Bauhaus (Bahrain Victorious / 24.) glücklich sein.
Als radsport-news.com mit den anderen deutschen Medienvertretern am Bus von Jayco – AlUla ankam, saß Ackermann auf einem Campinghocker und hatte ein in Eiswasser getränktes Handtuch über dem Kopf. Der 32-Jährige ging sicher auch das Finale für sich nochmal durch, vor allem aber dürfte es dabei um Kühlung gegangen sein, nicht ums Verstecken vor der Außenwelt. Denn als er aufstand, stellte sich der ehemalige Deutsche Meister auch den Interviewfragen.
"Ich habe eigentlich erstmal gesagt, ich bleibe hinter Uno-X, weil Waerenskjold einfach ein perfekter Leadout-Mann ist - und normal geht er früh", sagte Ackermann dann und deutete damit bereits an, wie bitter das Sprint-Finale für ihn ausgegangen war. Denn ausgerechnet dieser Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility) gewann die Etappe mit einem langen Sprint über die letzten knapp 400 Meter. Wäre Ackermann da am Rad geblieben und dem Norweger im Windschatten gefolgt, wie er es vor hatte... man mag den Satz kaum vollenden. ___STEADY_PAYWALL___
"Aber ich habe mich ein bisschen irritieren lassen, weil ich dann auch bei Merlier am Rad war und dann sind die losgefahren und ich dachte, jetzt muss ich auch los. Aber es war noch viel zu lange", erzählte er. Tatsächlich saß Ackermann, der bei dieser Tour ohne eigenes Leadout auskommen muss und sich in den Finals solo durchschlägt, bis zu einer Rechtskurve 1,5 Kilometer vor Schluss am Hinterrad des späteren Siegers.
Am Start der 11. Tour-Etappe zeigte sich Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) im Interview noch zuversichtlich. Das Finale lief dann nicht nach Wunsch des Pfälzers. | Foto: Cor Vos
Dann aber wurde er in der Kurve an ihm vorbeigespült und Ackerman fand sich plötzlich an Merliers Rad wieder – dem Sieger der letzten beiden Massensprints. Klar, dass er dem Belgier dann folgte. Doch als die letzten 600 Meter erreicht wurden, gingen den Sprintern plötzlich die Anfahrer aus, das Tempo wurde verschleppt, 500 Meter vor Schluss ging eine Wellte nach links durchs Feld – und plötzlich schoss rechts durch eine Lücke Waerenskjold an allen vorbei, riss eine Lücke, spurtete am kurz zuvor enteilten Cees Bol (Decathlon – CMA CGM) vorbei und dem Sieg entgegen.
Ackermann reagierte in der Mitte am schnellsten, ging sofort in den Wind und versuchte Waerenskjold nachzujagen. Dabei aber schien ihm die Kraft auszugehen und auf den letzten 100 Metern kamen links und rechts noch zahlreiche Kontrahenten am Deutschen vorbei, der so noch bis auf Rang zehn durchgereicht wurde.
Während es für Ackermann bereits Gewohnheit ist, sich allein durchzuschlagen, konnte Kanter bei der Tour bislang auf ein sehr gut funktionierendes Astana-Leadout setzen. In Nevers aber verloren sich die Männer in Hellblau in der entscheidenden Vorbereitungsphase, bevor die Straße enger wurde und die Teams Decathlon, Uno-X und NSN an der Spitze des Pelotons das Tempo rausnahmen. So wurde das Fahrerfeld sehr kompakt und Positionsveränderungen waren bis zwei Kilometer vor Schluss, als Decathlon und NSN das Tempo hochrissen und das Finale eröffneten, kaum mehr möglich.
Max Kanter (XDS – Astana) ist der beste deutsche Sprinter bei dieser Tour. Auf Etappe 11 geriet sein bisher so beeindruckender Sprintzug aber in Turbulenzen. | Foto: Cor Vos
"Wenn man heute bei 80 Prozent der Teams im Bus fragt, was ist heute der Plan? In der Linkskurve sechs Kilometer vor Ziel weit vorne zu sein und dann das Finale zu kontrollieren. Das haben heute andere besser gemacht", meinte Kanter nach der Etappe am Astana-Teambus und erzählte: "Wir verlieren uns kurz vor dieser Linkskurve und danach haben wir kein organisiertes Leadout mehr hinbekommen, haben uns nicht mehr so richtig gefunden. Ich habe dann versucht, anderen Sprintern zu folgen."
Immerhin: Der Cottbuser fand das Hinterrad von Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech) und damit alles andere als ein schlechtes. An etwa zehnter Stelle ging es für ihn auf die letzten 800 Meter, hinter Philipsen und vor Merlier sowie Ackermann. Doch als dann vorne nochmal rausgenommen wurde und 500 Meter vor Schluss besagte Welle nach links durchs Feld schwappte, ging es für ihn genauso schief wie für Merlier, der am Ende 15. wurde.
"Das komplette Feld ist rübergezogen. Ich musste dreimal bremsen. Damit war mein Sprint vorbei. Meistens ist die linke Seite offen, wenn es nach rechts geht. Heute war das nicht der Fall", sagte Kanter.
Bei Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) lief auch in Nevers nichts zusammen. | Foto: Cor Vos
Für den 32-jährigen Bauhaus hingegen war das Sprintfinale schon vorher quasi gelaufen. Der Bahrain-Sprinter saß, als das Feld auf den letzten sechs Kilometern durch die Tempodrosselung blockiert wurde, bereits relativ weit hinten und kam daher auch nicht mehr in eine gute Position. Als auf dem Schlusskilometer dann die Post abging, war er chancenlos und rollte schließlich auf Platz 24 ins Ziel eines insgesamt merkwürdigen Sprintfinals.
"Ich würde sagen, die letzten zehn Kilometer heute waren die langsamsten vom ganzen Tag und keiner wusste wirklich, wann es jetzt losgeht", meinte Ackermann nach der Etappe, die allerdings mit einem Durchschnitt von 50,9 km/h als Geschwindigkeitsrekord in die Tour-Geschichte eingehen wird. Aus deutscher Sicht aber war sie eine, die schnell vergessen werden sollte.
Immerhin kann das Blatt für die deutschen Sprinter aber am Donnerstag bereits gewendet werden, wenn es von der Motorsport-Rennstrecke Magny-Cours gen Osten nach Chalon-sur-Saone geht und dort voraussichtlich der nächste und gleichzeitig wohl auch letzte echte Massensprint dieser Tour direkt am Ufer der Saone wartet.
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