AFLD lässt den Superstar zappeln

Armstrongs Tour-Pläne in Gefahr

Foto zu dem Text "Armstrongs Tour-Pläne in Gefahr"

Lance Armstrong bei der Pressekonferenz zu Mailand-San Remo

Foto: ROTH

10.04.2009  |  Paris (dpa) - Die seit Monaten mit hohem PR-Aufwand geplante Tour-Rückkehr von Lance Armstrong gerät in Gefahr. Wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Dopingbestimmungen drohen dem siebenfachen Tour-de-France-Sieger Sanktionen durch die französische Anti-Doping-Agentur AFLD.

Ob die als kompromisslos bekannte AFLD Armstrong wegen Behinderung einer Kontrolle in Südfrankreich am 17. März bestraft, ist völlig offen. Sie lässt den Superstar zappeln.

Der Weltverband UCI signalisierte allerdings Unterstützung für den Seriensieger aus Texas, dessen Tour-Auftritt auch vom Veranstalter ASO gewünscht wird. "Wenn die AFLD Sanktionen ausspricht, werden unsere Anwälte prüfen, ob die weltweit zu gelten haben. So weit wir das beurteilen können, hat Armstrong weder UCI- noch WADA-Recht gebrochen", sagte Weltverbands- Präsident Pat McQuaid cyclingnews.com.

Die AFLD hatte in einer Erklärung mitgeteilt, dass der prominente Rückkehrer bei einem in Beaulieu-sur-Mer vorgenommenen Test durch mangelnde Kooperation gegen das Reglement verstoßen habe. Armstrong hatte den von der AFLD beauftragten Arzt 20 Minuten warten lassen, bevor er  Urin-, Blut- und Haartests gestattete. Obwohl die genommenen Proben keine Auffälligkeiten aufwiesen, wäre die AFLD  ihrer Auffassung nach sanktionsberechtigt.

Ob der 37-jährige Armstrong wegen Behinderung der Kontrollprozedur bestraft würde, ließ die AFLD offen. "Das ist eine nationale Angelegenheit und unterliegt französischem Recht", erklärte McQuaid, dessen schützende Hand über Armstrong wohl nicht viel nützen würde, selbst wenn eine mögliche Sanktion nur auf französischem Terrain gelten sollte. Dann wäre die Tour für den Astana-Kapitän auch passé.

In einer Stellungnahme hatte Armstrong die Verzögerung mit eigenem Klärungsbedarf begründet. Er habe erst bei seinem Teamchef Johan Bruyneel und bei der UCI telefonisch klären müssen, ob die Kontrolle autorisiert sei. Danach habe der Test in «freundlicher Atmosphäre» stattgefunden, wie Armstrong mitteilte. Der Kontrolleur habe Armstrong nach der Rückkehr vom Training in Ruhe duschen lassen, während Mitarbeiter des Radprofis dessen Identität geprüft hätten.

Nach dem unangemeldeten AFLD-Besuch hatte sich der Texaner via Twitter beschwert, dass dies bereits die 24. unangemeldete Kontrolle gewesen sei, seit er im vergangenen Oktober sein Comeback bekanntgegeben habe. «Ich wollte die Kontrolleure nicht behindern», sagte Armstrong.

Die AFLD hat Armstrong, der im Juli bei der Tour an den Start gehen will, seit langem im Visier. Sie hatte ihn unlängst aufgefordert, eingefrorene Urin-Proben aus dem Jahr 1999 ein zweites Mal analysieren zu lassen. Armstrong lehnte ab und erhielt Rückendeckung von der UCI. 2005 hatte eine unmittelbar nach dem Tour- Ende vorgenommene Analyse in sechs Proben Armstrongs EPO nachgewiesen. Das blieb aber ohne juristische oder sportrechtliche Konsequenzen, weil eine laut Reglement notwendige B-Probe nicht vorlag.

Im Gegensatz zum Vorjahr werden die Doping-Kontrollen bei der Frankreich-Rundfahrt im Juli nicht mehr unter AFLD-, sondern wieder unter UCI-Regie stehen. Die AFLD unter Pierre Bordry machte im Vorjahr auch vor großen Namen nicht halt und überführte unter anderen Riccardo Ricco (Italien) und Stefan Schumacher (Nürtingen) des CERA- Dopings.

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