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16.01.2026 | (rsn) – Es ist soweit: Am Samstag beginnt mit der Tour Down Under Women die WorldTour-Saison 2026. Und auch wenn die großen Stars aus den Top 15 der Weltrangliste fehlen, so stehen erstmals in der Geschichte der dreitägigen Rundfahrt durch die Region um Adelaide in South Australia alle 14 WorldTour-Rennställe am Start – wenn auch quasi erzwungen:
Seit dem 1. November 2025 gilt per UCI-Regularien nämlich, dass alle Women's WorldTeams nur noch ein WWT-Rennen pro Saison auslassen dürfen. Da in Australien mit der Tour Down Under (17.-19. Januar) sowie dem Cadel Evans Great Ocean Road Race am 31. Januar gleich zwei WorldTour-Events ausgetragen werden, müssen alle Rennställe zumindest für eines der beiden ohnehin die Reise auf den fünften Kontinent auf sich nehmen, So so stehen sie alle am Samstag auch am Start, wenn auch teilweise nur zu fünft statt zu sechst.
Das trifft auf die Team-Weltranglistenersten von SD Worx – Protime zu, aber auch auf EF Education – Oatly um Titelverteidigerin Noemi Rüegg. Der US-Rennstall schafft es trotzdem, rund um die Schweizerin und die kanadische Weltmeisterin Magdeleine Vallieres ein sehr schlagkräftiges Quintett aufzubieten, so dass die Frauen in Pink auch in Unterzahl zu den Favoritinnen zu zählen sind.
Neben der Weltranglisten-17. Rüegg ist die Cadel-Road-Race-Siegerin von 2025, die Neuseeländerin Ally Wollaston (FDJ United – Suez), als Nummer 18 der Welt die nominell zweitbeste Starterin 'down under'.
Zu den prominentesten Namen gehören außerdem die zweimalige Zeitfahr-Weltmeisterin Chloe Dygert (Canyon – SRAM – zondacrypto) und die dreimalige Tour-Down-Under-Gesamtsiegerin Amanda Spratt (Lidl – Trek), die mit Justyna Czapla und Ricarda Bauernfeind jeweils auch eine deutsche Teamkollegin dabei haben – die beiden einzigen Deutschen im Starterfeld. Zweite Schweizerin neben Rüegg ist Petra Stiasny (Human Powered Health), als einzige Österreicherin steht Carina Schrempf (Fenix – Premier Tech) auf der Startliste.
Spannend ist gerade zu Saisonbeginn in Australien immer, dass nicht unbedingt die Favoritinnen die Siege davontragen. Denn oft sind einige hochmotivierte Nachwuchsfahrerinnen bereits in bestechender Form, um gleich am Jahresanfang auf sich aufmerksam zu machen, während andere sich voll auf die Vorbereitung für ihre Frühjahrs-Highlights konzentrieren.
Dazu kommt, dass der Parcours der Tour Down Under meist unberechenbar ist: hügelige Etappen, die in Massensprints, aber auch mit Solo-Siegen enden können – zumal in diesem Jahr auch die Bergankunft am Willunga Hill von den Frauen nicht angefahren wird, anders als in der kommenden Woche von den Männern.
Zwar beginnt und endet die 1. Etappe am Samstag in Willunga und der Schlusskilometer steigt auch an. Doch der Zielstrich wartet eben nicht am Ende der 3,4 Kilometer langen und im Schnitt 7,3 Prozent steilen Old Willunga Hill Road, sondern bereits an deren Anfang, am Ende der Bebauung der Kleinstadt. Insgesamt ist das 137,4 Kilometer lange Auftakt-Teilstück, das auf drei Runden von Willunga über den Badeort Aldinga Beach und durch die Weinregion McLaren Vale zurück nach Willunga führt, als Flachetappe zu bezeichnen, die mit einem Massensprint auf ansteigender Zielgerade enden dürfte.
Täuscht gewaltig: Das offizielle Profil der 1. Etappe sieht brutal schwer aus – bis man sich die Höhenmeterangaben auf der Y-Achse anschaut. | Grafik: Tour Down Under
Etwas schwieriger wird das Terrain auf Etappe 2, die von Magill durch die Adelaide Hills über 130,7 Kilometer nach Paracombe führt. Das Finale wird dort auf einer zwei Mal zu fahrenden, 12,5 Kilometer langen und welligen Schlussrunde ausgetragen – mit einem mit etwas mehr als drei Prozent ansteigenden Schlusskilometer für ein ähnliches Szenario, wie am Vortag.
Beim Profil der 2. Etappe haben die Veranstalter einen besser geeigneten Maßstabd angelegt, als auf Etappe 1. | Grafik: Tour Down Under
So könnte es durchaus sein, dass vor der Schlussetappe alles noch sehr eng beisammen ist in der Gesamtwertung und hauptsächlich an den Zwischen- und Zielsprints errungene Bonifikationen für Zeitabstände sorgen. Das Finale der 3. Etappe, die ebenfalls durch die Adelaide Hills östlich der Metropole führt, hat es dafür aber in sich.
Zweimal geht es innerhalb der letzten 30 Kilometer die gefürchtete Corkscrew Road hinauf, die bei 2,4 Kilometern Länge 9,7 Steigungsprozente im Schnitt aufweist – mit Spitzen von bis zu 16 Prozent etwa zur Mitte des Anstiegs. Nach dem Erreichen der Kuppe folgt eine schnelle und durchaus technische Abfahrt über sechs Kilometer zum Ziel in Campbelltown.
Das Profil der wohl entscheidenden 3. Etappe der Tour Down Under Women 2026 mit dem Corkscrew-Anstieg. | Grafik: Tour Down Under
Als die Tour Down Under den 'Korkenzieher' zuletzt besucht hat, ließ Rekordsiegerin Spratt an der steilen Rampe alle Kontrahentinnen stehen und brauchte für den Anstieg laut Strava 8:19 Minuten – 19 Sekunden weniger als ihre erste Verfolgerin Grace Brown. Die aber holte Spratt am Ende der Abfahrt auf dem Schlusskilometer noch ein, schlug sie dann im Sprint und sicherte sich so den Rundfahrtsieg. Das zeigt: Das ockerfarbene Trikot der Gesamtsiegerin kann auch in diesem Jahr sowohl an einen Bergfloh gehen als auch an eine starke Allrounderin.
Viele haben daher Titelverteidigerin Rüegg ganz oben auf ihrer Favoritenliste markiert, da die Schweizerin sowohl auf den ersten beiden Etappen in Sprints gegen Wollaston, Dygert & Co. Bonussekunden sammeln, als auch sich am Corkscrew-Anstieg bei den besten Kletterinnen festbeißen könnte. Fahrerinnen wie Spratt, Gaia Realini (beide Lidl – Trek), Ella Wyllie (Liv – AlUla – Jayco), Neve Bradbury (Canyon – SRAM – zondacrypto), Mavi Garcia, Dominika Wlodarczyk (beide UAE Team ADQ) oder Marion Bunel (Visma – Lease a Bike) werden aber alles versuchen, um die Schweizerin abzuhängen.
Nach der Tour Down Under Women wartet auf die Frauen ein Tag Pause, an dem in Adelaide mit einem Prolog der Startschuss zur Tour Down Under der Männer fällt. Am 21. Januar dann, wenn die Männer in Tanunda ihre 1. Etappe austragen, sind auch die Frauen noch einmal im Einsatz – für ein 2025 neu eingeführtes Eintagesrennen der UCI-Kategorie 1.Pro: Das Vangaurd Women's One Day Race wird diesmal auf einem zwölf Mal zu fahrenden, leicht welligen 8,5-Kilometer-Rundkurs ausgetragen – quasi ein großes Kriterium mit langen Geraden und nur fünf Kurven pro Runde für die wahren Sprint-Spezialistinnen.
Dass dieses Rennen keine 4. Down-Under-Etappe, sondern ein Eintages-Event im UCI-Kalender ist, dürfte einen simplen Grund haben: So gibt es für die Teams in Australien noch etwas mehr Weltranglistenpunkte zu holen – quasi als Belohnung dafür, dass sie nicht die Tour Down Under als jenes einer WWT-Event 2026 ausgewählt haben, welches sie auslassen.
Leicht wellig ist der Rundkurs beim Eintagesrennen der TDU Women in Tanunda. | Grafik: Tour Down Under
Alle drei Etappen und auch das Eintagesrennen werden auf Discovery+ von Beginn an live zu verfolgen sein – allerdings ist das mitten in der mitteleuropäischen Nacht. Zielankunft soll für die TDU-Etappen jeweils um etwa 5:30 Uhr (MEZ) sein – und für das One Day Race 8:30 Uhr.
1. Etappe, 17.1.: Willunga – Willunga (137,4 km)
2. Etappe, 18.1.: Magill – Paracombe (130,7 km)
3. Etappe, 19.1.: Norwood – Campbelltown (126,5 km)
21.1.: Tanunda – Tanunda (94,2 km)
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