Bei Tour mit gleicher Taktik, aber doch ganz anders

Für Jegat sind Pogacars Attacken “fast eine Erleichterung“

Von Kevin Kempf

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Jordan Jegat (TotalEnergies) bei der Tour de France 2025 | Foto: Cor Vos

30.06.2026  |  (rsn) – Jordan Jegat (TotalEnergies) war eine der großen Überraschungen der vergangenen Tour de France. Als ziemlich unbeschriebenes Blatt kämpfte er sich in seinem zweiten Profijahr bis auf Platz zehn im Schlussklassement vor. Dreimal holte der Franzose sich damals aus Gruppen heraus einen Vorsprung auf das Feld mit den Favoriten, aber auch als er sich zwischen den Favoriten beweisen musste, machte der damals 26-Jährige eine gute Figur.

Im Gespräch mit L’Équipe blickte Jegat nun auf die Bergetappen der damaligen Tour zurück. “Es ist am schwersten, dranzubleiben, wenn Pogacars Helfer an den Anstiegen ein hohes Tempo vorlegen. So ein Helfer gibt alles, was er hat; sein Rennen ist ohnehin in zehn Minuten vorbei“, erklärte er. “Wenn ich am absoluten Limit bin und mich an das Hinterrad klemme, zähle ich, wie viele UAE-Fahrer noch an der Spitze Führungsarbeit leisten müssen. Ich kann es kaum erwarten, dass der Letzte ausschert und Pogacar ziehen lässt.“

Statt zu versuchen, die Attacke mitzugehen, kann Jegat endlich ein Gang runterschalten. “Sobald er weg ist – ob allein oder mit (Jonas) Vingegaard –, beginnt für mich und einige andere ein zweites Rennen. Ein Rennen, das man im Fernsehen nicht sieht“, berichtete er. “Ich kann dann endlich mein eigenes Tempo fahren. Sein Angriff ist für mich fast eine Erleichterung. Ich kann ein gleichmäßiges Tempo halten, aber an ihm dranzubleiben, kommt absolut nicht in Frage.“

Als Beispiel nannte der Franzose die 16. Etappe der letztjährigen Frankreich-Rundfahrt. Die endete auf dem Mont Ventoux und Jegat belegte den 22. Rang, wobei noch elf Ausreißer vor ihm ins Ziel kamen. Auch damals attackierte Pogacar nach dem bekannten Muster. “Es geht rein um Schadensbegrenzung. Wir reden nicht miteinander; jeder fährt am Limit, wir attackieren uns kaum und kämpfen um unsere eigenen Platzierungen.“

Die Einblicke, die Jegat gab, sind interessant, da der TV-Zuschauer sie - wie der TotalEnergie-Profi selbst sagt - eben nicht zu sehen bekommt. “Der bestplatzierte Fahrer leistet die meiste Arbeit. Letztes Jahr am Mont Ventoux fuhr ich neben Felix Gall, der zu diesem Zeitpunkt auf dem siebten Platz lag. Ich war Elfter, und er bat mich nicht, Führungsarbeit zu übernehmen. Es war seine Aufgabe, die Arbeit zu machen, nicht meine“, erläuterte er.

"Oberstes Ziel ist ein Etappensieg"

In diesem Jahr sehen seine Prioritäten allerdings anders aus. “Mein oberstes Ziel ist ein Etappensieg“, verriet Jegat, der aber auch 2025 schon offensiv fuhr und dabei zweifellos neben dem Klassement auch stets den Tageserfolg angestrebt hatte. “Das Gepunktete Trikot steht an zweiter Stelle. Erst danach blicke ich auf die Gesamtwertung“, sagte er weiter.

“Ich werde mich auf diese neue Strategie einstellen, aber man kann davon ausgehen, dass ich jedes Mal versuchen werde, so lange wie möglich dranzubleiben. Es liegt nicht in meiner Natur, Dinge einfach so aus der Hand zu geben“, meinte Jegat abschließend. 

Und so klingt es ein wenig, als würde er doch genau so fahren wollen wie 2025 – wenn auch mit anderen Prioritäten und Zielen im Hinterkopf.

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