Weltmeisterin Vallieres hielt Schweizerin im Spiel

Rüegg bezwingt UAE im 1-gegen-3 und gewinnt Tour Down Under

Von Felix Mattis

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Noemi Rüegg (EF Education - Oatly) feiert ihren Sieg in Campbelltown | Foto: Cor Vos

19.01.2026  |  (rsn) – Noemi Rüegg (EF Education – Oatly) hat die Schlussetappe der Tour Down Under Women (2.WWT) in Campbelltown gewonnen und sich damit zum zweiten Mal in Folge auch den Gesamtsieg bei der ersten WorldTour-Rundfahrt der Saison gesichert. Die Schweizerin vollbrachte dafür in den Adelaide Hills und rund um den steilen Anstieg in der Corkscrew Road eine wahre Meisterleistung und setzte sich schließlich in einer vierköpfigen Spitzengruppe gegen drei Fahrerinnen des UAE Team ADQ durch: Etappenzweite wurde Mavi Garcia vor ihrer spanischen Landsfrau und Paula Blasi sowie der polnischen Tour-de-France-Vierten Dominika Wlodarczyk.

"Ganz ehrlich: Ich kann das gar nicht glauben, bin total überwältigt. Es ist verrückt. Ich habe hier letztes Jahr gewonnen und natürlich wollten wir das wieder tun. Nur ist es immer schwerer, einen Titel zu verteidigen", strahlte Rüegg im Sieger-Interview kurz nach der Zieldurchfahrt und dankte ihrem Team um Weltmeisterin Magdeleine Vallieres, die sich in Australien voll in ihren Dienst gestellt hatte.

"Sie hatten so viel Vertrauen in mich, haben so sehr an mich geglaubt - mehr als ich - und gaben mir so viel Selbstvertrauen. Magdeleine hat diese Spitzengruppe so unglaublich zurückgeholt und ich habe echt gedacht: Vielleicht fahren wir besser für sie! Denn ich habe beim ersten Anstieg sehr gelitten und habe nicht mehr wirklich dran geglaubt. Aber dann kam ich das zweite Mal wirklich gut hoch, war mit den UAE-Mädels zusammen und habe das Spiel mitgespielt. Es hat geklappt – ich bin super stoked!"

Die Schlussetappe führte zwei Mal über den 2,4 Kilometer langen und im Schnitt 9,7 Prozent steilen Corkscrew-Anstieg. Bei der ersten Passage hatte Rüegg den Besten nicht folgen können. Vallieres aber wartete auf die Schweizerin und fuhr danach fast 15 Kilometer lang konsequent von vorne, um ihre Teamkollegin im Spiel zu halten, die dann bei der zweiten Corkscrew-Passage wieder nach vorne aufschloss und schließlich die UAE-Übermacht im Eins-gegen-Drei bergab nach Campbelltown und auf der Zielgeraden bezwang.

"Ich wusste, dass sie mich immer wieder angreifen würden. Das war ihre einzige Chance. Deshalb habe ich geschaut, dass ich immer sofort am Hinterrad bin und nie lange warte. Ich konnte auf meine Beschleunigung vertrauen und es war auch eine schnelle Straße in Richtung Ziel, so dass der Windschatten sehr geholfen hat", schilderte Rüegg das Finale, in dem sie hellwach agierte und sich von keinem Angriff der Konkurrenz mehr überraschen ließ.

Rüegg bleibt cool und gewinnt deutlich, Van Dam Zünglein an der Waage

Als es dann auf die Zielgerade ging, hätte Rüegg für den Gesamtsieg dank der sieben Bonussekunden vom Vortag sogar der zweite Etappenplatz hinter egal welcher der drei UAE-Fahrerinnen gereicht, doch ob ihr das bewusst war, ist nicht übermittelt. Sie fuhr voll auf Sieg. "Am Ende haben sie quasi einen Leadout für mich gefahren, was auch schön war", grinste sie im Interview. "Und dann bin ich einfach gesprintet und habe es genossen."

Rüegg gewann die Tour Down Under Women schließlich mit elf Sekunden Vorsprung auf Garcia, 14 auf Blasi und 17 auf Wlodarczyk. Zwölf Sekunden hinter Rüegg wurde die Kanadierin Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike), die im Etappenverlauf in gewisser Weise auch ein Zünglein an der Waage gespielt hatte (siehe unten), im Sprint der ersten Verfolgergruppe Tagesfünfte und sicherte sich so auch Gesamtrang fünf mit 25 Sekunden Rückstand nach ganz vorne.

Nina Buijsman (Human Powered Health) aus den Niederlanden wurde Etappen- und Gesamtsechste (+ 0:29) vor der australischen TDU-Rekordsiegerin Amanda Spratt (Lidl – Trek / + 0:29), der Neuseeländerin Ella Wyllia (Liv – AlUla – Jayco / + 0:29), der Spanierin Mireia Benito (AG Insurance – Soudal / + 0:29) und der Belgierin Lotte Claes (Fenix – Premier Tech / + 0:29).

Wollaston früh abgehängt, Czapla verteidigt Weiß bis zum Schluss

Mit ihrem Etappensieg zog Rüegg in der Punktewertung noch mit der Neuseeländerin Ally Wollaston (FDJ United – Suez) gleich, die die ersten beiden Etappen gewonnen hatte. Die Sprinterin konnte auf der Schlussetappe bei der ersten Corkscrew-Passage schon nicht mehr folgen und musste sich daher früh vom Führungstrikot verabschieden, behielt bei 65:65 Punkten im Vergleich mit Rüegg dank der höheren Anzahl an Etappensiegen aber das Blaue Trikot der Punktbesten.

Blasi behauptete auf der Schlussetappe das Bergtrikot und die Deutsche Justyna Czapla (Canyon – SRAM – zondacrypto) behielt das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin. Die 21-Jährige musste die Besten bei der zweiten Corkscrew-Passage zwar ziehen lassen, biss sich aber fest und ließ keine andere Fahrerin aus der Nachwuchswertung wegfahren. So erreichte sie das Ziel in der zweiten Verfolgergruppe mit 27 Sekunden Rückstand und fuhr dort knapp vor ihrer letzten Kontrahentin um Weiß, Rosita Reijnhout (Visma – Lease a Bike), als 17. ins Ziel, um Weiß bei Zeitgleichheit durch die besseren Etappenergebnisse zu behaupten.

So lief die 3. Etappe der Tour Down Under Women 2026:

Bei etwas angenehmeren Temperaturen als am Vortag, das Thermometer zeigte 26 Grad, begann die entscheidende Etappe der Tour Down Under unruhig. Zunächst aber konnte sich niemand absetzen und so sicherte sich Bergtrikotträgerin Blasi den ersten Bergpreis am Kangaroo Creek Reservoir nach zehn Kilometern aus dem Hauptfeld heraus.

Über die Kuppe setzte sich Carina Schrempf (Fenix – Premier Tech) ab und gut zehn Kilometer später schloss sich ihr Mikayla Harvey (SD Worx – Protime) an. Das Duo bildete nun die Ausreißergruppe des Tages, fuhr bis zu 5:30 Minuten Vorsprung heraus und beide gewannen je einen der beiden ersten Zwischensprints.

Je näher die Corkscrew Road aber kam, desto kleiner wurde der Rückstand des Hauptfeldes wieder und es war schnell klar: Harvey und Schrempf würden nicht durchkommen. Schon am Fuß der ersten Corkscrew-Passage kamen sie in Sichtweite und an den steilen Serpentinen zur Mitte des Anstiegs, 25 Kilometer vor dem Ziel, wurden sie eingeholt und durchgereicht. Nicht mehr im Feld dabei war nun auch schon die Gesamtführende Ally Wollaston (FDJ United – Suez), die bereits ganz am Anfang der Rampe zurückgefallen war.

Das Streckenprofil der 3. Etappe der Tour Down Under Women. | Grafik: Tour Down Under

Bergauf schlug UAE ein Höllentempo an und nachdem die Ausreißerinnen gestellt waren, setzten sich Garcia und Wlodarczyk ab. Nur Sarah van Dam (Visma – Lease a Bike) konnte dem Duo noch folgen und am Bergpreis, den Wlodarczyk als Erste überquerte, schienen sie die Rundfahrt vorentscheiden zu können. Dort hatten sie zehn Sekunden Vorsprung auf ein Septett mit Rüegg, Mireia Benito (AG Insurance – Soudal), Harvey, Amanda Spratt (Lidl – Trek), Lauren Dickson (FDJ United – Suez) und Blasi, das von Rüeggs Teamkollegin Magdeleine Vallieres angeführt wurde.

Die Weltmeisterin spannte sich nun kompromisslos für die Schweizerin ein und verrichtete auf den folgenden 15 Kilometern fast die komplette Nachführarbeit allein, um die Verfolgerinnen in Schlagdistanz zu halten – auch wenn der Vorsprung der drei Spitzenreiterinnen zunächst weiter anwuchs.

UAE lässt sich von Van Dam aus der Ruhe bringen

Vorne beteiligte sich van Dam nicht an der Führungsarbeit, sprintete aber bei der ersten Zielpassage, wo noch ein Zwischensprint winkte, trotzdem an Garcia und Wlodarczyk vorbei zu den drei Bonussekunden. Damit verärgerte und verunsicherte sie das UAE-Duo, das anschließend abwechselnd zu attackieren begann. Nach drei Versuchen, die van Dam abwehrte, setzte sich Wlodarczyk rund 15 Kilometer vor dem Ziel ab und die Kanadierin musste nun die Nachführarbeit leisten.

Dahinter bekam die weiterhin von ihrer Landsfrau Vallieres angeführte Gruppe um Rüegg, die 13 Kilometer vor Schluss rund eine halbe Minute zurücklag, nun noch deutlich Zuwachs und Hilfe durch zwei weitere EF-Fahrerinnen sowie Spratts Lidl-Teamkollegin Gaia Realini, die sofort Vallieres ablösten. Rund 25 Frauen holten daher zehn Kilometer vor Schluss van Dam und Garcia ein, Wlodarczyk aber fuhr vorn allein weiter und erreichte den Fuß des zweiten Corkscrew-Anstiegs mit noch immer 30 Sekunden Vorsprung.

Dort mussten nun Canyon-Kapitänin Neve Bradbury und auch Czapla früh reißen lassen, doch die Deutsche biss sich fest und ließ keine andere Fahrerin des Nachwuchsklassements wegfahren, so dass sie das Ziel später gemeinsam mit Reijnhout erreichte und ihr Weißes Trikot behaupten konnte – das aber unbeachtet durch die TV-Kameras. Die waren fokussiert auf das Geschehen an der Spitze:

Rüegg holt Wlodarczyk zurück und bezwingt dann die UAE-Übermacht

Dort gab Rüegg nun Vollgas und das Verfolgerfeld explodierte. Nur Garcia und Blasi konnten der Schweizerin folgen, die Sekunde um Sekunde vom Vorsprung von Wlodarczyk abknabberte und die Lücke 500 Meter vor der Kuppe so gut wie geschlossen hatte. Blasi zog sofort vorbei und beschleunigte, worauf Rüegg für einen Moment nichts zu antworten hatte, doch weil Garcia ihrer Landsfrau und Teamkollegin folgte, konnte sich auch die Schweizerin nochmal festbeißen. Zu viert kamen sie über die Kuppe und nahmen die Abfahrt in Angriff.

Dort versuchte das UAE-Trio, seine Überzahl auszuspielen und abwechselnd zu attackieren. Sie agierten dabei aber jeweils ohne den nötigen Punch und Überraschungsmoment. Rüegg blieb hellwach, war immer sofort am Hinterrad und musste so kaum eine richtige Lücke schließen, während die UAE-Fahrerinnen jeweils abwechselnd nach den Attacken einzeln selbst kurz ins Hintertreffen gerieten.

So ging es auch noch zu viert um die letzte Kurve auf die Zielgerade, wo Garcia zunächst mit Rüegg am Hinterrad von vorne fuhr und dann wild gestikulierte, um ihren Teamkolleginnen Anweisungen zu geben. Blasi zog den Sprint an, Rüegg blieb cool, wartete noch einen Moment und fuhr dann rund 200 Meter vor Schluss unwiderstehlich los. Niemand konnte ihr folgen und die Schweizerin holte sich den Etappen- sowie den Gesamtsieg, für den ihr aufgrund der am Vortag eroberten sieben Bonussekunden und dem ersten Platz von van Dam am Zwischensprint bei der ersten Zielpassage übrigens sogar Etappenplatz zwei gereicht hätte – egal hinter wem aus dem UAE-Trio.

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