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15.07.2026 | (rsn) - Gestern gestürzt und Letzter, heute schnell im Kopf und Erster: Sören Waerenskjold (Uno-X Mobility) hat die 11. Etappe der Tour de France gewonnen und damit eine der Geschichten geschrieben, die den Radsport einzigartig machen. Der Norweger verwies nach 161,4 Kilometern zwischen Vichy und Nevers den Niederländer Olav Kooij (Decathlon – CMA CGM) und den Belgier Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck) im Massensprint auf die Plätze zwei und drei.
Philipsen wurde kurz darauf wegen eines unzulässigen Manövers auf Platz 119 relegiert, wodurch sein Landsmann Milan Fretin (Cofidis) auf Rang drei vorrückte. Doch das war noch nicht das Ende der Geschichte. Wie das Portal ""Wielerflits“ berichtete, suchte Alpecin-Team-Manager Christoph Roodhooft sofort nach der Entscheidung das Gespräch mit der Jury - erfolgreich offenbar, denn kurz danach wurde Philipsen in den Ergebnislisten wieder als Dritter geführt.
Davon bekam Waerenskjold natürlich nichts mit. Er war wohl nicht der Allerschnellste, in einem hektischen Finale aber der Sprinter mit der besten Übersicht gewesen. Dabei sah der 26-Jährige seine Felle schon davonschwimmen, weil er am rechten Straßenrand eingebaut worden war. Doch als ausgerechnet Kooijs Anfahrer Cees Bol den Sprint eröffnete, seinen Kapitän aber nicht am Hinterrad hatte, reagierte Waerenskjold blitzschnell: Er zwängte sich durch eine kleine Lücke, zog an Bol vorbei und konnte die heranfliegenden Kooij und Philipsen knapp hinter sich lassen.
“Ich dachte, ich lag zu weit zurück, aber dann öffnete sich die Tür auf der rechten Seite. Das passiert normalerweise nicht. Es fühlte sich an wie bei meinem ersten großen Sieg beim Omloop Het Nieuwsblad“, sagte ein überglücklicher Waerenskjold im Ziel-Interview. Dass er so lange sprinten konnte, führte der einstige U23-Zeitfahrweltmeister auf sein Können im Kampf gegen die Uhr zurück. Den Tour-de-France-Etappensieg – es war erst der zweite überhaupt für sein Team – ordnete Waerenskjold ohne Umschweife als den größten seiner Karriere ein.
Der Gewinner der mit 50,9 km/h schnellsten Etappe in der Geschichte der Tour berichtete, dass er nach seinem Sturz am Vortag einige Finger nicht wie sonst bewegen konnte, was ihn beim Bremsen behindert habe. Für die Auswirkungen des Crashs fand er im Überschwang deutliche Worte: “Nach meinem Sturz von gestern fühlte ich mich am Start richtig Scheiße. Durch das Adrenalin ging es mir im Finale aber immer besser. Es ist unglaublich, den Sieg mitzunehmen. Ich muss das erst mal sacken lassen, dann bin ich vermutlich glücklicher, als ich jetzt aussehe.“
Der knapp geschlagene Kooij war sich bewusst, dass sein Team letztlich unabsichtlich die ideale Vorarbeit für Waerenskjold geleistet hatte. “Als Cees (Bol) anzog, wollte ich jemanden in die Lücke lassen. Dann dachte ich, dass er es vielleicht allein schafft. Waerenskjold hat aber nicht gezögert, er kam von hinten, und sein Vorsprung war zu groß“, sagte der Niederländer gegenüber Eurosport. Der Uno-X-Sprinter sei mit großem Momentum losgefahren, und alle anderen hätten sich kurzzeitig “nur noch angeguckt.“
Weder der Mann im Grünen Trikot, Mads Pedersen (Lidl – Trek), noch der als Topfavorit gehandelte Tim Merlier (Soudal – Quick Step) spielten im Sprint eine Rolle. Der Däne wurde Zehnter, der Belgier belegte gar nur Rang 14. Bester Deutscher war Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) als Neunter. Max Kanter (XDS – Astana) konnte in die Entscheidung wegen schlechter Positionierung nicht eingreifen und zeigte sich angesichts seines 17. Platzes leicht frustriert. Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) beendete die Etappe auf dem 23. Platz.
Aus Pedersens schwachem Abschneiden und Philipsens Zurückstufung konnte der Eritreer Biniam Girmay (NSN) etwas Profit ziehen. Er verkürzte durch seinen fünften Etappenplatz den Abstand zum Mann in Grün auf 43 Punkte. Kanter bleibt in diesem Sonderklassement mit 205 Zählern Fünfter hinter Merlier (225) und Philipsen (215).
In den übrigen Sonderwertungen ergaben sich durch das schnelle, aber weitgehend ereignislose Teilstück keine Veränderungen in den Spitzenpositionen. Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bleibt mit 3:36 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) in Gelb und behält auch das Bergtrikot. Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe / +4:44) bleibt Gesamtsechster. In Weiß geht morgen Juan Ayuso (Lidl – Trek) wieder an den Start. Dessen Equipe verteidigte Platz eins in der Mannschaftswertung.
Nach 15 Kilometern gelang es Mathis Le Berre (TotalEnergies), Nelson Oliveira (Movistar), Anton Charmig (Uno-X Mobility) und Julian Alaphilippe (Tudor), sich aus dem Feld abzusetzen. Schnell, aber nicht weit ging die Schere zum Peloton auf, während Liam Slock (Lotto – Intermarché) noch eine Weile versuchte, nach vorn zu kommen. Doch dieses Unterfangen scheiterte an der Einigkeit des stark besetzten Quartetts.
Die Teams der Sprinter gestanden bei erneut großer Hitze der Gruppe allerdings nie mehr als 1:40 Minuten Vorsprung zu. Beim Zwischensprint nach 28 Rennkilometern holte sich Philipsen – hinter da noch fünf Ausreißern – zehn Punkte vor Kanter, Pedersen und Biniam Girmay (NSN).
Das Streckenprofil der 11. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter
Der Rennverlauf war die meiste Zeit über wenig ereignisreich. Auffällig waren die vielen Defekte von Profis unterschiedlicher Teams. Am zweiten Bergpreis der 4. Kategorie, 38 Kilometer vor dem Ziel, musste Alaphilippe seine Fluchtgefährten ziehen lassen. Das Feld hatte in dieser Phase rund eine Minute Rückstand. Kurz darauf konnte der zweimalige Straßenweltmeister dann sogar das Tempo des Pelotons im Flachen nicht mehr mitgehen.
Gut fünf Kilometer vor dem Ziel wurde das Trio eingeholt – nach rund 140 Fluchtkilometern. NSN eröffnete das Finale an der Zwei-Kilometer-Marke. Kurz darauf wollte Mathieu van der Poel seinen Teamkollegen Philipsen in Position bringen, doch Cees Bol (Decathlon – CMA CGM) ging vorbei und lancierte 400 Meter vor dem Ende den Sprint. Nur hatte er seinen Kapitän Kooij nicht am Hinterrad.
Diese Situation erkannte Waerenskjold und saugte sich im Windschatten an Bol heran. Dann ging der Norweger vorbei und verteidigte seinen unverhofft gewonnenen Vorsprung ganz knapp vor Kooij und Philipsen, die zu spät reagierten und sich mit den Plätzen zwei und drei begnügen mussten.
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