Wer triumphiert in den Ardennen?

So tippt die Redaktion: Lü-Ba-Lü der Männer und Frauen

Foto zu dem Text "So tippt die Redaktion: Lü-Ba-Lü der Männer und Frauen"
Triumphiert Weltmeister Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) am Sonntag zum vierten Mal bei Lüttich-Bastogne-Lüttich? | Foto: Cor Vos

25.04.2026  |  (rsn) – Wer sind die Favoritinnen und Favoriten für das nächste große Rennen? Auf wen sollte man sonst noch achten? In der Redaktion bei radsport-news.com gehen die Meinungen vor den Saison-Highlights oft auseinander – auch wenn die Top-Favoriten manchmal auf der Hand liegen, weicht der eine oder andere mitunter gerne vom Offensichtlichen ab und wagt Außenseitertipps.

In der Saison 2026 werden wir uns vor den Highlights virtuell aus dem Fenster lehnen und unsere Prognosen wagen, um uns dann am Ende auslachen zu lassen, wenn es wieder ganz anders gekommen ist.

Hier sind unsere Tipps zum Lüttich-Bastogne-Lüttich der Männer und Frauen:

Kevin Kempf:
Da ich zumindest bei den Männern einen fast schon orakelhaften Lauf habe, führe ich meine Kollegen mit keinem gewagten Tipp an: Tadej Pogacar, wer sonst? Mit Paul Seixas ist ein gediegener Konkurrent aufgestanden, der schon beim letzten Aufeinandertreffen der beiden bei der Strade Bianche nicht weit hinter dem Weltmeister stand. Doch er stand dahinter und das sollte sich auch in Lüttich nicht ändern. Ob er gleich beim ersten Angriff des Slowenen bricht, wage ich aber zu bezweifeln. Auch Remco Evenepoel könnte dem Weltranglistenersten zumindest eine kurze Zeit Kopfzerbrechen bereiten.

Auch bei den Frauen traue ich mich nicht, vom Bewährten abzuweichen. Demi Vollering hat der versammelten Weltelite an der Mur de Huy am Mittwoch eine Lehrstunde erteilt. Das dachte man zumindest, bis Puck Pieterse zum Endsprint ansetzte und ihrer Landsfrau noch sehr nah kam. Vollering ist also nicht unschlagbar, aber trotzdem die klare Favoritin. Kasia Niewiadoma-Phinney wird dem Podium den internationalen Touch geben.

Matthias Seng:
Klar: Remco Evenepoel bewies beim Amstel Gold Race seine ganze Klasse und Shootingstar Paul Seixas flog bei seinem Flèche-Wallonne-Debüt die Mur de Huy hinauf, als wäre tatsächlich nur der Himmel die Grenze. Doch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich treffen die beiden Überflieger auf einen, für den es tatsächlich keine Grenzen zu geben scheint: Tadej Pogacar musste sich bei Paris-Roubaix zwar etwas überraschend Wout van Aert geschlagen geben, doch in den Ardennen kehrt der Weltmeister auf ein Terrain zurück, auf dem er tatsächlich unschlagbar ist. Die Frage ist nur, wo Pogacar seine siegbringende Attacke starten wird. Hinter ihm wird der 19-jährige Seixas im Sprintduell um Kampf zwei gegen den erfahreneren Evenepoel den Kürzeren ziehen.

Auch bei den Frauen wird es den Sieg der Favoritin geben. Zwar ging es am Mittwoch an der Mur de Huy auf den letzten Metern eng zu, als Demi Vollering den Atem von Puck Pieterse im Nacken spürte. Doch die Niederländerin rettete sich knapp vor ihrer Landsfrau ins Ziel. Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich wird es Europameisterin Vollering nicht auf einen Sprint ankommen lassen und sich solo ihren dritten Sieg nach 2021 und 2023 holen – und zwar vor der “Ardennen-Entdeckung“ Paula Blasi, die nach dem Coup beim Amstel Gold Race und Rang drei beim Fléche Wallonne nun in Lüttich Zweite vor Pieterse wird.

Paul Grosch:
Nach seinem "Durchhänger" mit Platz zwei bei Paris-Roubaix wird Tadej Pogacar bei Lüttich-Bastogne-Lüttich wieder auf das oberste Podest klettern. Die Attacke wird wie in den letzten Jahren an der Côte de la Redoute erfolgen. Remco Evenepoel müsste früher attackieren, sein Vorteil gegenüber Pogacar liegt in seiner Aerodynamik. Das traue ich ihm und vor allem seinem Team taktisch jedoch nicht zu. Die Anstiege in den Ardennen sind zu steil im direkten Duell mit Pogacar. Paul Seixas wird Pogacar am nächsten kommen und vielleicht sogar an der Redoute mitgehen können. Hoffentlich ein Teaser für die kommenden Jahre.

Bei den Frauen hingegen tippe ich nicht auf die Topfavoritin Demi Vollering, sondern auf Puck Pieterse. Vollerings Team hatte bereits beim Amstel Gold Race Schwierigkeiten, Attacken in einem hügeligen Rennen zu kontrollieren. Vollering musste dort selbst früh arbeiten und wurde so geschlagen, obwohl sie die stärkste Fahrerin war. Diese Geschichte wird sich am Sonntag wiederholen, und diesmal kann Pieterse von ihrer Landsfrau profitieren. An der Mur de Huy kam sie Vollering am Mittwoch schon gefährlich nahe, und im letzten Jahr wurde sie in Lüttich im Sprint vor Vollering Zweite.

Felix Mattis:
Meine Kollegen tippen alle auf Pogacar? Klar: Das ist der wahrscheinlichste Sieger! Doch ich hoffe es wird spannender, als viele denken. Pogacar wird an Redoute und Roche-aux-Faucons alles versuchen, Seixas und Evenepoel aber nicht richtig abhängen können und am Ende kommt es zum Sprint des Favoriten-Trios - mit dem besten Ende für den Mann, der schon beim Amstel Gold Race vor einer Woche gezeigt hat, was für einen starken Antritt er derzeit hat: Remco Evenepoel holt sich nach 2022 und 2023 seinen dritten Doyenne-Sieg.

Man darf wohl getrost sagen, dass die Favoritenrolle bei den Frauen noch klarer vergeben ist, als bei den Männern: Vollering ist derzeit bergauf einfach die Stärkste im Feld. Da fällt es auch mir schwer, ein Szenario zu erfinden, in dem die Niederländerin am Sonntag geschlagen werden könnte. Auf der anderen Seite aber ist La Doyenne das vom Profil her bislang schwerste Rennen dieser Saison - und vielleicht kommt deshalb doch noch jemand an Vollering heran. Eine Frau, der Lüttich-Bastogne-Lüttich noch im Palmares fehlt und die sich vor zwei Wochen als Titelverteidigerin bei Paris-Roubaix klar in den Dienst ihrer Teamkollegin gestellt hat: Tour-de-France-Siegerin Pauline Ferrand-Prévot lässt sich am Sonntag von Vollering nicht abschütteln und schlägt sie dann im Sprintduell am Quai des Ardennes.

Jan Zesewitz:
Bei den bisherigen Monumenten des Jahres wurde im Vorfeld ein Zweikampf zwischen Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar erwartet. Vor dem Ardennen-Klassiker gibt es nun sogar drei Favoriten. Wird es das Rennen spannender machen? Paris-Roubaix hat gezeigt, dass nicht immer alles so läuft, wie vorher erwartet. Und nach Lüttich bin ich doch zumindest sehr gespannt zu sehen, wie Seixas und Evenepoel die Herausforderung Pogacar annehmen und meistern. Mein Tipp: Es wird enger, aber es wird nicht reichen: Tadej Pogacar wird zum dritten Mal in Folge in den Ardennen siegen, vielleicht kommt es aber sogar zum Sprint.

Demi Vollering ist nach ihrem Sieg beim Flèche Wallonne die Topfavoritin auf ihren insgesamt dritten Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich. Die Niederländerin wird es aber nicht einfach haben, Annemie van Vleuten war 2022 die letzte Siegerin, die das Ziel als Solistin erreichte. Es könnte auch in diesem Jahr zum Sprint einer kleineren Gruppe kommen, den Puck Pieterse dieses Mal für sich entscheidet.

Sebastian Lindner:
Es wird wahrscheinlich nicht so deutlich wie in den letzten Jahren, als der Sieger immer mehr als Minute Vorsprung hatte. Aber der, der am Ende solo in Lüttich über die Ziellinie fährt, wird auch 2026 Tadej Pogacar heißen. Am längsten wird Remco Evenepoel mithalten können, ihres jungen Rivalen Paul Seixas werden sich die beiden vergleichsweise alten Hasen nach Absprache schon etwas früher entledigen, weil der ansonsten unberechenbar werden könnte. Im Duell der Sieger der letzten fünf Jahre ist Pogacar am letzten Berg dann einen Ticken stärker.

Im Frauenrennen dagegen wird es bis zur Ziellinie spannend bleiben. Eine kleine Gruppe mit vielen helferlosen Favoritinnen kommt gemeinsam nach Lüttich. Sicher ist nur der zweite Platz. Der geht an Kasia Niewiadoma. Beim Flèche am Mittwoch hat Demi Vollering im Sprint vor allem von ihrem Vorsprung gelebt. Den hat sie dieses Mal nicht. Deswegen gewinnt Puck Pieterse.

Guido Scholl:
Remco Evenepoel und Tadej Pogacar werden alles daransetzen, Shootingstar Paul Seixas loszuwerden – Pogacar an den Anstiegen, Evenepoel mit Angriffen dazwischen oder an weniger steilen Stücken. Doch der Franzose wird davon profitieren, dass die beiden „Großen“ sich auch gegenseitig hinterher steigen werden. Und dann feiert Seixas nach einem späten eigenen Antritt den Triumph seiner Karriere.

Für Katarzyna Niewiadoma dürfte das Rennen nach ihrem heftigen Sturz an der Cipressa bei San Remo Donne noch zu früh kommen. Daher läuft wohl alles auf ein Duell zwischen Demi Vollering und Pauline Ferrand-Prévot hinaus. Diesmal wird die Niederländerin das bessere Ende für sich haben. Im Zweiersprint ist sie einfach die Schnellere.

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour d`Algérie (2.2, DZA)
  • Belgrade Banjaluka (2.2, SRB)
  • Vuelta Asturias (2.1, ESP)
  • Gran Premio della Liberazione (1.2u, ITA)
  • Le Tour de Bretagne Cycliste (2.2, FRA)