Pässe, die jeder/ kaum jemand kennt

Der schönste Rennrad-Anstieg der Welt: Entdeckungen, Teil drei

Von Wolfgang Preß

Foto zu dem Text "Der schönste Rennrad-Anstieg der Welt: Entdeckungen, Teil drei"
Selbst er musste schieben: Francesco Moser am Koppenberg, während einer Flandern-Rundfahrt in den 70er Jahren. | Foto: Cor Vos

09.05.2020  |  Vor zwei Tagen haben wir Ihnen die Ränge elf bis 13 Ihrer Wahl zum schönsten Rennrad-Anstieg der Welt vorgestellt. Hier nun die Plätze 14 und 15, sowie weitere ausgewählte Entdeckungen - darunter von den großen Rundfahrten bekannte Pässe, aber auch einige kaum unbekannte Rampen, die Sie uns besonders nahe gelegt haben.

Auf Rang 14, knapp hinter dem Mount Evans, platzierte sich der Monte Grappa, der mit 1775 m höchste Berg Venetiens, und nicht weniger als neun Auffahrten (mit jeweils mindestens 1500 Höhenmetern!) wohl einer der variantestenreichsten Rennradberge. Am bekanntesten ist der rund 20 km lange “Salita degli Eroi” (dt. Anstieg der Helden), der an einem Monument zu Ehren von rund 23 000 italienischen und österreichischen Soldaten vorbeiführt, die in den umliegenden Bergen im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Wegen seiner ungewöhnlichen Form wird das etwas pompöse Ossario von den Einheimischen "panettone" genannt, nach einem beliebten italienischen Hefe-Kuchen.
Die diversen Auffahrten enthalten teilweise giftige rampe mit bis zu 26 Prozent, bieten aber auch eine großartige Landschaft und einmalige Ausblicke auf die Vizentiner und Karnischen Alpen. Am beliebtesten ist die schöne, 26 km lange  Serpentinen-Straße von Semonzo, auf der sich vor allem am Wochenende die einheimischen ciclisti tummeln.

Platz 15 geht nach Spanien, an die 1000-Höhenmeter-Rampe zu den Lagos de Covadonga (1135 m), die in den 80er Jahren für die Vuelta das werden sollten, was Alpe d'Huez für die Tour oder Sestriere für den Giro sind: spektakuläre Bergankünfte. Irgendwie hat das nicht wirklich geklappt, obwohl der 19-km-Anstieg zu den beiden Bergseen in Asturien wirklich schön und durchaus anspruchsvoll ist.
Und zudem ein wichtiger Ort der spanischen Geschichte: In einem Seitental fand vermutlich im Jahr 722 eine erste große Schlacht gegen die Mauren, die muselmanischen Eroberer statt, die als Beginn der reconquista, der Rückeroberung des Landes gilt. Covadonga ist dementsprechend beliebt bei Touristen, und im Sommer verkehren daher nur Busse auf der 19 km langen Strecke zu den Seen - angenehm für Radler; weniger allerdings das oft wechselhafte Wetter mit vielen Wolken und feinem Regen...

Etliche Male von Ihnen genannt wurde der Koppenberg, der wohl am meisten gefürchtete  hellingen (Hügel) in Belgien; nicht unbedingt wirklich schön (obwohl durchaus nett in den flämischen Ardennen gelegen), und mit gerade mal 600 Metern und 68 Höhenmetern auch kein echtes Monster. Aber der Koppenberg ist nicht ohne Grund nicht regelmäßig Teil des Frühjahrs-Klassikers Ronde van Vlaanderen: Das Kopfsteinpflaster ist richtig schlecht, die Lücken zwischen den Steinen sind groß, das Steilstück mit fast 19 Prozent ist recht eng, und vor allem bei Nässe kaum zu fahren, so dass hier selbst die Profis oft schieben müssen. Viele Freizeit-Radsportler nehmen den Koppenberg das ganze Jahr über auf der „Ronde van Vlaanderen Route” unter die Räder, der gut ausgeschilderten Original-Strecke der Flandern-Rundfahrt.

Zum Abschluß unserer kleinen Reihe noch zwei Anstiege, die uns mehrere Leser ans Herz gelegt haben; einer davon geht richtig hoch hinaus, der andere gehört zu den schönsten Europas, ist aber vielen Rennradlern eher nicht bekannt...

Der Vulkan Mauna Kea auf Big Island, der Hauptinsel von Hawaii, ist mit etwa 4205 m der höchste Berg des 50. Bundesstaats der USA. Bezieht man auch den Kegel unterhalb der Meeresoberfläche ein, ist der Mauna Kea mit 10 203 Metern der höchste Berg der Erde. Und der 69-Kilometer-Anstieg vom Küstenort Hilo (32 m) bis zum höchsten Punkt der Straße auf 4193 m gilt als der weltweit härteste Anstieg für Rennradler.
Die Steigung beträgt zwar nur sechs Prozent im Schnitt, aber die Länge die große Höhe machen das Ganze richtig schwer - zumal im letzten Drittel einige zweistelligen Rampen und etliche Kilometer Schotterstraße zu bewältigen sind. Und da die Straße lediglich der Zufahrtsweg zu einem Observatorium am Gipfel ist, gibt es unterwegs auch praktisch keine Versorgungspunkte. 

Der Colle del Nivolet (2613 m) ist ein kaum bekannter Pass im Gran-Paradiso-Nationalpark in den Grajischen Alpen im Piemont. Asphaltiert ist nur die Südseite, 56 km von Cuorgne im Valle dell’Orco aus; die 40-km-Nord-Auffahrt mit 1760 Höhenmetern führt in den wunderschönen Nationalpark, der Asphalt endet jedoch im Bergdorf Pont, auf gut 2150 Metern.
Der obere Teil der Süd-Rampe ab Ceresole Reale ist nur im Sommer vier Monate lang geöffnet. Es geht unter anderem durch einen drei Kilometer langen, steilen Tunnel, der bei starkem Ausflugsverkehr allerdings gemieden werden sollte, wie unser Leser Arthur Vogler empfiehlt (besten Dank!): Die alte Straße um den Tunnel wurde zum Giro vergangenes Jahr frisch asphaltiert, und sie ist nicht nur malerisch, so Vogler, sondern auch für den Motor-Verkehr gesperrt. Nach einem kurzen Flachstück am Lago di Ceresole beginnt der schönste Teil der Strecke, steil vorbei an den Stauseen Lago Serru und Lago Agnel zur Passhöhe - mit grandiosem Panorama, und der nach 2320 Höhenmetern verdienten Einkehr im Rifugio Savoia an den Laghi del Nivolet.

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