Profi-Radsport

Krisengipfel wendet Skandal bei Bahn-WM ab

31.07.2003 - Stuttgart (dpa) - Sylvia Schenk hat auf einem Krisengipfel den drohenden Skandal im deutschen Rad-Team abgewendet und ein Auseinanderbrechen des Gold-Vierers von Sydney verhindert. Nach dem Viertelfinal-Aus der Verfolger Daniel Becke und Robert Bartko bei der Bahn-WM in Stuttgart unterband die Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) energisch einen eskalierenden Streit.

Der für die Einzelverfolgung nicht nominierte Jens Lehmann war sauer: «Ich bin um eine Riesenchance betrogen worden.» Schenk nach dem Gipfel: «Rausschmeißen ist keine Lösung. Es ist jetzt eine Basis da, nicht nur eine Fassade.»

«Wir sind alles erwachsene Menschen. Da fallen harte Worte, böse Worte. Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack», konstatierte Bundestrainer Bernd Dittert nach der gut zweistündigen und teilweise lautstark geführten Aussprache hinter verschlossenen Türen. Zuvor hatten Daniel Becke (Erfurt) und Robert Bartko (Potsdam) im Viertelfinale der 4000-m-Einzelverfolgung mit mäßigen Zeiten alle Medaillenhoffnungen verloren. Becke unterlag in 4:27,379 Minuten dem Briten Paul Manning und Bartko in 4:26,522 dem Spanier Sergi Escobar.

Daraufhin erneuerte der Leipziger Lehmann seine Betrugsvorwürfe gegen die Teamleitung, die Bartko statt ihn für den Wettbewerb aufgestellt hatte. «Ich bin um eine Riesenchance betrogen worden», wetterte der 35-jährige WM-Dritte des Vorjahres und nannte Bartko einen Touristen. «Er hat sich charakterlos verhalten. Ich kann vergeben, aber nicht vergessen. Ich gehe nicht noch einmal auf ihn zu. Ich bin doch kein Kasper», konterte Bartko, Doppel-Olympiasieger von Sydney.

Lehmann vermutet hinter seiner Nichtberücksichtigung eine Intrige und behauptete, dass der Start Bartkos schon Wochen vor dem Test feststand, bei dem der Potsdamer schneller war als der Leipziger. «Das stimmt nicht», verteidigte sich Dittert. Der erst 24 Stunden zuvor mühsam hergestellte Burgfrieden war zerbrochen.

Neben den Streithähnen Lehmann und Bartko, die noch nie ein freundschaftliches Verhältnis pflegten, und Dittert zitierte Sylvia Schenk auch Sportdirektor Burckhard Bremer in die Katakomben der Schleyer-Halle. «Es ist eine persönliche Enttäuschung für mich. Es ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich übernehme die volle Verantwortung für das Geschehene», bekannte er anschließend.

Vorerst scheint der Streit beigelegt. Alle Beteiligten versprachen, sich nur noch auf den Vierer konzentrieren zu wollen, der zur Qualifikation antreten muss. «Das Thema ist abgeschlossen. Wenn wir noch zwei Tage darüber reden, ist der Vierer auch vorbei. Wir werden uns auf den Vierer konzentrieren und hoffen, dass wir da besser rausgehen als im Einer. Das ist meine Überzeugung. Wenn wir im Vierer ohne Medaille nach Hause fahren, ist das noch bitterer», sagte Lehmann. Offenbar stand seine zum Karriereabschluss geplante Olympia-Teilnahme 2004 in Athen auf dem Spiel. «Wir haben uns dahingehend geeinigt, dass in Richtung Athen die Zusammenarbeit weitergeht», erklärte Dittert.

«Ich möchte bei der Olympiade fahren und dort zum Karriereende eine Medaille gewinnen», meinte Lehmann. Auch deswegen habe er den Gedanken an eine vorzeitige Abreise verworfen. «Der Dialog wird permanent fortgesetzt. Wir brauchen eine Grundbasis an Vertrauen, die haben wir jetzt», erklärte Sylvia Schenk und machte damit deutlich, dass nicht alle Differenzen ausgeräumt sind. Dittert ergänzte: «Wir sind zu einem Nenner gekommen. Das ist entscheidend für die Zukunft.»

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