Skeptisch zu Ullrichs Aussichten

Voigt setzt auf Kontrollen und das Prinzip Hoffnung

24.01.2007  |  Berlin (dpa/Ra) - Jens Voigt rechnet kaum mit einer baldigen Rückkehr Jan Ullrichs in den Rennsattel. „Das wird sicher schwer für Uli. Er hat keine Lizenz, kein Team und - so weit ich weiß - zwei Verfahren außerhalb der Sportgerichtsbarkeit laufen», sagte der Gewinner der Deutschland-Tour, der auch für seinen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus bekannt ist. Neben Rudolf Scharping sitzt Voigt als deutscher Vertreter im 13-köpfigen ProTour-Rat und vertritt dort die Belange seiner Zunft als Aktiver.

Das Thema Ivan Basso ist dem einstigen Team-Kollegen des mutmaßlich wie Ullrich in die Fuentes-Doping-Affäre verstrickten Italieners nicht sehr angenehm. «Sein Olympisches Komitee und sein Landesverband haben die Verfahren eingestellt, und er ist nicht gesperrt - also darf er wohl fahren», sagte Voigt. Den Giro-Gewinner, jetzt in Diensten von Discovery Channel, wird er zum Saisonauftakt am 18. Februar bei der Kalifornien-Rundfahrt treffen.

Nach dem Absturz Ullrichs hat der vierfache Familienvater, der kürzlich im Grunewald sein neues Haus bezog, in der Publikumsgunst ein wenig die Rolle des einstigen T-Mobile-Kapitäns übernommen: «Der Platz an der Sonne ist größer geworden.» Der angriffslustige Kämpfer Voigt gilt als erfolgreich, offen, ehrlich, sympathisch - und bezieht klar Stellung zum Thema Doping. Nach dem Fuentes-Skandal forderte der 35 Jahre alte Wahl-Berliner aus Mecklenburg-Vorpommern als einer der ersten Radsportler flächendeckende DNA-Analysen der Profis.

Trotzdem gibt sich Voigt im Anti-Doping-Kampf keinen Illusionen hin: «Bei der Frage, ob es 2007 entscheidend besser wird, spielt auch das Prinzip Hoffnung eine große Rolle. Wer nach den Vorfällen des vergangenen Jahres den Weckruf immer noch nicht gehört hat, dem wäre wirklich nicht mehr zu helfen.» Wegen des im Radsport herrschenden Generalverdachts hätte er sich im vergangenen August nach seiner Gala-Vorstellung kaum getraut, sich «reinen Herzens über den Sieg bei der Deutschland-Tour» zu freuen. «Anstatt zu sagen: Ich bin der Beste», hätte er eher kleinlaut gejubelt.

Sein Team CSC unter der Regie von Bjarne Riis hat sich zusammen mit T-Mobile in die erste Reihe der Anti-Doping-Kämpfer vorgearbeitet. Die dänische Mannschaft verpflichtete den angesehenen dänischen Experten Rasmus Damsgaard, der pro Saison 800 teaminterne Kontrollen, also etwa 25 pro Fahrer, vornehmen will. Für das engagierte - in schwierigen Zeiten vor allem aber auch PR-wirksame - Anti-Doping-Programm ließen die Sponsoren, unter ihnen auch die deutsche Firma MAN, 500 000 Euro springen. Am Ende der Saison werden alle Daten veröffentlicht, nicht alle CSC-Profis sind begeistert davon.

Zwei kombinierte Blut- und Urin-Tests musste Voigt, im Vorjahr bei der Tour de France umjubelter Etappensieger in Montélimar, bereits über sich ergehen lassen: «Das erste Mal in unserem Trainingslager in Südafrika, neulich dann bei mir zu Hause in Berlin». Voigt sagt: «Alles, was zur Image-Verbesserung beiträgt, ist gut. Wir müssen bereit sein, einen Schritt weiter zu gehen als andere Sportarten - auch wenn es natürlich besser wäre, keinen Grund dafür zu haben.»

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