Vorschau WWT-Doppel-Wochenende Vargarda

Wichtiger WM-Test und Schotter-Spektakel in Schweden

Von Felix Mattis aus Vargarda

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Das Team Rabo-Liv gewann das Teamzeitfahren von Vargarda im vergangenen Jahr. | Foto: Cor Vos

18.08.2016  |  (rsn) - Die erste Saison der Women's WorldTour steht kurz vor ihrem Abschluss. In Schweden werden am Wochenende die Renntage 32 und 33 von 35 absolviert - mit einem Doppelevent in Vargarda, 65 Kilometer nordöstlich von Göteborg. Am Sonntagabend könnte sogar die WorldTour-Gesamtsiegerin bereits feststehen, obwohl Spitzenreiterin Megan Guarnier (Boels-Dolmans) in Schweden nicht am Start steht.

In Schweden warten ein Mannschaftszeitfahren am Freitagabend, das Tradition hat und einen wichtigen Test mit Blick auf die Weltmeisterschaften in der Spezialdisziplin in Katar darstellt, sowie ein Straßenrennen über 141 Kilometer am Sonntagmorgen, das vier Schotterabschnitte beinhaltet. Das Straßenrennen startet um 8:15 Uhr und soll ab 10 Uhr für die letzten gut anderthalb Stunden live auf Eurosport zu sehen sein. Der Kanal hat sein TV-Programm online allerdings noch nicht dementsprechend angepasst.

Die Strecken: Das Teamzeitfahren führt am Freitag über 42,5 Kilometer zunächst hauptsächlich geradeaus von Vargarda 15 Kilometer gen Osten zum Wendepunkt in Herrljunga. Dabei geht es bei Nordwind und möglicherweise etwas Regen über offene Felder. Zurück in Vargarda folgt ein elf Kilometer langer Rundkurs mit sehr technischen Passagen in einem Wohngebiet samt einer engen Fußgängerbrücke sowie einer zwar nicht besonders steilen aber zähen, 1,5 Kilometer langen Steigung sechs Kilometer vor Schluss.

Dieser Rundkurs spielt auch am Sonntag eine Schlüsselrolle, da er gleich acht Mal zu bezwingen ist: vier Mal gleich nach dem Start und vier Mal zum Abschluss des Straßenrennens. Dazwischen wurde eine 53 Kilometer lange Schleife südöstlich des Start- und Zielortes eingebaut, die über vier Schotterabschnitte führt - insgesamt 12,6 Kilometer sind nicht asphaltiert. Allerdings führen alle vier Sektoren über sehr kompakten, gut fahrbaren Schotter.

Schotterabschnitt 2 ist der anspruchsvollste Sektor. Er schließt an eine knapp vier Kilometer lange Steigung über 130 Höhenmeter an, ist selbst ebenfalls wellig und 3,4 Kilometer lang. Hier ist eine erste Selektion zu erwarten, allerdings sind anschließend noch 70 Kilometer zu fahren. Wichtiger dürfte daher der drei Kilometer lange Sektor 4 werden, der nur vier Kilometer nach dem 2,6 Kilometer langen Sektor 3 folgt und zwei knifflige Kurven in einer kurzen Abfahrt beinhaltet.

Die Entscheidung aber wird voraussichtlich erst auf den vier Schlussrunden von Vargarda fallen - oder, wie im vergangenen Jahr im Sprint eines stark dezimierten Feldes am Ende der 250 Meter langen Zielgeraden, die durch eine enge 90-Grad-Rechtskurve erreicht wird.

Die Favoritinnen: Im vergangenen Jahr durchbrach Rabo-Liv in Vargarda die jahrelange Dominanz des damaligen Velocio-SRAM-Teams, und die Niederländerinnen sind auch diesmal einer der zwei Top-Favoriten - neben Boels-Dolmans, das mit der nominell wohl besseren Besetzung antritt: Zur nach drei verpassten Dopingtests zwischenzeitlich suspendierten und dann vom CAS freigesprochenen Weltmeisterin Lizzie Armitstead gesellen sich Chantal Blaak, Karol-Ann Canuel, Evelyn Stevens, Ellen Van Dijk und Kasia Pawlowska.

Natürlich müssen auch die Weltmeister-Nachfolgerinnen von Canyon-SRAM zum Favoritenkreis gehören. Doch Teamchef Ronny Lauke fehlen in Schweden Alena Amialiusik und Lisa Brennauer, so dass das Team stark geschwächt ist. Um einen Podestplatz kämpfen außerdem Wiggle-High5 und Cervelo-Bigla. Letzteren fehlt zur Top-Besetzung aber die auf fragwürdige Weise zu Cylance abgewanderte Carmen Small.

Im Straßenrennen geht die Favoritenrolle an bergfeste und gleichzeitig endschnelle Fahrerinnen, die sich auf den Schotterpassagen nicht abschütteln lassen. Armitstead wird sich den Frust von der Seele fahren wollen und bildet Kopf an Kopf mit Marianne Vos das Top-Favoritenduo. Doch mit Chantal Blaak hat die Britin auch die Siegerin von 2014 in ihrem Team, so dass Boels-Dolmans auch für die Niederländerin fahren könnte.

Hinzu kommen neben der Erfurterin Worrack die Italienerin Elena Cecchini (Canyon-SRAM), die Kanadierin Leah Kirchmann (Liv-Plantur), die Finnin Lotta Lepistö (Cervelo-Bigla), Small und natürlich die zweifache Weltmeisterin Giorgia Bronzini (Wiggle-High5). Ein interessanter Außenseitertipp für eine Top-Platzierung im Sprint ist die in Norwegen als Gesamtvierte ins Rampenlicht gefahrene Christina Siggaard (BMS-Birn). Und natürlich ließe sich die Liste durch etwaige Attacken im Anstieg sechs Kilometer vor dem Ziel um zahlreiche Puncheure erweitern.

Die Deutschen: Frisch aus Rio eingeflogen starten drei Frauen des fünfköpfigen Verfolgerkaders in Vargarda: Mieke Kröger (Canyon-SRAM), Stephanie Pohl und die in Rio wegen des frühen Aus' des Vierers nicht zum Einsatz gekommene Reservistin Lisa Klein (beide Cervelo-Bigla). Alle drei werden dank ihrer Zeitfahrstärke am Freitagabend wichtige Rollen in ihren Teams im Mannschaftszeitfahren spielen. Dasselbe gilt für Corinna Lechner bei BTC-Ljubljana und natürlich die Deutsche Zeitfahrmeisterin Trixi Worrack (Canyon-SRAM).

Vor allem Pohl und Worrack ist aber auch am Sonntag ein Top-Ergebnis zuzutrauen. Beide bewiesen in den vergangenen Wochen Top-Form und sind bergfest genug um alle Selektionen auf dem hügeligen Kurs von Vargarda zu schaffen. Ob Clara Koppenburg, die im Teamzeitfahren aussetzt, am Sonntag als dritte Deutsche bei Cervelo-Bigla zum Einsatz kommt, ist noch nicht sicher.

Die Teams: Liv-Plantur, Canyon-SRAM, Cylance Pro Cycling, Alé Cipollini, BePink, Boels-Dolmans, BTC City Ljubljana, Cervelo-Bigla, Drops Cycling, Hitec Products, Lensworld-Zannata, Orica-AIS, Parkhotel Valkenburg, Rabo-Liv, BMS-Birn, Wiggle-High5, Nationalteam Finnland, Nationalteam Norwegen, Nationalteam Schweden

Die Situation in der Women's WorldTour:Megan Guarnier (Boels-Dolmans) führt vier Rennen vor WWT-Saisonende mit riesigem Vorsprung. Die US-Amerikanerin hat 886 Punkte auf dem Konto und somit 341 Zähler Vorsprung auf ihre Teamkollegin Armitstead sowie 344 auf Kirchmann. Bei 120 Punkten pro Sieg in einem Straßenrennen - im Teamzeitfahren gibt es für Fahrerinnen des Siegerteams nur 35 Zähler - wäre Guarnier somit die erste WorldTour-Gesamtsiegerin, wenn sie mit mindestens 240 Punkten Vorsprung aus dem Schweden-Wochenende herauskommt, wo sie jedoch nicht am Start steht.

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