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16.01.2026 | (rsn) – Willunga. Am Samstag kehrt Noemi Rüegg in die Kleinstadt im australischen Bundesstaat South Australia zurück, an deren Rand sie vor einem Jahr den Startschuss für ihr beeindruckendes Frühjahr 2025 gegeben hatte. Die Schweizerin feierte dort auf der 2. Etappe der Tour Down Under Women (2.WWT) ihren ersten WorldTour-Sieg und machte tagsdrauf auch den Gesamtsieg perfekt.
Nun ist die 24-Jährige wieder nach Australien gereist und wird in den kommenden drei Tagen als Titelverteidigerin am Start stehen. Wieder in Willunga. Diesmal aber nicht oben auf dem Hügel am Ende der berüchtigten Old Willunga Hill Road, sondern unten an dessen Fuß. Dort nämlich beginnt die erste WorldTour-Rundfahrt der Saison diesmal. Und auch wenn nach drei Runden über den Küstenort Aldinga Beach und die Weinregion McLaren Vale am Ende des Tages wieder Willunga erreicht wird, geht es diesmal nicht den schweren Anstieg hinauf. Die Ziellinie wartet bereits im Ort selbst am Ende einer rund 500 Meter langen, mit etwa vier Prozent ansteigenden Zielgeraden.
"Dass der Willunga Hill fehlt ist auf eine Art schon ein bisschen traurig", gab Rüegg nun vor dem Start der Rundfahrt gegenüber radsport-news.com zu, dass sie gerne nochmal im Rennbetrieb dort hinaufgefahren wäre. "Aber auf der anderen Seite ist es für mich auch positiv, weil es ein bisschen Druck von mir nimmt. Alle drei Etappen sind anders als im letzten Jahr und wenn es nicht der gleiche Kurs ist, kann man auch nicht eins zu eins das gleiche Resultat erwarten." ___STEADY_PAYWALL___
Konnte es selbst nicht glauben: Noemi Rüegg bei ihrem Sieg am Willunga Hill 2025. | Foto: Cor Vos
Doch auch ohne Willunga Hill und mit anderer Streckenführung als 2025 gehört Rüegg wieder zum engsten Favoritenkreis – wenn sie nicht sogar die Top-Favoritin ist. Ihr kommt entgegen, dass die Etappen 1 und 2 zwar im Sprint enden dürften, beide aber auf ansteigenden Zielgeraden. Da könnte Rüegg bereits einige Bonifikations-Sekunden einstreichen, wenn sie in die Top 3 fährt. Und dann entscheidet das Rennen voraussichtlich am Montag die Schlussetappe nach Campbelltown, die auf den finalen 30 Kilometern zwei Mal die 2,4 Kilometer lange und im Schnitt 9,7 Prozent steile Corkscrew Road hinauf- und anschließend sechs Abfahrtskilometer hinunter ins Ziel führt.
"Corkscrew haben wir uns angeschaut. Es ist ein recht harter Anstieg – steiler, aber etwas kürzer als Willunga", erzählte Rüegg von der Rampe mit Spitzen von bis zu 16 Prozent etwa zur Mitte des Anstiegs. Dort, dessen darf sie sich sicher sein, werden die Kletterspezialistinnen im Peloton – gerade Leichtgewichte wie Rekordsiegerin Amanda Spratt und Gaia Realini (beide Lidl – Trek) oder Marion Bunel (Visma – Lease a Bike) - alles versuchen, um die Titelverteidigerin abzuschütteln. Doch Rüegg ist zuversichtlich: "Wir fahren dort zwei Mal hoch und es wird sicher eine Herausforderung für mich, aber ich denke ich werde mit drüber kommen können."
Während Rüegg einerseits davon sprach, dass ihr das Fehlen des Willunga Hills etwas Druck nimmt, erklärte die 24-Jährige RSN drei Tage vor Rennstart aber auch, dass sie davon ohnehin noch keinen spüre:
Am Drücker: Noemi Rüegg (vorne) gab 2025 am Willunga Hill das Tempo vor. | Foto: Cor Vos
"Die Vorfreude ist sehr, sehr groß. Seit der Ankunft kommen immer wieder ganz coole Emotionen und Erinnerungen auf – gerade wenn ich auf den Straßen jetzt trainiere hier und die Recons mache. Das ist eine große Motivation, denn es ist das erste Mal, dass ich einen Titel verteidige und mit der Nummer 1 starte", erzählte sie. "Ich versuche das zu genießen und mir nicht zu viel Druck zu machen. Bis jetzt bin ich auch kaum nervös. Das kommt wahrscheinlich schon noch, aber ich weiß ja, dass, nur weil ich letztes Jahr gewonnen habe, das nicht heißt, dass ich auch dieses Jahr gewinnen kann."
Fit genug aber fühle sie sich und auch die Reise nach Australien habe sie gut weggesteckt – ohne größere Jetlag-Probleme. "Meine Vorbereitung war eigentlich sehr gut. Ich habe den Winter mehrheitlich in der Schweiz verbracht, was viel Rollentraining mit sich gebracht hat. Aber wir haben vom letzten Winter sehr viel übernommen im Training. Drum bin ich positiv, dass das auch dieses Jahr wieder gut sein wird. Ich würde sagen ich bin ziemlich auf dem gleichen Formstand wie letztes Jahr um diese Zeit", so Rüegg, die in Australien mit einem kleinen, aber starken Team unterwegs sein wird.
EF Education – Oatly nämlich bringt nur fünf Frauen an den Start des WorldTour-Auftakts 2026. Dafür aber sind die wirklich stark und dürfen trotz der Unterzahl sogar als eines der stärksten Teams im Rennen bezeichnet werden: Weltmeisterin Magdeleine Vallieres, die bei der letzten Corkscrew-Passage 2023 im Alter von damals gerade 20 Jahren bereits siebtplatzierte Neuseeländerin Henrietta Christie, die von Canyon – SRAM zu EF gewechselte Vorjahreszehnte Alice Towers und die erst 20-jährige Schwedin Stina Kagevi, von der Teamchef Jonathan Vaughters im Dezember im Domestique-Podcast sagte, dass sie 2026 überraschen werde.
Noemi Rüegg beim Bejubeln des Gesamtsieges nach der Schlussetappe der Tour Down Under 2025. | Foto: Cor Vos
"Ich bin für die ersten zwei Tage sicher die Leaderin und dann schauen wir mal, wo wir stehen", meinte Rüegg, die die sprintstärkste des EF-Quintetts ist und daher beim Auftakt in Willunga und auch auf Etappe 2 mit ebenfalls ansteigender Zielgerade in Paracombe die besten Karten auf einen Etappensieg oder zumindest auf Bonussekunden haben dürfte. "Unser Ziel ist sicher erstmal, auf Etappensieg zu gehen – und dann natürlich auch zu versuchen, das Gesamte zu verteidigen."
Das ist eine klare Ansage. Allerdings weiß Rüegg auch, dass gerade beim Saisonstart in Australien oft Überraschungen möglich sind durch Fahrerinnen, die bereits in Top-Form sind. "Es muss im Rennen schon alles zusammenpassen, damit es aufgeht", sagte sie. Schließlich darf man nicht vergessen: Rüeggs eigener erster Formhöhepunkt 2026 ist erst für die Frühjahrsklassiker geplant. Wenn das mit der Titelverteidigung in Australien also nicht klappen sollte, wäre das alles andere als ein Drama.
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